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Nachruf auf Herbert Bonewitz : Blitzgescheit und bissig

Bissiger Wortakrobat: Kabarettist Herbert Bonewitz Bild: dpa

Der letzte Vorhang ist gefallen: Mit Herbert Bonewitz hat Mainz einen Künstler verloren, der es gleichermaßen in der Fastnachtsbütt und auf Kleinkunstbühnen zu glänzen.

          Ob sich Herbert Bonewitz, der am Montag die Erdenbühne für immer verlassen hat, tatsächlich noch einmal bei seiner Familie wird durchsetzen können? Sein zu Lebzeiten formulierter Inschriftenvorschlag würde zwar zu dem „hintersinnigen Wortakrobaten“ passen, wäre allerdings – so wie der Verfasser selbst – unkonventionell: „Auf meinem Grabstein soll mal stehen: Hier ruhen meine Gebeine, ich wollt, es wären deine.“ Das ist schon frech, aber eben auch ehrlich und glaubhaft – so wie Herbert Bonewitz war, der sich nicht nur in Mainz, sondern bundesweit als Fastnachter und Kabarettist einen Namen gemacht hat: ob als kaum zu bändigender Kreativkopf der jahrzehntelang die Fernsehfastnacht dominierenden „Gonsbachlerchen“ oder aber durch unvergessliche sowie meist äußerst bissige „Prinz-Bibi“-Solo-Auftritte.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          1975 wagte er sich mit seinem Programm „Ein Narr packt aus“ dann erstmals gar ins eher „linke Unterhaus“, in dem der Blitzgescheite und Scharfzüngige später noch mehr als 500 in aller Regel ausverkaufte Gastspiele haben sollte. Nach langer schwerer Krankheit sei sein Vater im Alter von 85 Jahren und umgeben von seinen Liebsten nun in den „Narrenhimmel“ entschwunden, teilte sein Sohn Michael Bonewitz in sozialen Netzwerken mit.

          Als einen, der sich nie auf seinem Ruhm ausgeruht habe, sondern stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen gewesen sei, würdigte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Dienstag den mehrfach von der Stadt ausgezeichneten Künstler. Dem es im Übrigen als einzigem Mainzer Eigengewächs vergönnt gewesen sei, einen Stern auf der „Walk of Fame“ genannten Ruhmespfad zwischen Unterhaus und Kabarettarchiv zu erhalten; dieser werde weiterleuchten. Als „Grenzgänger zwischen allen Stilen“ sei es dem einstigen Werbeleiter eines auf die Herstellung von Hygieneartikel spezialisierten Unternehmens gelungen, viele Talente aufs Vortrefflichste zu verbinden: als Fastnachter und Kabarettist, Karikaturist, Publizist und Pianist. Nicht zuletzt bereicherte er als „Dr. humoris causa“ nach seinem offiziellen Bühnenabschied noch über viele Jahre hinweg die Nachtvorlesungen der Unimedizin, wo er kurz vor Weihnachten regelmäßig seinen große Auftritte hatte.

          „Beeindruckendes Lebenswerk“

          Ohne Ehefrau Bärbel, der er schon in jungen Jahren auf einem Fastnachtsball über den Weg gelaufen ist, hätte er „nie das erreicht, was ich geworden bin“, sagte der zweifache Vater im Rückblick auf die eigene Karriere immer wieder.

          Ein „beeindruckendes Lebenswerk“ bescheinigte gestern auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin, Malu Dreyer (SPD), dem „waschechten Meenzer“, der es wie kein Zweiter verstanden habe, Menschen den Narrenspiegel vorzuhalten. Weil sich darin gelegentlich auch die Größen der Fastnacht in einer nicht eben schmeichelnden Darstellung erkennen mussten, wurde der Charakterkopf mit dem losen Mundwerk und herausragendem mimischen Talent in den „wilden Siebzigern“ durchaus als „Nestbeschmutzer“ beschimpft, wenn nicht gar angegangen. Das allerdings liegt lange zurück und ist vergessen. Es bleibt dagegen die Erinnerung an einen begnadeten Büttenredner und gefeierten Kleinkünstler, dem es mit zu verdanken ist, dass die „gut alt Fassenacht“ über die Jahre hinweg nicht allzu viel Staub angesetzt hat.

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