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Massiver Stellenaufbau in Höchst : Ein wichtiger Schub für den Standort

Auf Wachstumskurs: Der Arzneimittelhersteller Sanofi will im Industriepark Höchst 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. Bild: Michael Kretzer

Sanofi will 1000 neue Stellen in Frankfurt schaffen, damit steigt die Mitarbeiterzahl im Industriepark Höchst kräftig - vor allem Chemiefachkräfte werden gesucht. Aber im Industriepark passiert noch mehr.

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          Solche Nachrichten hat es aus der Industrie in Deutschland zuletzt nur sehr selten gegeben: 1000 neue Mitarbeiter will Sanofi-Aventis bis 2017 im Frankfurter Industriepark Höchst einstellen. Das ist nicht nur für den Arzneimittelhersteller erfreulich, der sein Geschäft mit Medikamenten für Zuckerkranke ausbauen will. Auch für den Industrieparkbetreiber Infraserv ist die Ankündigung eine gute Nachricht: Die Mitarbeiterzahl auf dem Stammgelände der früheren HoechstAG, die zuletzt um die Marke 22.000 stagnierte, erhält durch die Sanofi-Initiative einen Schub. Das ist gut für das Image des Standorts und für das Geschäft von Infraserv – zumal es um den Industriepark in den vergangenen Monaten ruhig geworden war und die Neueinstellungen bei Sanofi scheinbar aus dem Nichts kommen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sanofi stärkt mit dem Schritt seine Rolle als größtes Unternehmen am Standort, das gleichzeitig auch einer der Eigentümer von Infraserv ist. Läuft es wie geplant, steigt die Zahl der Sanofi-Mitarbeiter in Höchst auf 8000. Danach kommt, gemessen an den Beschäftigtenzahlen, lange nichts. Infraserv selbst zählt nach eigenen Angaben noch 1900 Mitarbeiter, erst am Jahreswechsel hatte man noch den Abbau von 300 Stellen angekündigt.

          Industrie investiert in Höchst

          Die Geschäftsführung reagierte damit auf Einbrüche im Stromgeschäft infolge der Energiewende. Mittlerweile laufe das Geschäft mit Strom und Dampf aber wieder, sagt ein Sprecher. Dabei zahlten sich Investitionen in die Energieproduktion aus. Das gelte auch für die lange Zeit notleidende Ersatzbrennstoffanlage. Drei Jahre später als zunächst geplant und zwischenzeitlich von der Insolvenz bedroht, wandelt die Anlage nun in allen ihrer drei Öfen Müll in Energie um. Ob die Anlage Gewinn abwirft, lässt der Sprecher allerdings offen. Nur so viel: „Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgung mit Strom und Dampf zu wettbewerbsfähigen Preisen und erfüllt die Erwartungen.“

          Zu den nach Sanofi und Infraserv nächst größeren Unternehmen im Industriepark zählen zwei weitere Miteigentümer der Betreibergesellschaft, die beide ebenfalls in den vergangenen Jahren kräftig in Höchst investiert haben: Celanese hat dort in mehreren Betrieben knapp 1300 Mitarbeiter und im Jahr 2011 sein Ticona-Werk in Betrieb genommen, das Kunststoffe unter anderem für Autohersteller liefert.

          Attraktiver Firmenstandort

          Clariant hat wiederum im Oktober 2013 sein neues Forschungszentrum im Industriepark eröffnet. Es war außer der 160 Millionen Euro teuren neuen Fabrik des Chemiekonzerns Akzo Nobel, der in Höchst Grundstoffe für Dinge des Alltags wie Zahnpasta, Arzneien und Türrahmen aus PVC herstellt, die zuletzt größte Investition am Standort. In dem 100 Millionen Euro teuren Neubau arbeiten Clariant-Forscher beispielsweise an Zusätzen für Duschgels, Kunststoffen als Verdicker von Shampoos und umweltfreundlichen Hilfsstoffen für Ölbohrungen. Ob diese Entwicklungen dann später auch in Frankfurt hergestellt werden, ist allerdings offen. Zwar ist Höchst der größte Produktionsstandort von Clariant, aber nicht der kostengünstigste.

          Der Konzern baut gleichwohl seine Anlage für Spezialwachse aus und will jährlich 20 Mitarbeiter einstellen, die zu den aktuell 1350 Arbeitskräften hinzukommen werden. Außer Forschern sucht Clariant vor allem Chemikanten – und dürfte dabei in Konkurrenz zu Sanofi treten, das ebenfalls Dutzende solcher Fachkräfte einstellen will. „Das wird hart, denn dieser Bedarf ist regional nicht zu decken“, sagt ein Branchenkenner.

          Dass der Industriepark für viele Firmen sehr attraktiv ist, zeigt auch der Umzug der von der Frankfurter Chemetall abgespaltenen Rockwood Lithium nach Höchst. Vor der Verlagerung aus dem Frankfurter Stadtteil Hausen hatte die Chefetage mehrere Standorte geprüft. Die 210 Mitarbeiter starke, weltweit führende Firma forscht an Zusätzen für die Arzneiproduktion und an Batteriematerialien. Man sei in Höchst „sehr zufrieden“, heißt es dort.

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