https://www.faz.net/-gzg-88d0m

Eintracht : Den Faden völlig verloren

Sichert der Eintracht den Punkt: Alexander Meier, hier gegen den Berliner Fabian Lustenberger (links), trifft auch gegen die Hertha. Bild: Wonge Bergmann

Beim 1:1 im Heimspiel gegen die Hertha ist das Tor von Meier ein Lichtblick. Vor allem in der zweiten Hälfte ist Berlin stärker als das Team von Trainer Armin Veh.

          2 Min.

          Wie konnte das passieren? Selbst Armin Veh wusste keinen Rat. „Ich muss erst mit der Mannschaft sprechen“, sagte der Eintracht-Trainer nach dem 1:1 gegen Hertha BSC Berlin. Eine Halbzeit lang sah es ordentlich aus, was die Frankfurter Fußballprofis bei ihrer siebten Punktspielprüfung anzubieten hatten. Zudem lagen sie vor 46.000 Zuschauern dank des Treffers von Alexander Meier, der in der 22. Minute mit links zugeschlagen hatte, verdient 1:0 in Führung. „Doch dann haben wir das Spiel völlig aus der Hand gegeben“, sagte später Bastian Oczipka. „Wir haben überhaupt nicht mehr für Entlastung nach vorne gesorgt“, klagte der Linksverteidiger der Eintracht. „Da war es auch nur eine Frage der Zeit, bis Berlin den Ausgleich machen würde.“

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Tatsächlich fiel er an diesem Spätsommersonntag in der 82. Minute, als Vladimir Darida Eintracht-Keeper Lukas Hradecky keine Abwehrchance ließ. Statt mit einem möglichen Sieg, den der eingewechselte Luc Castaignos vor dem Ausgleich auf dem Fuß hatte, von Tabellenplatz zwölf auf sechs zu springen, findet sich die Eintracht nun auf Rang zehn wieder. „Das alles ist völlig unnötig“, sagte Oczipka in seiner Analyse. „Nach der Pause haben wir total den Faden verloren.“

          Zunächst gute Leistung entpuppt sich als Trugschluss

          Am Tag, als die Eintracht zwar ihre stolze Heimserie auf nun 14 Spiele ohne Niederlage in Folge ausbaute, es aber verpasste, sich weiter nach oben zu orientieren, erinnerte Marco Russ an einen, der überhaupt nicht dabei war. „Man hat schon gemerkt, dass uns Haris gefehlt hat. Er kann die Bälle halten und festmachen, er sorgt für Ruhe.“ Doch der Schweizer Haris Seferovic war nun einmal nicht dabei, weil ihn ein Muskelfaserriss zum Zuschauen zwang. Eintracht-Coach Veh baute deshalb seine Offensive um, brachte überraschend Vaclav Kadlec von Beginn an, der gemeinsam mit Rückkehrer Stefan Aigner das Sturmduo bildete. Doch Kadlec verpasste es abermals, sich für weiterführende Aufgaben zu empfehlen. „Die erste Halbzeit ist an uns gegangen“, sagte Veh später über die Spielanteile pro Eintracht. „Doch die zweite ging klar an die Hertha.“ Warum? Vermutlich, weil die Frankfurter „einfach aufhörten, Fußball zu spielen“, wie Russ und Oczipka bemängelten.

          Lange Zeit sah es danach aus, als ob die Eintracht nach zuletzt zwei Auswärtsspielen (0:0 in Hamburg, 0:2 in Schalke) halbwegs an die gute Leistung aus dem Heimspektakel gegen Köln (6:2) anknüpfen könnte. Doch dies war ein Trugschluss. „Wenn das Spiel noch zehn Minuten länger gedauert hätte, hätten wir noch ein Tor gemacht“, spekulierte Hertha-Trainer Pal Dardei – und hatte mit dieser Einschätzung vermutlich Recht. Statt zu agieren, wie dies zum Spielstil der Eintracht passt, beschränkte sich die Mannschaft nach dem Seitenwechsel ganz auf die Rolle des Reagierenden und Zuschauenden. „Es war wirklich nur eine Frage der Zeit, bis das Ausgleichstor fallen würde“, sagte Veh selbstkritisch. „Wir haben einfach keinen Zugriff mehr gehabt.“

          Einer der wenigen Lichtblicke

          Bis auf die Szene, als Castaignos frei vor Hertha-Keeper Rune Jarstein auftauchte und das 2:0 hätte erzielen müssen (77.), boten sich den Frankfurtern in der zweiten Halbzeit keine weiteren Szenen von Rang und Namen. Das Bemühen war zwar da, doch so gut wie nichts gelang. „Wir haben viel zu viele einfache Fehlpässe gespielt“, monierte der noch im ersten Spielabschnitt auffällige Marc Stendera, der sich nach dem 1:1 mit dem Punkt „zufrieden“ gab.

          „Es sah so aus, als hätte uns die Kraft gefehlt, noch eine Schippe draufzulegen.“ Stendera selbst hatte immerhin Kraft genug, um bei seiner stärksten Aktion – dem vorausgehenden Eckball zur 1:0-Führung – den Ball präzise auf den Kopf von Russ zu zirkeln, der zentimetergenau zu Meier verlängerte. Dass der Eintracht-Kapitän schon wieder gegen die Hertha traf – zum fünften Mal in den vergangenen drei Begegnungen –, ist rückblickend einer der wenigen Lichtblicke aus Eintracht-Sicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Manuel Neuer vor EM-Start : Raus mit dem Stachel!

          Groß, stark, selbstbewusst: Kapitän Manuel Neuer will bei der Fußball-EM Wiedergutmachung nach dem deutschen Scheitern 2018. Er will in den Händen halten, was er bei der WM nicht zu fassen bekam.

          Corona-Lockerungen vertagt : Hat Johnson die Delta-Mutante unterschätzt?

          Nach dem verschobenen „Tag der Freiheit“ steht Boris Johnson in der Kritik. Der britische Premier habe zu spät auf die Virus-Mutante aus Indien reagiert, sagen manche. Andere fürchten, die Rückkehr zur Normalität falle in diesem Jahr komplett aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.