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Flüchtlingskrise : Lage entspannt, Aufgaben groß

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Unklare Perspektive: Eine Frau aus Somalia im Gießener Ankunftszentrum für Flüchtlinge, Anfang dieses Monats. Bild: dpa

Wo wohnen die Asylsuchenden, die in der großen Flüchtlingskrise kamen, wer lehrt sie die Sprache, was tun die Kreise und Kommunen, wenn sie anerkannt, aber immer noch hilfsbedürftig sind? Streiflichter aus der Region.

          12 Min.

          Frankfurt: Noch nicht alle Turnhallen geräumt

          Am Morgen des 12. September 2015 rief der hessische Innenminister Peter Beuth bei Frankfurts Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld an und eröffnete ihr, dass die Stadt Frankfurt sofort 1000 Flüchtlinge aufnehmen muss. Seit einer Woche strömten Tausende Flüchtlinge über die geöffnete Grenze nach Deutschland, die Kapazitäten der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen waren erschöpft.

          Mittags trafen sich die zuständigen Magistratsmitglieder im Katastrophenschutzzentrum und entschieden, in welchen Turnhallen man die Menschen unterbringen sollte: in der Fabriksporthalle Fechenheim, der Sporthalle Kalbach und der Sport-Uni Ginnheim. Bis 16.30 Uhr war in der Fabriksporthalle Betrieb, um 17 Uhr rückte die Feuerwehr an und baute Betten für die Menschen auf, die ab 21 Uhr in der Halle lebten. Beim Großhändler kaufte die Feuerwehr Lebensmittel für die Menschen, und in den folgenden Tagen wurde jeder Landesbedienstete, der nur irgendwie abkömmlich war, eingespannt. Und es konnte vorkommen, dass so ein Landesbediensteter auf einmal mit einem Koffer voller Geld auf der Matte stand: darin das Taschengeld für die Flüchtlinge. „Es waren chaotische Verhältnisse“, erinnert sich die Sprecherin des Sozialdezernats.

          Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt. Wöchentlich weist das Land Hessen der Stadt Frankfurt rund 20 Asylbewerber zu. 5750 Flüchtlinge sind derzeit in Frankfurt untergebracht, 4500 davon sind der Stadt zugewiesene Asylbewerber, hinzu kommen 550 unbegleitete minderjährige Ausländer. Knapp 700 Menschen leben außerdem derzeit noch auf dem alten Neckermann-Areal in Fechenheim, einer Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. Diese soll jedoch auf absehbare Zeit nicht mehr genutzt werden, geplant ist, dass die derzeitigen Bewohner noch vor dem Jahreswechsel ausziehen.

          Die 4500 zugewiesenen Asylbewerber leben an 113 Standorten über die Stadt verteilt. 1400 von ihnen in 65 Hotels, weitere 1300 in 35 Wohnheimen und Übergangsunterkünften. In fünf Großunterkünften leben weitere 1000 Asylbewerber, 350 in drei Turnhallen und weitere 100 Personen in Wohnungen, die der Evangelische Verein für Wohnraumhilfen angemietet hat und die nur vorübergehend zur Verfügung stehen. Eigentlich hatte die Stadt angekündigt, dass bis zu den Sommerferien alle Turnhallen geräumt sein sollen. Das konnte bislang nicht umgesetzt werden, weil sich laut Sozialdezernat die Bauarbeiten und der Bezug von zwei Übergangsunterkünften in Rödelheim und im Gutleutviertel verzögern. Auch aus den Hotels will die Stadt so bald wie möglich raus.

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