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Eidesstattliche Erklärungen : Strafbefehl gegen Bischof Tebartz-van Elst beantragt

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Er halte sich an die Vereinbarung mit Kardinal Giovanni Lajolo, der im Auftrag des Papstes die Angelegenheit untersucht habe, und überlasse alle Unterlagen einer Prüfkommission der Bischofskonferenz: „Das Ergebnis dieser Überprüfung sollte man abwarten, bevor man den Stab über mich bricht.“

„Auch ich trage Verantwortung“

Die Verantwortung für die immer weiter gestiegenen Kosten wies der Bischof nicht zuletzt dem Vermögensverwaltungsrat des Bistums zu: Dieser „begleite“ seit der Inkraftsetzung der Satzung des Bischöflichen Stuhls im Frühjahr 2011 das Bauprojekt auf dem Limburger Domberg. Laut Satzung würden alle Beschlüsse des Vermögensverwaltungsrates erst durch die schriftliche Zustimmung des Bischofs wirksam, so Tebartz-van Elst: „Aber ich will die Verantwortung nicht auf andere schieben. Als Bischof trage auch ich die Verantwortung.“

Zudem fühlt sich der Bischof in der Öffentlichkeit falsch dargestellt und gibt den Medien eine Mitschuld an den Skandalmeldungen über sein Bistum: „Viele Gläubige wissen sehr wohl zu unterscheiden zwischen den Fehlern, die tatsächlich gemacht wurden, und dem, was in den Medien daraus wird. Am Wochenende will ich mich in einem Brief an die Gläubigen des Bistums wenden und manches klarstellen.“

„Beängstigender Umgang mit der Wahrheit“

Tebartz-van Elst steht derweil in seiner Diözese weiter unter großem Druck. In einer gemeinsamen Stellungnahme halten das Präsidium der Limburger Diözesanversammlung und der Vorstand des Diözesansynodalrats dem Bischof im Zusammenhang mit Äußerungen über seinen Wohn- und Dienstsitz einen „beängstigenden Umgang mit der Wahrheit“ und „bewusste Fälschung“ vor. Die Spitzen der beiden Gremien hatten sich am Mittwoch zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen.

Ingeborg Schillai, die Präsidentin der Diözesanversammlung, erläuterte die Stellungnahme am Mittwoch gegenüber dieser Zeitung. Die Baukosten in Höhe von 31 Millionen Euro für den Dienst- und Wohnsitz des Bischofs in Limburg schlügen dem Fass den Boden aus, sagte Schillai. „Der Glaubwürdigkeitsverlust ist immens groß.“ Der Bischof stehe dem Verkündigungsauftrag der Kirche „gewaltig im Weg“.

Der Domberg zu Limburg

Die Diözesanversammlung ist die Vertretung der Laien im Bistum, der Diözesansynodalrat aus Geistlichen und Laien ist das oberste Beratungsgremium des Bischofs. Wie Schillai sagte, wird die Stellungnahme des Präsidiums und des Vorstands von Günther Geis, dem Bischofsvikar für die synodalen Gremien, mitgetragen. Er gehört zum Vorstand des Synodalrats. Außerdem ist Geis Vorsitzender des Domkapitels. Als persönliche Anmerkung fügte Schillai hinzu, sie sehe keine Zukunft mehr für Tebartz-van Elst im Bistum. „Der Papst möge eine Entscheidung treffen, die uns hilft.“

Alexander Brückmann, Mitglied im Vorstand des Diözesansynodalrats, sagte: „Das Bistum hat nur eine gute Zukunft ohne diesen Bischof und kann seinen Auftrag als Kirche nur wahrnehmen ohne diesen Bischof.“ Brückmann ist Pfarrer von Schwalbach und Eschborn und gehört zum Hofheimer Kreis, jenem Zusammenschluss von etwa 20 Priestern, die dem Bischof seit geraumer Zeit kritisch gegenüberstehen. Joachim Valentin, Direktor des Hauses am Dom in Frankfurt, sagte, es liege nun an der Deutschen Bischofskonferenz oder an Rom, die nötigen Schritte in die Wege zu leiten. Das Bischofsamt sei „schwer beschädigt“.

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