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Leiche von Nieder-Eschbach : Herzschrittmacher kann des Rätsels Lösung sein

  • -Aktualisiert am

Auffällig: das Tattoo an der Frauenleiche von Nieder-Eschbach Bild: Polizei

Was können Ermittler tun, wenn sich die Identität einer Leiche nicht klären lässt? Manchmal hilft in solchen Fällen die Gerichtsmedizin weiter.

          Zwei Wochen ist es her, dass in Nieder-Eschbach eine Leiche gefunden wurde. Eine Frau um die fünfzig, von kräftiger Statur mit kurzem grau-braunem Haar und einem Tattoo im Nacken. Sie hatte keine Papiere bei sich gehabt, niemand vermisste sie. Auch ein Bild der Toten, das die Polizei veröffentlichte (siehe Foto), hat die Ermittler nicht weitergebracht. Und solange sie nicht wissen, wer das Opfer war, haben sie kaum eine Chance, den Fall zu klären. Doch auch, wenn die Sache zunächst aussichtslos erscheint, gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, an Informationen über „Leichen ohne Namen“ zu kommen. Der vielversprechendste Weg führt über die Gerichtsmedizin. Ebenso wie die Fingerabdrücke und die DNA liefert manchmal auch die Obduktion wichtige Hinweise, die dann die polizeilichen Ermittlungen voranbringen, wie Polizeisprecherin Chantal Emch sagt. Jede noch so winzige Kleinigkeit, die die Gerichtsmediziner an einer Leiche feststellten, könne für die Ermittler interessant sein.

          Gibt es Hinweise darauf, wo die Person herstammt und welchen Lebenswandel sie pflegte? Hat sie Drogen konsumiert oder Medikamente? Hat sie, falls sie eine Frau war, Kinder zur Welt gebracht? Das alles lässt sich durch die Obduktion und weitere Untersuchungen feststellen. Helfen kann es den Ermittlern auch, wenn sich herausstellt, dass jemand zu Lebzeiten operiert worden ist. Interessant seien vor allem spezielle Eingriffe, für die nur wenige Kliniken in Frage kämen, sagt Emch. „Wenn jemand zum Beispiel einen Herzschrittmacher hat, hilft das enorm.“ Dann lasse sich womöglich herausfinden, wann und wo das Implantat eingesetzt worden sei. So könne die Identität schnell geklärt werden.

          Implantate mit Seriennummer

          Wie wichtig solche Besonderheiten seien, hebt auch Marcel Verhoff hervor. Der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Goethe-Universität hat schon oft daran mitgewirkt, knifflige Todesfälle aufzuklären. Verhoff sagt, gerade die Rechtsmedizin biete eine Reihe an Möglichkeiten, um bei der Identifizierung zu helfen. „Entdeckt man bei einer Obduktion Implantate mit Seriennummer, ist das natürlich ein ,Joker‘.“

          Auch Tätowierungen und der Zahnstatus hülfen mitunter weiter. Wenn es an einer Leiche keine solchen Hinweise gibt und man noch nicht einmal sagen kann, woher die Person stammt, besteht laut Verhoff die Möglichkeit der Isotopenanalyse. Sie könne Hinweise geben, in welcher Region der Verstorbene gelebt habe. Ein solches Verfahren wurde beispielsweise bei dem jungen Mädchen angewandt, das im Juli 2001 am Mainufer in Nied gefunden wurde. Es wird vermutet, dass das Mordopfer aus dem pakistanischen Raum stammte.

          Als weitere technisch aufwendige, jedoch erfolgversprechende Methode gilt nach den Worten Verhoffs die Analyse der Asparaginsäure-Racemisierung zum Beispiel in den Zähnen. Das Verfahren beruht darauf, dass L-Asparaginsäure, eine Aminosäure, im Körper mit der Zeit in die spiegelverkehrte D-Form umgewandelt wird. So kann das Alter einer Person geschätzt werden. Laut Verhoff wurden inzwischen viele Fälle mit Hilfe der Rechtsmedizin aufgeklärt, „aber das geht immer nur in Kombination mit den polizeilichen Ermittlungen“.

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