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Besucher in Frankfurt : Touristen, kein Overtourism

Nicht nur bei Geschäftsreisenden beliebt: Frankfurt zieht viele Touristen an. Bild: Daniel Vogl

Im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl zieht Frankfurt heute so viele Touristen an wie keine andere Stadt in Deutschland. Weil die Besucher mehrheitlich Geschäftsreisende sind, hat zu Beschwerden niemand Grund. Ein Kommentar

          Gut 10,1 Millionen Übernachtungen von 5,9 Millionen Gästen. In der vom touristischen Zuspruch in jüngerer Vergangenheit verwöhnten Stadt Frankfurt ist das eine Zäsur. Erstmals kann die Anzahl der Übernachtungen von Privat- und Geschäftsreisenden achtstellig beziffert werden. Zwar übernachten in München, Hamburg und Berlin noch immer mehr Gäste als in Frankfurt. Aber im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl zieht die Stadt heute so viele Besucher an wie keine andere in Deutschland.

          Viele Reisende, glänzende Geschäfte: Hotels, Restaurants, Museen sind gut besucht. Gäbe es die Auswärtigen nicht mit ihren temporären Aufenthalten, es stünde um den Einzelhandel wahrscheinlich noch schlechter, als das ohnehin der Fall ist. Beschwerden über eine Beeinträchtigung der Lebensqualität Einheimischer halten sich bislang im engen Rahmen der neuen Altstadt. Der sogenannte Overtourism, den Venedig beklagt oder Barcelona, ist in Frankfurt zurzeit kein Thema.

          Eine Erklärung des Booms

          Angesprochen auf jene Altstadtbewohner, die es lieber ruhiger hätten, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gern, dass, wer dorthin gezogen sei, gewusst habe, was er tue. Und Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismus- und Congressgesellschaft, kann von Veranstaltungen zum Thema Overtourism berichten, bei denen er immer nur sagen könne: bei uns nicht.

          Zieht man von solchen Äußerungen den verständlichen Wunsch ab, eine Debatte auch nicht im Ansatz beginnen zu wollen, kann man sie hernehmen für eine Erklärung des Booms, den Frankfurt erlebt. Die Stadt ist zwar klein, aber der Gründe, sie zu besuchen, sind viele. Sie ist nicht nur für Leute attraktiv, die Fotomotive suchen und sie um den Römer herum finden, nicht nur für Kulturinteressierte. Den überwiegenden Teil des touristischen Aufkommens stellen Geschäftsreisende, nur 30 Prozent der Besucher kommen aus privaten Gründen nach Frankfurt.

          Zwar sagen viele Prognosen diesem Sektor starkes Wachstum voraus. Doch solange sich die Verhältnisse nicht umkehren und Touristen nicht mehr abends mehrheitlich in ihren Hotels sind, weil sie morgens pünktlich in Meetings sein müssen, hat zu Beschwerden niemand Grund. In den meisten Lokalen in Frankfurt sind nach 21 Uhr problemlos Plätze zu bekommen. Und wo nicht, liegt das nicht an den Touristen, sondern an den immer mehr Leuten, die in der Stadt wohnen wollen.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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