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Ein Jahr Landebahn : „Wir sind das Herz der Region, wir bleiben“

  • -Aktualisiert am
Geburtstagsgruß: Fluglärmgegner aus der Region mit Tröten, Pauken und Trompeten zu Tausenden am nördlichen Rand der neuen Landebahn.
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          Auf den Tag ein Jahr, nachdem die Landebahn Nordwest am Frankfurter Flughafen in Betrieb gegangen ist, haben gestern Vertreter von Bürgerinitiativen bekräftigt, die Piste müsse angesichts der Gefahren für die Gesundheit der Anwohner stillgelegt und das Nachtflugverbot um zwei Stunden auf die Zeit zwischen 22 und 6Uhr erweitert werden. Zudem forderten sie, die Arbeiten am dritten Passagierterminal zu stoppen. Die rund 60Gruppierungen, die in der Region gegen die Belastung durch Fluglärm und andere Emissionen aktiv sind, hatten zum Jahrestag unter dem Motto „Schluss, Aus, Basta!“ zum Protest aufgerufen, um zu zeigen, dass der Widerstand nach einem Jahr nicht geringer geworden sei. Auch in Offenbach demonstrierten Bürger gegen die gestiegenen Belastungen.

          Helmut Schwan
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Angaben des Veranstalters kamen fast 8000Menschen an den nördlichen Rand der Landebahn nach Kelsterbach; die Polizei schätzte die Zahl auf die Hälfte. Zuvor hatten sich rund hundert Demonstranten zu einer Mahnwache vor dem Terminal1 getroffen. Es sei wie stets auch bei den Montagsdemonstrationen alles sehr friedlich verlaufen, lobte die Polizei. Sie meldete sich vor der Kundgebung nur einmal zu Wort und erinnerte höflich daran, dass aus Sicherheitsgründen so dicht am Flughafen weder Luftballons noch Drachen erlaubt seien.

          Bouffier als „Lakai der Luftlobby“

          Dass eine Protestbewegung ein Jahr nach der Erweiterung eines Flughafens in dieser Stärke anhalte, sei einmalig, sagte der Engländer John Stewart, Präsident der europäischen Vereinigung gegen schädliche Auswirkungen des Flugverkehrs; der Londoner war mit dem Zug nach Frankfurt gekommen. „Ihr seid nicht allein“, rief er. Öffentlicher Widerstand gegen solche Projekte habe in den vergangenen drei Jahren mehr bewirkt als in den 20 bis 30Jahren zuvor, sagte er. Als Beispiele nannte er den Bürgerentscheid gegen eine dritte Bahn in München, den Stopp der Erweiterung in London-Heathrow und im italienischen Siena. Solche Projekte seien überflüssig, solange in Europa mehr als 40Prozent der Flüge über Entfernungen von weniger als 500Kilometer gingen; viele dieser Verbindungen könnten auf die Schiene verlagert werden.

          Heiko Holefleisch von der Bürgerinitiative Mainspitze griff die Landesregierung und die Luftverkehrswirtschaft scharf an. Sie hätten sich geirrt, wenn sie vor einem Jahr, als die Bahn eröffnet worden sei, gemeint hätten, der Protest der Bürger sei damit beendet. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erweise sich als „Lakai der Luftlobby“, wenn er sage, die Schließung der Landebahn sei undenkbar. Niemand könne die unermesslichen gesundheitlichen Schäden bestreiten, die durch ständigen Lärm und Schadstoffemissionen angerichtet würden. Die Wahlen zum Bundes- und Landtag im nächsten Jahr bieten laut Holefleisch die Gelegenheit, dafür zu sorgen, dass mögliche neue politische Mehrheiten nicht „dasselbe Spiel auf unserem Rücken“ fortsetzten. Die Menschen, die sich jeden Montag zu den Demonstrationen im Terminal versammelten, seien „das Herz der Region“, sie gingen nicht weg.

          In Zeiten wie diesen

          Die Versammlung am Zaun des Flughafens geriet bei frühlingshaftem Wetter zu einer Kombination aus Familienausflug und politischer Aktion; viele waren mit dem Fahrrad gekommen. Die meisten Plakate widmeten sich den Gesundheitsgefahren durch Lärm und Schadstoffe.

          Wie schon genau vor einem Jahr, wie meistens, wenn der Himmel über dem Flughafen strahlend blau ist, wehte gestern Nachmittag der Wind aus Osten. Die Maschinen setzten, über Flörsheim einschwebend, etwa 200 Meter vor dem Ort der Kundgebung auf. Mit Pauken und Trompeten, mit Tröten und Rasseln konnten die Demonstranten aber dagegenhalten. Viel Applaus bekamen die „Stewardessen“ der Bürgerinitiative Flörsheim/Hochheim. Sie hatten ein Lied der Toten Hosen umgetextet. Der Refrain fragt danach, wo „in Zeiten wie diesen“ Menschlichkeit und Gerechtigkeit blieben.

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