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Am Hauptbahnhof : Ein Toter nach schwerem Busunfall in Wiesbaden

  • -Aktualisiert am

An dem schweren Unfall in Wiesbaden waren zwei Linienbusse und vier Autos beteiligt Bild: dpa

Nach einem Unfall mit zwei Linienbussen und mehreren Autos in Wiesbaden ist ein Mann gestorben, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Die Ermittlungen dauern an.

          2 Min.

          Der schwere Busunfall am Wiesbadener Hauptbahnhof hat ein Todesopfer gefordert. Nach Auskunft der Polizei erlag ein 85 Jahre alter Wiesbadener im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Zahl der Verletzten hat sich auf 23 erhöht. Die Unfallursache steht laut Polizei noch immer nicht fest, Gutachter sind damit beschäftigt, die Fahrzeuge zu untersuchen.

          Mittlerweile gibt es genauere Informationen über den Unfallhergang von Donnerstagabend: Der Bus hatte laut Polizei in der Bahnhofstraße gehalten und fuhr nach dem Ein- und Aussteigen der Passagiere geradeaus auf den Bahnhof zu, anstatt nach rechts in den Kaiser-Friedrich-Ring einzubiegen. Dabei rammte er zunächst drei Autos, überfuhr den Grünstreifen, rammte drei weitere Fahrzeuge und fuhr dann auf einen Linienbus auf, der auf der anderen Fahrbahnseite vor einer Haltestelle stand.

          An der Haltestelle erfasste der Bus dann zwei Fußgänger. Eine 35 Jahre alte Frau aus Wiesbaden hatte Glück im Unglück und wurde nur leicht verletzt, weil der Bus sie nur streifte. Der später verstorbene Wiesbadener erlitt durch den Aufprall schwere Verletzungen. Bei dem Getöteten handelt es sich nach Informationen des Wiesbadener Kurier um das Wiesbadener Handball-Original Horst Bundschuh, der auf dem Weg zum Training der A-Jugend der HSG Breckenheim/Wallau/Massenheim war.

          Der Unfallort wurde beim Eintreffen der Rettungskräfte weiträumig abgesperrt, was zur massiven Verkehrsbeeinträchtigungen während des abendlichen Berufsverkehrs führte. Die Bergungs- und Aufräumarbeiten waren erst am Freitagmorgen um 4 Uhr beendet, so die Polizei weiter. Die beteiligten Busse und auch die Autos wurden abgeschleppt und sichergestellt. Sie werden von Gutachtern untersucht. Die Polizei wird nun alle Beteiligten und Zeugen vernehmen. Bei dem Busfahrer gibt es nach Auskunft der Ermittler keine Hinweise auf die Einnahme von Alkohol oder Drogen. Wann die Unfallursache feststeht, ist laut Polizei nur schwer einzuschätzen. Der Bereich um den Hauptbahnhof wurde am Freitag noch einmal kurz gesperrt, um Bilder vom Unfallort anzufertigen.     

          Christian Giesen, Sprecher von Eswe-Verkehr, war kurz nach dem Unfall an der Unfallstelle. Er bestätigte am Freitag auf Anfrage, dass es sich um einen Bus von Eswe handelte. Der 65 Jahre alte Fahrer sei noch vor Ort von der Notfallseelsorge psychologisch betreut und dann aufgrund seiner Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. Bei dem anderen Bus handelte es sich laut Giesen um ein Fahrzeug der Mainzer Mobilitätsbetriebe, auf das der Eswe-Bus aufgefahren war. Dessen Fahrer war laut Giesen geschockt. Nach Auskunft der Polizei ist auch dieser Mann schwer verletzt.

          Ärger mit Gaffern

          „Bei unseren Mitarbeitern herrscht tiefe Trauer“, sagte der Eswe-Sprecher. Der Unfall-Bus stand am Freitag im Betriebshof der Verkehrsgesellschaft und werde dort unter Verschluss gehalten, bis die Gutachter mit ihren Untersuchungen zur Unfallursache fertig sind. Eine Veranstaltung zur elf Jahren Busschule und damit einhergehender Verkehrssicherheit, die am Freitagmorgen stattfinden sollte, sagte die Verkehrsgesellschaft kurzfristig ab, da dies nach dem schweren Unfall nicht angemessen sei.   

          Der Bus, der den Unfall ausgelöst hatte, kam erst in einem Wartehäuschen zum stehen.

          Für Verärgerung sorgte indessen das Verhalten zahlreicher Passanten rund um den Hautbahnhof. Nach Auskunft von Zeugen gab es immer wieder Gaffer, die ihre Handys zückten, um das Geschehen und auch die Opfer zu filmen. Das Areal war durch ein Flatterband abgesperrt. Unter der Hand, so war zu hören, wären großflächige Tücher oder Planen eine bessere Wahl gewesen, um die Intimsphäre der Opfer zu schützen. Mitarbeiter von Eswe sollen versucht haben, die Gaffer an ihren Aufnahmen zu hindern, was jedoch nicht immer gelang. In diversen Wiesbadener Online-Plattformen wiesen die Administratoren auf die Strafbarkeit solcher Videos hin und drohten uneinsichtigen Verbreitern mit dem Rauswurf aus den Online-Gruppen. Trotzdem kursierten zahlreiche Gaffer-Videos des Unfalls im Netz. Es gab aber auch viele Wiesbadener, die ihre Trauer und ihr Mitgefühl in den sozialen Netzwerken posteten.

          Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) sprach den Verletzten sein Mitgefühl und den Angehörigen des gestorbenen Mannes am Freitag via Facebook sein Beileid aus. Er dankte den vielen Helfern, die sich um die Unfallopfer gekümmert hatten. Unmut äußerte auch er über Gaffer, die Videos anfertigten.

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