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30 Jahre lang Richter : So fühlt es sich an, jemanden zu verurteilen

Über 30 Jahre Erfahrung: Richter Martin Bach in einem Verhandlungssaal des Frankfurter Landgerichtes. Bild: Marcus Kaufhold

Betrüger, Vergewaltiger, Wirtschaftskriminelle und Schläger: Martin Bach hat sie alle auf der Anklagebank sitzen sehen. Fast 30 Jahre lang war er Richter – und musste entscheiden, was mit ihnen passiert.

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          Martin Bach kann sich noch gut an die schlaflosen Nächte von damals erinnern. Im Jahr 2011 zum Beispiel: Es ging um 230 Millionen Euro, eine horrende Summe, um die sechs Manager den deutschen Staat mit Tricks im Emissionshandel gebracht haben sollten. Während Bach den Prozess vorbereitete, schrieben die Zeitungen von einem „Mammutprozess“, der Präsident des Landgerichts ließ sich zwischen den 600 Aktenordnern fotografieren, die für das Verfahren angelegt wurden. Oder 2016: Wieder musste Bach mit seiner Wirtschaftsstrafkammer ran, diesmal ging es gegen sieben Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank. Der Vorwurf lautete „bandenmäßige Steuerhinterziehung“, es ging es um denselben CO2-Handel wie fünf Jahre zuvor. 200.000 Seiten musste Bach durchackern.

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenn er heute davon erzählt und durch seine Dokumente von damals blättert, scheint er zwischen Stolz und Erleichterung zu schwanken. „Unglaublich komplizierte Sachen“, sagt er. „Wenn du das vorbereitest, da überlegst du, ob du auch alles entdeckt hast in den Akten. Wie du das im Prozess am besten strukturierst. Wie du das revisionsfest in einer einigermaßen angemessenen Zeit rumbringst. Ja, da kann man nachts schon mal wach liegen.“

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