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Vor Pokalspiel bei St. Pauli : Ein Wecker für die Eintracht

Frustrierter Kämpfer: An Dominik Kohr lag es nicht, dass die Eintracht in Gladbach nicht punktete. Bild: Jan Huebner

Im Pokal auf St. Pauli soll der Frankfurter Eintracht gelingen, was gegen Tabellenführer Mönchengladbach versäumt wurde: Hellwach sein von der ersten Minute an. Allerdings fällt André Silva „definitiv“ aus.

          3 Min.

          Die Zahlen waren aufschlussreich: Dieser Fehlschlag hätte sich vermeiden lassen. Die Eintracht lag beim Ballbesitz mit 51 Prozent vorne, gab mehr Torschüsse ab als der Gegner (15:13) und gewann genau wie die Borussia die Hälfte ihrer Zweikämpfe. Und doch standen die Frankfurter, auch weil sie insgesamt weniger und zuerst vor allem dem Geschehen hinterher liefen (119,6 zu 123,4 Kilometer), wieder einmal in dieser Saison auswärts mit leeren Händen da. Wie schon in Leipzig und Augsburg (beide 1:2) und dem Play-off-Hinspiel der Europa League in Straßburg (0:1) lag die unbefriedigende Ausbeute daran begründet, dass sich die Spieler von Adi Hütter bis zur Pause mit einer Nebenrolle auf dem Rasen zufriedengaben: Sie reagierten auch in Mönchengladbach zunächst darauf, was der Spitzenreiter unternahm, anstatt selbst initiativ und mit Dynamik zur Sache zu gehen.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Erst nach Justierungen in der Pause entwickelte sich eine Auseinandersetzung, in der es phasenweise dann so aussah, als wäre zumindest ein Punkt zu ergattern. Die Hereinnahme von Dominik Kohr trug zur Stabilität im defensiven Mittelfeld bei, in dem zuvor der indisponiert agierende Sebastian Rode seinen Kollegen keine Hilfe war. Der Schritt von Hütter, Daichi Kamada weiter vorne an die Seite von Mittelstürmer Goncalo Paciencia zu positionieren, war ebenfalls ein plausibler Ansatz; dreimal fehlte nicht viel und der filigrane Japaner hätte seinen Einsatz mit einem Volltreffer schmücken können. So aber vergab er binnen 180 Sekunden mit dem Kopf und dem Fuß Torgelegenheiten, die sich ein Angreifer mit mehr Durchschlagskraft zwischen der 66. und 68. Minute nicht hätte nehmen lassen. „Es war mehr drin für uns“, urteilte Djibril Sow, der sich wie alle Frankfurter nach gehemmtem Start steigerte.

          „Im zweiten Durchgang haben wir aber gezeigt, dass Gladbach keine Übermannschaft ist, und wir ihnen weh tun können. Da hatten wir eine Phase, in der die Borussia nicht mehr hinten rauskam. Der Unterschied war die Effizienz, deshalb haben sie auch verdient gewonnen.“ Sow sagte, dass er aus dem Misserfolg die Erkenntnis mitnehme, dass künftig die Sinne immer von der „ersten Sekunde an“ geschärft sein müssten; an der furiosen Vorstellung gegen Leverkusen (3:0) gelte es sich zu orientieren. Zögerliches Abwarten nach dem Anpfiff, so wie es im Borussiapark zu beobachten war, sollten sie „abstellen“, sagte der 22 Jahre alte Spieler: „Wir sind nicht so stark, dass wir jeden Rückstand bei einem Tabellenführer aufholen können.“

          Ziel: Die zweite Runde überstehen

          Fredi Bobic, der Sportvorstand, sprach davon, „dass wir in der ersten Halbzeit keine PS auf den Platz gebracht haben“. Insgesamt sei die Eintracht nach dem 1:2 einer Wende „sehr nah“ gekommen: „Da hatten wir ein bisschen Pech, aber das ist so, wenn du vorher etwas nicht so gut gemacht hast.“ Für Gelson Fernandes kam es nach der dritten Niederlage in der Liga und zu Beginn der schon siebten Englischen Woche darauf an, „gut zu erholen“.

          Nur so bestehe die Möglichkeit, an diesem Mittwoch im Pokal beim FC St. Pauli ein Ergebnis zu erreichen, das den Erwartungen entspricht: Die Eintracht möchte die zweite Runde überstehen und im Achtelfinale, das im Februar ausgetragen wird, dabei sein. Die Schmach, als Titelverteidiger in der vorigen Runde sogleich in Ulm ausgeschieden zu sein, zählt zu den Tiefpunkten der jüngeren Vergangenheit, in der ansonsten die Ansprüche wuchsen, weil die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung nur in eine Richtung wies: aufwärts.

          Von den Spielern, die am 19. Mai 2018 im Finale ihr Herz in beide Hände nahmen und die Bayern in die Knie zwangen, gehören nicht mehr allzu viele zum Frankfurter Kader: Da Costa, David Abraham und Makoto Hasebe standen seinerzeit in der Startformation und sind auch heute noch erste Wahl. Ob Mijat Gacinovic, dem mit dem Sololauf zum 3:1 seinerzeit die Krönung glückte, in Hamburg wird dabei sein können, entscheidet sich kurzfristig; ihm machen, wie es der Klub in einer Mitteilung formulierte, „muskuläre Probleme“ zu schaffen, die sein Mitwirken in Gladbach verhinderten.

          „Es wird laut, schwer und ein Kampf“

          Fernandes, der beim Coup in der Hauptstadt vor 17 Monaten zum Zuschauen gezwungen war, weil er sich im Halbfinale auf Schalke (1:0) einen Platzverweis eingehandelt hatte, geht die knifflige Aufgabe mit Respekt an. „Ich kenne das Stadion am Millerntor persönlich noch nicht“, sagte der 33 Jahre alte Spieler, „aber nachdem, was ich davon gehört habe, kann ich sagen: es wird laut, schwer und ein Kampf.“

          In Gladbach haben er und die Kollegen vor Augen geführt bekommen, was es bedeuten kann, nicht von Anfang an couragiert den Lauf der Dinge beeinflussen zu wollen. Der Coach der in der zweiten Liga zuletzt wenig überzeugenden Hamburger gab die Marschroute des Außenseiters schon vor. Jos Luhukay kündigte an, aus seiner Sicht gäbe es gar nichts zu verlieren, er und sein Team wollten „den Favoriten ärgern“. Beim letzten Aufeinandertreffen der Elf vom Kiez und den Hessen am Millerntor unterlag die Eintracht zu Zweitligazeiten im Dezember 2011 0:2. Im Pokal kreuzten sich die Wege bislang erst einmal: Vor 39 Jahren setzten sich die Frankfurter 3:2 nach Verlängerung durch.

          Der portugiesische Fußball-Nationalspieler André Silva fällt für die Zweitrundenpartie am Mittwoch aber „definitiv“ aus, wie Hütter sagte. Er hofft aber auf einen Einsatz von Stoßstürmer Dost.

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