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Bundespolizei alarmiert : Flugbetrieb in Frankfurt ruht für Dreiviertelstunde

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Am Donnerstagmorgen geht am Frankfurter Flughafen eine Dreiviertelstunde lang nichts mehr. Eine Drohnensichtung legt den Flugbetrieb lahm. Es ist nicht das erste Mal.

          Wegen einer Drohnensichtung musste der Flugbetrieb am Frankfurter Flughafen am Donnerstagmorgen etwa eine Dreiviertelstunde eingestellt werden. Es seien aus Sicherheitsgründen keine Starts und Landungen möglich gewesen, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport.

          Nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei gab es am frühen Morgen mehrere Hinweise auf eine Drohne im Süden des Geländes. Da das Fluggerät dann aber nicht mehr gesichtet wurde, gab die Bundespolizei in Absprache mit der Flugsicherung den Betrieb um 8.15 Uhr wieder frei. Die Hintergründe der Störung seien noch unklar, so der Sprecher. Landes- und Bundespolizei arbeiteten mit Hochdruck an der Aufklärung, konnten den Flugkörper aber zunächst nicht orten. Unter anderem war ein Hubschrauber im Einsatz.

          Laut Deutscher Flugsicherung handelte es sich Zeugen zufolge um ein größeres Gerät mit einem Durchmesser von etwa 1,50 Meter. Es sei von mehreren Piloten im Süden des Geländes gesichtet worden. Möglicherweise handelte es sich um ein professionelles Gerät, für das eine Aufstiegserlaubnis beim Land Hessen hätte eingeholt werden müssen. Der Flughafenbetreiber Fraport und die Lufthansa berichteten von Störungen des Flugbetriebs. Einige Flieger mussten umgeleitet werden und landeten beispielsweise in München, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Ein Flug der Austrian aus Wien kehrte wegen der Sperre um. Zahlenangaben zu betroffenen Flügen und Passagieren gab es zunächst nicht.

          Störungen an Flughäfen durch Drohnen nehmen zu

          Bereits Ende März war der Flugbetrieb am Frankfurter Flughafen nach der Sichtung einer Drohne für eine halbe Stunde am Nachmittag eingestellt worden. Das Fluggerät war damals ebenfalls im Süden des Flughafens gesehen worden. Am größten deutschen Flughafen waren an diesem Tag von 1439 Flügen bis zum Abend rund 60 annulliert worden, die meisten allerdings im Zusammenhang mit einer Computerpanne im Flugsicherungszentrum Langen. Wegen der Drohne kamen weitere Verspätungen hinzu.

          Die Deutsche Flugsicherung hat 2018 insgesamt 158 Behinderungen des regulären Luftverkehrs durch Drohnen registriert, etwa 80 Prozent mehr als noch 2017. Im Großraum von Flughäfen seien 125 der Fälle gemeldet worden, erklärte das bundeseigene Unternehmen, das für die Flugverkehrskontrolle in Deutschland zuständig ist. Die meisten Störungen gab es am Flughafen Frankfurt/Main (31), gefolgt von Berlin-Tegel (17), München (14) und Hamburg (12). 2017 hatte es bundesweit 88 Fälle gegeben. Die Meldungen beruhen allein auf Sichtungen.

          In Deutschland sind Drohnenflüge über den Start- und Landebereich an Flughäfen verboten - genauso wie über Menschenmengen, Krankenhäusern, Gefängnissen, Behörden, Bundesstraßen oder Bahnanlagen. Dort, wo es erlaubt ist, müssen die Geräte während des Fluges grundsätzlich in Sichtweite bleiben und dürfen nicht höher fliegen als 100 Meter. Ausnahmen gibt es auf Modellflugplätzen.

          Verantwortliche müssen konsequent verfolgt werden

          Nach der abermals Drohnensichtung am Frankfurter Flughafen verlangt der Branchenverband ADV eine konsequente Verfolgung der Verantwortlichen. Verstöße gegen die Flugverbotszonen müssten mit allem Nachdruck verfolgt werden, erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel am Donnerstag in Berlin. „Flughafenbetreiber sind auf schnelle und effektive Abwehrmaßnahmen durch die Polizeibehörden angewiesen, um Einschränkungen für den Flugbetrieb zu vermeiden.“

          Tatsächlich verfügen Flughäfen und Behörden nur über wenige Abwehrmöglichkeiten gegen unbemannte Flugobjekte. Militärische Detektions- und Störsysteme, wie sie in Großbritannien zum Einsatz kommen, sind bislang an deutschen Verkehrsflughäfen nicht installiert. Die Drohnenabwehr ist nach Auffassung der Behörden eine Aufgabe der Polizeien von Bund und Ländern. Erneut war am Donnerstag ein Polizeihubschrauber aufgestiegen, um die Drohne zu verfolgen.

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