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Eintracht : „Das Ende der Fahnenstange“

  • -Aktualisiert am

Im Kampf gegen Fan-Gewalt kündigt der neue Eintracht-Vorstand Axel Hellmann eine Eingreiftruppe für Auswärtsspiele an. Kritik am DFB.

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          Die Ungewissheit, mit der die Frankfurter Eintracht bald in die neue Saison gehen wird, betrifft nicht nur ihre sportlichen Perspektiven. Mit dem Aufsteiger kehrt doch auch einer der größten Problemfälle der Fußball-Bundesliga zurück, der in den vergangenen Jahren durch Ausschreitungen seiner Fans für so viele unschöne Szenen gesorgt hat. Der Randalemeister ist wieder da - eine schlimme Vorstellung. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht“, sagt Axel Hellmann, seit Anfang Juni an der Seite von Heribert Bruchhagen neu im Vorstand der Fußball-AG.

          Der Jurist tingelte die vergangenen Wochen von Fanklub zu Fanklub, um auf eine Lösung zu dringen. Gerade mit den großen Vereinigungen, in denen die meisten Anhänger organisiert sind, wollte er die Gespräche darüber forcieren. „Wir werden die Präventivmaßnahmen intensivieren, auch wenn einige glauben, es würde nur zur nächsten Bankrotterklärung führen“, sagt Hellmann. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung führte der Eintracht-Vorstand aus, welche Maßnahmen der Verein zudem konkreter plant. „Ich bin dafür, dass die Grundlagen für eine Art eigenen Ordnungsdienst geschaffen werden, der uns bei Auswärtsspielen begleitet. Nur muss dieser Dienst auch ein Zugriffsrecht bekommen, was bisher nicht der Fall ist, weil das Hausrecht der gastgebenden Vereine unserem Ordnungsdienst auswärts kaum Handlungsspielraum erlaubt. Das muss in der Liga besser abgestimmt werden, denn 90 Prozent der Probleme treten bei unseren Auswärtsspielen auf. Außerdem kennen wir die möglichen Täter am besten.“ Die Eintracht wird schon jetzt zur neuen Saison bei Auswärtspartien einen eigenen Ordnungsdienst für die Fans einsetzen - rund 50 Leute, vorerst nur als Beobachter, wie Hellmann ankündigte. Das ist einmalig im deutschen Fußball. Der Klub geht davon aus, dass sich derzeit bis zu 200 gewaltbereite Störer unter die Fans mischen. Das ist zwar eine überschaubare Anzahl. „Aber die sind eingebettet in eine zahlenmäßig größere Gruppe von Fans, die das tolerieren, sich mit den Störern solidarisieren und ihnen eine Menge Ehre zuteil werden lassen“, sagt Hellmann.

          Wer sein Versprechen nicht einhält, soll keinen Zugang mehr zu Spielen der Eintracht erhalten

          Seit Jahren schafft es die Eintracht nicht, das Problem in den Griff zu bekommen. Zeitweise erschien es sogar so, als habe sich bei den Verantwortlichen ein Gefühl der Machtlosigkeit eingestellt. Wie brutal die Gewalttäter teilweise vorgehen, zeigte zuletzt der Abschluss der langwierigen Ermittlungen der Bundespolizei im Fall der Ausschreitungen beim Bundesligaspiel am 5. März 2011 zwischen den Frankfurtern und dem 1. FC Kaiserslautern. Angezeigt wurden unter anderem 61 Körperverletzungen - gegen sechs Beschuldigte sind inzwischen Haftstrafen von bis zu elf Monaten auf Bewährung ergangen. Damals waren auch fünf Polizeibeamte verletzt worden. Hellmann warnt die Gewalttäter im Stadion und auch diejenigen, die sie decken. „Wenn wir das nicht selbst in den Griff bekommen, wird der Staat und der Verband uns vieles von dem nehmen, wofür wir auch in Frankfurt gekämpft haben - zum Beispiel die liebgewonnenen Stehplätze oder sozialverträgliche Eintrittspreise.“

          Als nächsten Schritt kündigte der neue Eintracht-Vorstand an, dass Dauerkartenbesitzer beim Kauf des Tickets per Unterschrift eine „Ehrenerklärung“ abgeben sollen, als Bekenntnis gegen Pyrotechnik und Gewalt im Stadion. Wer sein Versprechen nicht einhält, soll keinen Zugang mehr zu Spielen der Eintracht erhalten. Aber ob das hilft? Die Verpflichtung gilt noch nicht für diese Saison. Und im vergangenen Sommer floppte schon einmal mit der „Liste der Selbstverständlichkeiten“ das Bestreben, den Fans einen Verhaltenskodex aufzuerlegen. Wenige Tage nach dem Start des Vorhabens randalierten die ersten wieder. „Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, genug Vernünftige zu mobilisieren, um eine ruhigere Saison zu erleben. Aber ich bin nicht so naiv zu glauben, dass keine einzige Bengalo-Fackel mehr angehen wird. Denn ich bin mir fast sicher, dass manche Leute uns trotzdem zeigen wollen, dass sie sich allen Regeln und Maßnahmen widersetzen und uns weiterhin herausfordern wollen“, sagt Hellmann.

          Kritik übt er nochmals am Sportgerichtsurteil des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wonach die Eintracht wegen Verfehlungen ihrer Fans an den letzten drei Spieltagen der vergangenen Zweitligasaison das erste Bundesligaspiel zu Hause gegen Bayer Leverkusen vor nur 20.000 Zuschauern bestreiten soll. Der Klub ist in die Berufung gegangen. „Ein Kollektivurteil ist nicht geeignet, eine Situation zu befrieden, und auch aus rechtsstaatlicher Sicht sehr fragwürdig. Es stärkt nicht die Glaubwürdigkeit des DFB in der Bekämpfung des eigentlichen Übels“, sagt Hellmann.

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