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Joblinge-Chef Tas : Ein Mann für schwierige Fälle

Chef der Joblinge in Rhein-Main: Kadim Tas, der auch die Geschäfte dieser Initiative auf Bundesebene teilweise führt Bild: Wolfgang Eilmes

Zu ihm kommen junge Männer und Frauen ohne Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Kadim Tas und seine Mitstreiter bei den Joblingen vermitteln aber vier von fünf von ihnen eine Stelle.

          Den Hauptschulabschluss nur mit Ach und Krach geschafft, in der Freizeit viel Unsinn getrieben, keine Manieren und für eine richtige Arbeit nicht zu gebrauchen: Kadim Tas kennt solche Vorurteile über Jugendliche, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer haben. „Es frustet mich, dass diese jungen Leute als nicht arbeitswillig gelten, obwohl nun wirklich kaum jemand so viele Praktika gemacht hat wie sie“, weiß Tas aus Erfahrung zu berichten. Denn der 1976 geborene Offenbacher mit kurdischen Wurzeln hat täglich mit dieser Klientel zu tun. Vor allem aber widerlegt der Mann mit dem markanten Kinnbart und dem pechschwarzen Zopf als Geschäftsführer der karitativen Initiative Joblinge täglich zusammen mit seinen Mitstreitern und Vertretern von 500 Unternehmen solche Vorurteile.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit 2011 haben die Joblinge in Frankfurt und vier anderen Standorten in Rhein-Main mehr als 500 Schützlingen zu einer Lehrstelle oder einem Arbeitsplatz verholfen. Oder anders: Vier von fünf Jugendliche konnte die gemeinnützige GmbH unter Tas’ Leitung vermitteln; eine hohe Quote, wie die Arbeitsagentur hervorhebt. Für solche Erfolge gibt es jeweils Extrageld vom Jobcenter, das die Joblinge maßgeblich finanziert. Klappte es nicht mit einer Stelle, dann häufig wegen Schwangerschaft oder eines nicht erfüllbaren Berufswunschs - aber auch schlicht, weil sich der eine oder andere nicht mehr blicken ließ, wie Tas unumwunden zugibt.

          „Da krieg’ ich einen zu viel“

          Wer mit ihm spricht, merkt rasch: Der sportliche Mann, der stets mit Anzug und Krawatte auftritt, ist kein Schönredner. Und der Diplom-Politologe kennt sein Metier seit langem, hat er doch schon als Student in Offenbach als Streetworker und als Mitglied der Geschäftsführung eines Bildungsträgers gearbeitet. Ihn nerven nicht nur unreflektierte Vorurteile. Es regt ihn auch auf, wenn Eltern gegen eine Stelle für ihren Sohn oder ihre Tochter sind, weil das Kind dann kein Hartz IV mehr bekäme und die Familienkasse geschmälert würde. „Da krieg’ ich einen zu viel“, sagt er angesichts solch übersteigerten Anspruchsdenkens.

          So legt Tas auch Wert darauf, dass der Zusammenhang zwischen leisten und sich etwas leisten für seine Klientel von Anfang an klar wird. Die vom Jobcenter zu den Joblingen geschickten jungen Männer und Frauen erhalten einen leistungsbezogenen Vertrag, wie er sagt. Binnen sechs Monaten sollen sie fit gemacht werden für eine Stelle. Am Anfang stehen zwei Wochen gemeinnützige Arbeit. In dieser Zeit müssen die Jugendlichen beweisen, dass sie regelmäßig rechtzeitig erscheinen und aus eigener Kraft am Ball bleiben. Bevor sie ein Praktikum bei einer Partnerfirma der Joblinge antreten können, steht die Orientierungsphase an mit Fragen wie „Was kann ich?“ und „Welcher Beruf passt zu mir?“.

          „Das Projekt setzt dort an, wo es hakt“, lobt Frank Martin, Chef der Regionaldirektion Hessen der Arbeitsagentur. Bei den Joblingen könnten Jugendliche von Anfang an ihre Fähigkeiten zeigen - und zwar unabhängig von Noten und Bewerbungsgesprächen.

          Das Besondere an den Joblingen ist, dass jeder Jugendliche einen Mentor zur Seite gestellt bekommt. Das sind vielfach Führungskräfte, etwa von Infraserv in Wiesbaden, dem Arbeitgeberverband Hessen-Chemie, der Commerzbank oder der Lufthansa. 440 Mentoren gibt es derzeit. Viele Schützlinge könnten anfangs kaum glauben, dass sich ein Mentor nur um sie kümmere und für sie einsetze, wie Tas sagt, der für die Joblinge auch auf Bundesebene arbeitet. Ihn beeindruckt umgekehrt die große Bereitschaft zum ehrenamtlichen Einsatz: „Das kenne ich aus anderen Kulturkreisen, die mir vertraut sind, so nicht.“

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