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Einlagensicherung : Geld aufteilen, Risiko reduzieren

Eingetrübt: Seit Zypern sind sich Anleger nicht mehr so sicher, wie sicher ihr Erspartes ist. Bild: Fricke, Helmut

Das Vertrauen der Sparer ist angeknackst. Der Fall Zypern zeigt: Die Einlagensicherung gilt nicht uneingeschränkt. Finanzexperten empfehlen, höhere Summen auf mehrere Banken zu verteilen.

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          Sylvia Beckerle, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, hatte in jüngster Zeit viele beunruhigte Anleger am Telefon. Keine Kleinsparer, wie sie sagt, sondern Verbraucher mit einem Vermögen von mehr als 100.000 Euro. „Das ist bei uns in der Beratung eher die Regel als die Ausnahme.“ Dabei handele es sich oftmals um Vertreter einer Generation, die sich im Leben nicht viel gegönnt, sondern eisern gespart hätten. Nun ist die Sorge um das Ersparte groß.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Zypern werden die Sparer, die mehr als 100.000 Euro auf dem Konto haben, an den Kosten der Rettung beteiligt. Der Fall führt deutlich vor Augen: Banken arbeiten mit dem Geld, dass sie von Anlegern bekommen, und legen es nicht für ihn in einem Tresor zur Seite. Dafür gibt es Zinsen - in Zypern bis zum vergangenen Jahr noch 4 bis 5 Prozent, wie Beckerle anmerkt. So gesehen gewähren Kontoinhaber mit ihrem Guthaben Kredit. Geraten die Banken in Schieflage, werden Sparer zu Gläubigern.

          Nicht mehr als 100.000 Euro bei einer Bank

          Immerhin, die in der EU geltende gesetzliche Einlagensicherung von maximal 100.000 Euro wurde im Fall der Zypernrettung eingehalten, nachdem zunächst auch Kleinsparer mit herangezogen werden sollten. Gerade deswegen steht für Verbraucherschützerin Beckerle fest: „Das Vertrauen vieler Sparer ist angeknackst.“

          Die Finanzberaterin empfiehlt verunsicherten Verbrauchern, was sie auch vor Zypern schon geraten hat: Nie mehr als 100.000 Euro bei einer Bank anlegen. Auch Max Herbst von der FMH-Finanzberatung empfiehlt vermögenden Verbrauchern, ihr Geld auf mehrere Häuser zu verteilen. Das Risiko lasse sich auf diese Weise bequem reduzieren. Denn die gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 100.000 greift nicht pro Anleger, sondern pro Anleger und Bank, wie Herbst deutlich macht. Das heißt: Wer Einlagen von 250.000 Euro etwa auf drei Banken verteilt, dessen Geld ist zu hundert Prozent durch die EU-weite Sicherung gedeckt. Hat er das Geld nur bei einer Bank liegen, muss sich zeigen, ob er sich auf deren Sicherungssysteme verlassen kann. Fest steht: Ein Teil der Spareinlagen bei Banken ist langfristig gebunden. Wollten plötzlich alle Kunden an ihr Geld, wäre auch jede noch so seriös arbeitende Bank schnell bankrott.

          In Großbritannien das Geld einklagen

          Gleichwohl lohnt es sich für Sparer, die auf Sicherheit bedacht sind, bei den Banken genauer hinzuschauen. Zwar haben viele ausländische Institute, die oft bessere Zinsen bieten als deutsche Häuser, Niederlassungen in Deutschland, das heißt aber nicht, dass sie auch eine Bank nach deutschem Recht sind, wie Finanzexpertin Beckerle anmerkt. „Nur wenn eine ausländische Bank eine Banklizenz nach deutschem Recht erworben hat, gilt für sie auch die deutsche Bonität.“ Konkret heißt das: Anleger einer ausländischen Tochter können die EU-weit gesetzlich geschützten 100.000 Euro in diesem Fall auch beim deutschen Entschädigungsfonds einklagen und müssen sich dafür nicht an die jeweiligen nationalen Systeme wenden. Wie heikel das sein kann, mussten seinerzeit die deutschen Sparer erfahren, die ihr Geld bei der maroden isländischen Kaupthing Bank angelegt hatten. Sie bekamen ihr Geld erst zurück, als sich die deutsche Regierung für die Entschädigung eingesetzt hatte. „In einem Krisenfall ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Staat zunächst seine eigenen Bürger zu entschädigen versucht“, meint Beckerle.

          Die Verbraucherschützerin macht deutlich: Die freiwillige Einlagensicherung des Bundesverbandes der deutschen Banken, bei der sich viele Auslandsinstitute angeschlossen haben, gilt erst über die ersten 100.000 Euro hinaus. Die Bank of Scotland etwa gehört zu den ausländischen Banken, die in Deutschland Niederlassungen hat und der freiwilligen Einlagensicherung angeschlossen ist. Im Krisenfall müssten die ersten 100.000 Euro jedoch in Großbritannien eingeklagt werden. Cortal-Consors-Kunden müssten sich an das französische Sicherungssystem wenden, NIBC-Kunden an das der Niederlande.

          Eine Bank nach deutschem Recht sind dagegen ausländische Institute wie die Ing-Diba, Akbank und Santander Consumer Bank, von denen nur letztere Filialen in Deutschland hat. „Diese Banken bieten dieselbe Sicherheit wie etwa die Commerzbank oder die Deutsche Bank“, sagt Beckerle. Die entscheidende Frage für Anleger sei daher: Ist eine Bank Mitglied in der deutschen Einlagensicherung? „Wir empfehlen nur Banken, die im Mitgliederverzeichnis des Bundesverbandes deutscher Banken stehen“, sagt Beckerle. Informationen dazu finden Anleger unter www.bankenverband.de. Einen guten Überblick können sich Anleger auch auf Finanzportalen wie www.biallo.de verschaffen. Hier ist die jeweilige nationale Zugehörigkeit mit einer Flagge gekennzeichnet.

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