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Unglücksjet von Egelsbach : Ein seltenes Kleinflugzeug aus dem Bausatz

  • -Aktualisiert am

Kann lediglich mit einer sogenannten Experimentalzulassung betrieben werden: die nahe Egelsbach abgestürzte Unglücksmaschine vom Typ Epic LT Bild: dpa

Die nahe Egelsbach abgestürzte Maschine vom Typ Epic LT ist ein seltenes und extrem schnelles Flugzeug aus Kohlefaser, das der Käufer selbst zusammenbauen muss. Es darf nur mit einer sogenannten Experimentalzulassung betrieben werden.

          Bei der in Egelsbach abgestürzten Maschine handelt es sich um eine Epic LT, ein extrem schnelles und seltenes Flugzeug. Diese Einmotorige aus den Vereinigten Staaten, die von einer 1200 PS starken Propellerturbine des Typs PT-6 von Pratt+Whitney angetrieben wird, ist ein Selbstbauflugzeug. Der Käufer produziert es aus einem rund 1,5 Millionen Dollar teuren Bausatz mit Unterstützung des Herstellers direkt in dessen Werk in Bend im Bundesstaat Oregon. Die Hochleistungs-Einmotorige für einen Pilot und bis zu fünf Passagiere hat sogar eine Druckkabine, kann also hoch über schlechtem Wetter fliegen.

          Nachdem der Hersteller des Selbstbauflugzeugs, Epic Aircraft, im Jahr 2009 in Konkurs ging, versucht das Nachfolgeunternehmen seit 2013, für die leicht modifizierte Maschine auch eine Luftfahrtzulassung durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA zu erreichen. Denn bislang kann die Epic LT lediglich mit einer sogenannten Experimentalzulassung betrieben werden. Dies schließt aber verschiedene kommerzielle Einsatzmöglichkeiten aus. Die abgestürzte Epic LT war in Russland registriert. Sie hatte die Seriennummer 19, insgesamt wurden nur 54 Bausätze der Epic LT verkauft.

          Eine Maschine des Typs war am Sonntagnachmittag bei frühlingshaftem Wetter in ein Spargelfeld bei Erzhausen – zwischen Frankfurt und Darmstadt – gestürzt und sofort ausgebrannt. Warum sie abstürzte, ist unklar. Das Kleinflugzeug mit sechs Sitzen war nach Angaben der Deutschen Flugsicherung im französischen Cannes gestartet. Wenige Minuten vor dem Absturz habe sich der Pilot bei der Deutschen Flugsicherung abgemeldet, um sich beim Tower des Flugplatzes Egelsbach für die Landung anzumelden. An der Absturzstelle begann am Montag die Bergung der Leichen. Experten suchen derweil nach der Absturzursache.

          Fast so schnell wie ein Business-Jet

          Die aus Kohlefaser bestehende Epic LT ist eines der schnellsten Turbopropellerflugzeuge überhaupt. Sie erreicht mit maximal 630 Kilometer in der Stunde noch etwa 30 Kilometer in der Stunde mehr als die schnellste luftfahrtzugelassene Einmotorige mit Propellerturbine, die französische Daher TBM 930.

          Allerdings hat diese hohe Geschwindigkeit, die fast schon an einen Businessjet heranreicht, auch ihren Preis: Die aerodynamisch optimierte Maschine muss vor der Landung auch ähnlich schnell wie ein Businessjet angeflogen werden, um keinen Strömungsabriss bei zu langsamer Fahrt zu erleiden. Eine andere Epic LT stürzte in den Vereinigten Staaten am 27. Dezember 2016 nahe Daytona, ebenfalls bei einem Landeanflug, allerdings in schlechten Wetterbedingungen ab. Keiner der Insassen überlebte.         

                                                                                             

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