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Einkaufszentrum : Loop 5 fehlt die Anbindung an eine Innenstadt

  • -Aktualisiert am

98 Prozent der Flächen vermietet: Loop 5 in Weiterstadt bei Darmstadt Bild: Wohlfahrt, Rainer

Das Einkaufszentrum Loop 5 in Weiterstadt ist mit seinem Umsatz zufrieden, denkt aber auch daran, neue kaufkräftigere Kunden zu gewinnen. Thalia bleibt.

          Die Buchhandelskette Thalia, die in den vergangenen Wochen diverse Geschäfte in Deutschland geschlossen hat und an weitere Schließungen denkt, plant nicht, das Geschäft im Weiterstädter Einkaufszentrum Loop 5 aufzugeben. Das sagte eine Sprecherin in der Hagener Zentrale. Loop-5-Geschäftsführer Heiner Hutmacher weiß um die notleidende Buchbranche, kündigt deshalb auch besondere Werbeaktionen des Filialisten an.

          Weil Hutmacher mitteilte, dass bald zwei neue große Textilgeschäfte einzögen, blieb die Frage, wer dafür weichen sollte, denn eine Vergrößerung des Einkaufszentrum mit seinen 56.000 Quadratmeter Verkaufsfläche und den 177 Läden steht nicht an. Namen sind Hutmacher nicht zu entlocken, weder die neuer Geschäfte noch alter, die dafür aufgeben werden. Spruchreif ist lediglich, dass Adidas neu hinzukommt und auch Subways. Die Umsätze in dem Einkaufszentrum an der Autobahn 5 sind Hutmacher zufolge moderat gestiegen seit der Eröffnung vor drei Jahren. Im ersten Vierteljahr bis Mitte Januar 2010 seien sie sehr gut gewesen, danach sei ein Loch gekommen, das erste Überlegungen nach Strategieänderungen zur Folge gehabt habe.

          Vermietungsstand bei 98,1 Prozent

          Sein Unternehmen, das zum portugiesischen Konzern Sonae Sierra gehört, hat erkennen müssen, dass Einkaufszentren außerhalb der Innenstädte länger brauchen, um sich durchzusetzen. Mit Umsätzen und Vermietungsstand sei das Unternehmen „zufrieden“, sagte Hutmacher und verwies auch auf den hohen Druck des Wettbewerbs mit den umliegenden Innenstädten und anderen Einkaufszentren in Südhessen. Der Vermietungsstand liege aktuell bei 98,1 Prozent, für Ende dieses Jahres rechnet er mit 99 Prozent nach 95 Prozent zur Eröffnung im Jahre 2009.

          Dass der aufmerksame Besucher des Konsumtempels auch geschlossene Geschäfte wahrnimmt, liegt offenbar daran, dass Hutmacher in seiner Statistik immer schon die künftigen Neugeschäfte aufnimmt. Er verweist seinerseits darauf, dass es seit Anbeginn mehr Zu- als Wegzüge gegeben habe, dass weniger als drei Prozent der 177 Geschäfte gewechselt hätten. Als stabil erwiesen sich die großen Textilläden und die Sportgeschäfte.

          Modebewusst: „Loop 5” bietet einen hohen Anteil an Bekleidungsgeschäften, auch für junge Kunden.

          Zu kämpfen hat Loop 5 von Anfang an mit seiner Lage in einem Gebiet, das fast nur mit dem Auto zu erreichen ist. Eine Straßenbahn oder S-Bahn gibt es nicht, die Busse bieten keinen direkten Anschluss an große Städte. Derzeit spricht das Centre-Management mit der regionalen Nahverkehrsgesellschaft darüber, bald eine Busverbindung vom Darmstädter Hauptbahnhof ohne Umwege einzurichten. Das fehlende urbane Umfeld fällt vor allem am Vormittag auf, wenn sich werktags nur wenige Kunden in den drei Stockwerken verlieren. Schüler fehlen dann, ferner vermisst man die Laufkundschaft, die zum innerstädtischen Arbeitsplatz eilt. Zwar finden in der Mittagszeit viele Arbeitnehmer aus der Umgebung den Weg in den sogenannten Food-Court und bekommen da in kurzer Zeit ein Mittagessen, doch ob der nicht vorhandenen Anbindung an Wohngebiete oder eine belebte Innenstadt gibt es in dem Zentrum auch keine Restaurants, die am Abend Kunden anziehen. Deshalb wünscht sich Hutmacher auch mehr Geschäfte in der unmittelbaren Umgebung, um auch „Brötchenkunden“ bedienen zu können. Aus den nahen, fast leer stehenden Bürogebäuden müsse man ein Hotel oder Studentenwohnungen machen, empfiehlt er.

          Wer hierherkommt, steuert gezielt das Einkaufszentrum mit dem Auto an. Hutmacher macht eine Gegenrechnung auf: Die sogenannten Kofferraumkunden ließen mehr Geld in den Geschäften als die Tütenkunden. Und innerhalb des Sonae-Sierra-Konzerns sei die Quote, was ein Besucher im Einkaufszentrum ausgebe, bei Loop 5 „doppelt so hoch“ wie im Durchschnitt aller Einkaufszentren. Das heißt, dass der Durchschnittskunde in Weiterstadt mehr in den Kassen lässt als sein Pendant im „Alexa“ am Berliner Alexanderplatz, wo die Frequenz weit höher ist. Die meisten Besucher zählt das Weiterstädter Einkaufszentrum an Samstagen und offenen Sonntagen, vor allem im Weihnachtsgeschäft, sowie an Brückentagen oder in den Ferien. Dann kommen Hutmacher zufolge die Kunden auch aus Bad Homburg oder Mannheim, die bis zu 45 Minuten Fahrzeit hätten.

          Das Haupt-Einzugsgebiet liege in einem Radius von bis zu 30 Kilometern, erstrecke sich auf den Großraum Darmstadt und das hessische Ried. 90 Prozent der Kunden nutzten das Auto. Loop 5 definiert für sich ein Einzugsgebiet mit 1,1 Millionen Einwohnern und hoher Kaufkraft. Hutmacher, der auch dem Vorstand der Darmstädter Industrie- und Handelskammer angehört, glaubt, dass der Markt groß genug ist, um für die Darmstädter Innenstadt keine Nachteile entstehen zu lassen.

          „Indoor-Spielplatz“ geplant

          Zu den geplanten Umstrukturierungen innerhalb seines Hauses zählt Hutmacher eine Änderung des Branchenmixes. Habe man anfangs auf junges wechselwilliges Publikum gesetzt, dem man viele kleine Läden geboten habe mit junger billiger Mode, so wolle man sich jetzt an kaufkräftigerer älterer Kundschaft orientieren. Hier müsse man etwas tun. Bisher zeigte es sich, dass zu Schulzeiten viele kleine Modegeschäfte, die sich an junges Publikum wenden, meist leer waren. Es gibt nach Angaben des Centre-Managers eine Reihe von Geschäften oder Marken, „die wir gerne hätten“. Im nächsten Jahr will er auch einen „Indoor-Spielplatz“ einrichten mit großer Rutschbahn für die Kleinen und Computer-Spielplätzen für die Vierzehnjährigen.

          Bei den Öffnungszeiten hat Loop 5 nach mehreren Monaten reduziert. Montags ist nun von 10 bis 20 Uhr geöffnet, freitags und samstags bis 21 Uhr. In der Weihnachtszeit jeweils eine Stunde länger.

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