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Eintracht Frankfurt : Ein Herz für den Gegner

  • -Aktualisiert am

Vor einem Wiedersehen mit den ehemaligen Mannschaftskameraden: Sebastian Rode (Mitte) vom FC Bayern Bild: Wonge Bergmann

Heimspielschwäche? Torflaute? Letzter in der Tabelle? Kein Problem: Die Eintracht bietet vielen Teams in Nöten Erleichterndes. Aber jetzt tritt sie bei den Bayern an.

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          Bastian Oczipka ist für einen Fußballprofi ein ausgesprochen guter Rhetoriker. Der Linksverteidiger der Frankfurter Eintracht spricht in zusammenhängenden Sätzen, ohne Schmatzen, Räuspern oder andere störende Nebengeräusche, kein langgezogenes Äääh unterbricht den Redefluss. Und sinnvoll ist es auch noch im Normalfall, was er sagt. Am Mittwoch musste sich der 26 Jahre alte Profi aus dem Bergischen Land erst mal kurz sammeln, bevor er loslegte. Ob die Eintracht am nächsten Bundesligaspiel am Samstag bei den Bayern überhaupt eine Chance habe, wurde Oczipka gefragt. Nein, wäre die kurze Antwort gewesen, aber so viel Demut vor dem Gegner ziemt sich nicht. Andererseits wollte er auch nicht zu keck werden, jedes freche Wort würde ihm im Falle einer deutlichen Niederlage um die Ohren geschlagen. Der Verteidiger zog sich wieder einmal gut aus der Affäre: „Es bringt nichts, irgendwelche Parolen auszugeben, die Bayern sind eine der stärksten Mannschaften der Welt. Aber wir sagen nicht, wir verlieren sowieso 0:4. Wir wollen uns so gut wie möglich verkaufen.“

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          0:4, das war das Ergebnis im Hinspiel, und es spricht nichts dafür, dass es im Rückspiel besser wird. Dass sich Abwehrchef Carlos Zambrano am Mittwoch wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel für das Spiel in München abmeldete, spricht eher noch mehr dagegen. Aber ein kleines bisschen Hoffnung darf die Eintracht doch haben, denn die Bayern bedürfen nicht ihrer Aufbauhilfe, und in Führung gehen wird sie bei den Bayern auch kaum. Es ist schon ein paarmal in den vergangenen Tagen erwähnt worden, dass die Frankfurter Profis ein Herz für ihre bedürftigen Gegner haben und besonders gerne Führungen verschludern. In 18 von 27 Spielen schoss die Eintracht einen Vorsprung heraus, sie konnte allerdings nur neunmal dann auch die Partie gewinnen, fünfmal verlor sie noch, viermal endete die Begegnung Unentschieden.

          Bei einem genaueren Blick auf die Umstände der einzelnen Spiele wird noch deutlicher, wie mildtätig die Eintracht in diesem Jahr war. Drei ihrer zehn Niederlagen nahm sie gegen den aktuell Tabellenletzten hin – Augsburg, Freiburg und Stuttgart (Rückrunde). Bei der sagenumwobenen 4:5-Heimniederlage gegen den VfB im Herbst lagen die Schwaben auf Rang 15. Fünf Tore in einem Spiel erzielten sie sonst nicht mehr in dieser Saison, ihr statistisches Mittel liegt bei einem Tor pro Auswärtsspiel. Als die Kölner als Tabellendreizehnter Anfang März zu ihrem 4:2 über die Eintracht kamen, hatten sie zuvor erst ein Heimspiel gewonnen und in elf Versuchen fünf Treffer erzielt. Auch Neuling SC Paderborn ist nicht für seine Offensivkraft im heimischen Stadion berühmt, 15 Treffer in 13 Heimspielen ergeben einen Schnitt von knapp über einem Tor. Gegen die Eintracht reichte es zu einem 3:1. Alle Treffer fielen in einer Halbzeit, das gelang den Paderbornern weder vorher noch nachher.

          Die Eintracht nimmt sich aber auch gerne eines Einzelschicksals an. Spieler, die noch nie oder lange nicht mehr getroffen haben, liegen ihr besonders am Herzen. Bei dem schon erwähnten 1:3 in Stuttgart (erst der zweite Heimsieg der Schwaben) schoss Daniel Ginczek zwei Tore, die ersten seit seinem Kreuzbandriss, die ersten nach 15 Monaten Torflaute. Bisher folgten auch keine mehr. Beim 1:3 in Paderborn erzielten Ducksch und Kutschke ihre einzigen beiden Saisontreffer, Hünemeier schoss eines seiner zwei Saisontore. Beim 2:4 in Köln durfte Deyverson seinen einzigen Saisontreffer bejubeln, der Japaner Osako seinen zweiten nach sieben Monaten Pause. Nils Petersen erschoss die Eintracht in Freiburg (1:4) durch einen Hattrick quasi im Alleingang – richtig, er hatte zuvor noch nicht in dieser Spielzeit getroffen. Auch der Mainzer Clemens erzielte seinen einzigen Saisontreffer, ebenso wie der Hannoveraner Ya Konan, der am vergangenen Samstag in Frankfurt zum 2:2-Endstand ausglich. Ya Konan hatte genau ein Jahr Torpause.

          Es sind also die Bayern-Spieler, die in dieser Spielzeit noch kein Tor bejubeln durften, auf die die Eintracht besonders aufpassen muss. Dante und Boateng, Gaudino und Rafinha oder auch Pizarro und Thiago. Es wäre gar nicht so schlecht, wenn Trainer Guardiola nach dem Pokalspiel in Leverkusen und vor dem Champions-League-Spiel gegen Porto nicht zu viele seiner Stars schonte.

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