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Kaugummi : Lecker im Mund, nervig am Schuh

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Vor dem Platzen: Diese Kaugummi-Blase ist schon ganz gut, aber bis zum Weltrekord von angeblich 58,4 Zentimetern ist es noch weit. Bild: Picture-Alliance

Kaugummi ist oft bunt, immer klebrig und ganz schön alt. Schon vor Tausenden Jahren haben unsere Vorfahren gerne gekaut. Obwohl die ersten Exemplare alles andere als lecker waren. Eine kleine Kulturgeschichte.

          Der erste Kaugummi der Welt hat nach Pech geschmeckt. Nach Birkenpech, um genau zu sein. Das ist eine schwarze, sehr zähe und klebrige Flüssigkeit, die entsteht wenn man das Harz von Bäumen erhitzt. Klingt nicht sehr lecker, aber in Südschweden wurde wohl auf diese Art vor 9000 Jahren der Kaugummi erfunden. „Menschen hatten schon immer gerne etwas im Mund, das ist ein Urtrieb“, sagt Pamela Kerschke-Risch. Sie ist Soziologin an der Universität Hamburg und hat sich auf Ernährung spezialisiert.

          Fast immer ist das gleiche drin

          Kaugummi hat also eine sehr lange Geschichte und war auch bei den Ureinwohnern Zentralamerikas beliebt. Die Maya und Azteken kauten auf etwas herum, das heute noch in manchen Kaugummis verwendet wird: Chicle. Das ist ein Gummi, das aus dem weißen Milchsaft des Breiapfelbaums gemacht wird. Allerdings kann der nur alle sechs bis acht Jahre „gemolken“ werden. Weil sich aber schon jeder Deutsche durchschnittlich 100 Kaugummis im Jahr in den Mund schiebt, werden heute oft künstlich erzeugte Stoffe bei der Herstellung benutzt.

          Dabei ist fast immer das gleiche drin, egal, ob es ein Dragee mit Minzgeschmack oder ein Streifen mit Erdbeeraroma ist. Grundlage ist die Kaumasse, sie war früher vor allem aus Chicle. Was genau die großen Hersteller aber heute hineinmischen, verrät keiner von ihnen. Dazu kommen Verdickungsmittel und Weichmacher. Sie sorgen dafür, dass der Kaugummi sich angenehm und geschmeidig im Mund anfühlt. Früher war in vielen Kaugummis Zucker, heute ist es meistens Süßstoff, weil der besser für die Zähne ist. Zum Schluss helfen Emulgatoren dabei, dass sich alles leichter vermischen lässt. Und natürlich darf das Aroma nicht fehlen.

          Von A wie Apfel bis Z wie Zitrone gibt es fast alles. Alle wichtigen Neuerungen rund um den Kaugummi kamen aus Amerika. Der größte und wohl auch bekannteste Hersteller ist heute noch Wrigley’s. Zuerst war die 1891 gegründete Firma eine Seifenfabrik. Dann wurde als Werbegeschenk zu jeder Packung Seife ein Päckchen Backpulver gepackt. Das verkaufte sich so gut, dass Wrigley’s anfing, auch Backpulver herzustellen. Mit dem gleichen Trick, gab es zu jedem Päckchen Backpulver zwei Streifen Kaugummi. Zum Schluss blieb es bei den Süßigkeiten.

          Tipps und Tricks wenn´s mal wieder klebt

          Dass Kaugummis so beliebt sind und waren, erklärt die Ernährungssoziologin Kerschke-Risch auch mit dem Preis. Von Anfang an seien sie ein „Penny Product“ gewesen, also etwas, das man für wenige Cent oder Pfennige kaufen konnte. Auch heute ist er noch billiger als andere Süßigkeiten. Außerdem ist er an manchen Orten wie der Schule verboten, das macht ihn extra interessant. Und man kann damit spielen. Die größte Kaugummiblase der Welt wurde von einer Amerikanerin gepustet und hatte einen Durchmesser von 58,4 Zentimetern. Sie war somit größer als ein Basketball. Für den Rekord brauchte die Frau drei Stück Blasenkaugummis. Ob sie den Kaugummi nach dem Platzen in die Haare bekommen hat, ist nicht bekannt.

          Wenn so etwas passiert, gibt es aber ein paar Tricks, um ihn wieder herauszubekommen: Einfach die Stelle mit Salatöl, Butter oder Hautcreme gut einfetten, dann den Gummi herauskämmen und danach nur noch Haare waschen. Aus Kleidung oder von Schuhen kriegt man die klebrige Masse am besten ab, wenn man sie zuerst vereist. Das geht mit Eisspray aus der Apotheke oder einfachen Eiswürfeln. Wenn der Kaugummi hart gefroren ist, kann man ihn einfach ablösen.

          Einmal im Jahr „Kaugummischießen“ auf der Zeil

          Aber warum klebt der Kaugummi eigentlich überall so gut, nur nicht im Mund? Das liegt am Speichel. Der bildet zwischen dem Kaugummi, den Zähnen und Schleimhäuten im Mund einen feinen Film. Dadurch kann sich der Kaugummi nicht in den feinen Rillen an deren Oberflächen ausbreiten. An Tischen und Schuhen hält er deshalb aber umso besser. Denn selbst scheinbar glatte Oberflächen sind unter dem Mikroskop ganz rauh und bieten viele Vertiefungen, in denen sich der Kaugummi ausbreiten kann.

          Am allerschwierigsten abzubekommen ist er aber von der Straße, weil er da durch die vielen Füße noch fester eingetreten wird. Deshalb rückt einmal im Jahr die FES, die sich um den Müll in Frankfurt kümmert, zum „Kaugummischießen“ auf der Zeil an. Dafür benutzen die Mitarbeiter eine Lanze. Das klingt gefährlicher, als es ist: Wasserdampf wird mit hohem Druck auf die Kaugummis gerichtet und lockert sie so. Danach wird darübergeschrubbt. Zurück bleiben nur noch dunkle Flecken, dort, wo zuvor der Kaugummi geklebt hat. Auf der Zeil sind das so etwa 30 bis 40 Flecken je Quadratmeter. Die Entfernung einmal im Jahr kostet mindestens 5000 Euro. Davon könnte man mehr als 6600 neue Päckchen Kaugummi kaufen.

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