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Musical „Der kleine Prinz“ : Weißt du, wie viel Sternlein stehen

  • -Aktualisiert am

Menschen sind komisch: Der König (Ari Gosch, Mitte) hat große Herrscherpläne, der kleine Prinz (Moritz Bierbaum, rechts) hört skeptisch zu. Bild: Manfred Esser

Noch einmal mit Gefühl: Den „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry gibt es jetzt auch als Musical. Das hätte nicht sein müssen.

          Und wenn der kleine Prinz damals in der Wüste nicht am Biss der Schlange gestorben ist, so lebt er noch heute. Und zwar auf dem winzigen Planeten B 612 mit seinen drei Vulkanen und einer vom Prinzen gehegten, gepflegten und vor allem verehrten Rose. Wenn er sich dann vielleicht, nach der Verrichtung seines Alltags, bei der Betrachtung eines Sonnenuntergangs an seine Reise auf die Erde erinnert, kommt ihm gewiss wieder diese eine Erkenntnis in den Sinn: „Die großen Leute sind entschieden ganz ungewöhnlich – sie denken sich sogar ein Musical über meine Geschichte aus.“

          Antoine de Saint-Exupérys philosophisches Märchen „Der kleine Prinz“ ist eines der bekanntesten und meistverkauften Bücher der Welt. Kein Wunder daher, dass die anrührende Geschichte über den Wert der Freundschaft schon in allen erdenklichen Spielarten für Bühne und Leinwand adaptiert worden ist. Ein Musical allerdings war bisher nicht darunter. Seit Dezember gibt es nun aber auch in diesem Genre eine Version des „Kleinen Prinzen“, für die mit Deborah Sasson und Jochen Sautter ein versiertes Team verantwortlich zeichnet. Sasson, die amerikanische Sängerin, einst ein Star auf den Opernbühnen der Welt und häufiger Gast in deutschen Fernsehshows, hat die Musik komponiert, der frühere Balletttänzer Sautter hat nicht nur das Libretto, die Liedtexte und die Choreographien beigesteuert, sondern auch die Regie übernommen. Beide arbeiteten schon bei ihrer Inszenierung des Musicals „Das Phantom der Oper“ zusammen, das zu den erfolgreichsten Tourneeproduktionen des Genres gehört.

          Darsteller tapsen behäbig über die Bühne

          Auf die Tour durch wechselnd große Hallen mit unterschiedlichen Bühnen ist nun auch „Der kleine Prinz – Das Musical“ ausgelegt, was den geradezu spartanischen Produktionsaufwand des Werks erklärt, das am Samstag in Darmstadt zu sehen war. Am aufwendigsten wirkten im gutbesuchten Kongresszentrum Darmstadtium noch Daniel Stryjeckis Videoanimationen, die auf einer Leinwand passende Bilder zur Reise des Prinzen an verschiedenen Planeten vorbei zur Erde boten. Ansonsten ist Schmalhans Requisitenchef, was nichts zur Sache täte, gäbe es auf der Bühne denn sonst etwas zu sehen. Da ist nur fast nichts los.

          Figuren wie der Laternenanzünder (Isabel Waltsgott), der Pillenhändler (Pascal Jounais), der Eitle (Michael Chadim), der Säufer (Jonas Wichmann) und der Geschäftsmann (Daniel Hauser) treten jeweils für ein Lied auf, das meist recht, mitunter aber auch eher schlecht vorgetragen wird, während der Prinz (Moritz Bierbaum) sich dazu als Beobachter allenfalls einmal um die eigene Achse drehen kann. Als wären sie gerade aus dem Winterschlaf erwacht und zudem von einem schweren Mahl aufgestanden, tapsen die Darsteller behäbig durchs Bild, von keiner Regie zu etwas Lebendigkeit oder Ausdruck angehalten. Dass Sautter selbst viele Jahre getanzt hat, will man angesichts seiner lahmen, nichtssagenden Choreographien gar nicht glauben.

          Bedient sich bei bewährten Schlagerpopmustern

          Bei so viel Bräsigkeit entgehen einem fast einige hübsche Stimmen im elfköpfigen Ensemble. Bierbaum verfügt als Prinz wirklich über einen glockenklaren Tenor, und der Kanadier Benoit Pitre in der Rolle des Piloten und Erzählers überzeugt mit wohltönendem Bariton, selbst wenn ihm Sasson einen Song geschrieben hat, der eher an den gemütlichen Schlagerbarden Roger Whittaker als an einen in der Wüste abgeschmierten Flieger denken lässt, der zum entschlossenen Handeln gezwungen ist.

          Überhaupt orientiert sich Sassons Musik, die von einem neunköpfigen Ensemble um die als Kapellmeisterin dienende Violinistin Aleksandra Kulpa live gespielt wird und vom erfahrenen Arrangeur Matthias Suschke orchestriert wurde, an bewährten Schlagerpopmustern, was der Gefälligkeit gewiss nur dienlich sein kann. Wenn dann die Regie noch ihrer Aufgabe nachkommt, leuchtet möglicherweise auch dieser Produktion irgendwann ein Stern.

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