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Terror in Istanbul : Trauer um Anschlagsopfer

  • -Aktualisiert am

Trauer und Entsetzen: Vor der Frankfurter Paulskirche versammelten sich gestern gut 150 Menschen, um der Opfer des Anschlags in Istanbul zu gedenken. Darunter waren auch viele Politiker wie der SPD-Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel. Bild: Wolfgang Eilmes

In Hessen und Rheinland-Pfalz herrscht Trauer. Unter den zehn Opfern sind ein Hesse sowie je zwei Mainzer und Bad Kreuznacher. Für die Opfer wurde gestern eine Mahnwache vor der Paulskirche in Frankfurt abgehalten.

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          Etwa 150 Menschen haben Dienstag am frühen Abend vor der Frankfurter Paulskirche der Opfer des Terroranschlags in Istanbul gedacht. Sie zündeten Kerzen an und hielten für eine Schweigeminute inne. In der Bosporus-Metropole hatte sich am Dienstagvormittag ein Selbstmordattentäter inmitten einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt und zehn Menschen mit in den Tod gerissen. Unter den Opfern waren ein Mann aus Stadtallendorf in Mittelhessen sowie je zwei Personen aus Mainz und Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Zu der Mahnwache hatten der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Türkische Gemeinde in Hessen und mehrere Parteien aufgerufen.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          In Rheinland-Pfalz, und dort vor allem in Mainz und Bad Kreuznach, haben viele Bürger mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen müssen, dass gleich vier Menschen aus ihrer Region zu den Opfern des Terroranschlags gehören. Zwei der zehn Touristen, die auf dem Sultan-Ahmet-Platz im historischen Zentrum Istanbuls ums Leben kamen, stammten aus dem Mainzer Stadtteil Bretzenheim. Das Ehepaar, eine 59 Jahre alte Frau und ihr 61 Jahre alter Mann, habe an einer Drei-Länder-Reise teilgenommen, „die auf das Kennenlernen fremder Kulturen und Regionen ausgelegt war“, teilte dazu Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) mit.

          Türkische Zeitung : Video mit mutmaßlichem Attentäter von Istanbul

          „Die Bedrohung ist sehr nahe gekommen“,

          Er selbst sei in der Nacht auf Mittwoch von Innenminister Roger Lewentz (SPD) über das „tragische Ende“ der Urlaubsfahrt informiert worden. Der brutale und rücksichtslose Terroranschlag bestürze die gesamte Stadt, sagte Ebling. Er sprach der Familie, den Verwandten, Freunden und Nachbarn der Opfer sein „tiefempfundenes Mitgefühl“ aus und bot die Hilfe der Stadtverwaltung an, falls Bedarf bestehe.

          Von einer schlimmen Nachricht für Bad Kreuznach sprach Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer (SPD): „Wir hören in den vergangenen Monaten so viel von Terroropfern in aller Welt, aber wenn es Bürger unserer Stadt trifft, ist es noch schlimmer.“ Ein 73 Jahre alter Mann aus Bad Kreuznach kam bei dem Bombenanschlag in der Türkei ebenfalls ums Leben; seine Frau wurde schwer verletzt. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Innenminister Lewentz zeigten sich bestürzt darüber, dass eine schön geplante Urlaubsreise so schrecklich zu Ende gegangen sei. „Die Bedrohung ist sehr nahe gekommen“, äußerte Lewentz mit Blick auf die Ereignisse seit den Pariser Anschlägen von Anfang 2015. Zum ersten Mal sei Rheinland-Pfalz durch den Terror nun in einem bisher nicht gekanntem Ausmaß betroffen, sagte Dreyer: „Wir sind alle total entsetzt, wir sind schockiert.“

          Auch ein 67 Jahre alter Mann aus dem mittelhessischen Stadtallendorf im Landkreis Marburg-Biedenkopf starb bei dem Anschlag. Seine 50 Jahre alte Ehefrau ist nach Behördenangaben unter den 15 Menschen, die bei der Explosion verletzt worden sind. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) verurteilte den Terrorangriff und sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. „Wir sind entschlossen, den Gefahren des internationalen Terrorismus entgegenzutreten“, sagte er. Man werde deutlich machen, dass man sich von „feigen Mördern“ nicht einschüchtern lasse.

          Türkische Gemeinde in Hessen trauert mit den Hinterbliebenen

          Atila Karabörklü, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Hessen mit Sitz in Frankfurt, nannte den Anschlag „schockierend und widerwärtig“. In der Gemeinde sei man sehr traurig und denke an die Hinterbliebenen. Das Attentat habe deutlich gemacht, wie wichtig das Engagement gegen Fundamentalismus und für demokratische Werte sei. Man wolle sich demnächst intern noch intensiver mit den Gefahren des Salafismus auseinandersetzen. Auch der türkische Generalkonsul in Frankfurt, Mustafa Çelik, äußerte Betroffenheit. „Mit großem Bedauern haben wir aus den Medien erfahren, dass sich auch eine Person aus Hessen unter den Todesopfern befindet“, sagte er.

          Die Fluggesellschaften, die Flüge von Frankfurt in die Türkei anbieten, spürten gestern keine Auswirkungen des Anschlags. Es gebe bisher keine Auffälligkeiten, sagte ein Sprecher der Lufthansa auf Anfrage. Die Airline verbindet Frankfurt zweimal am Tag mit Istanbul. Auch Agenturen, die sich auf Reisen in die Türkei spezialisiert haben, nahmen gestern nicht merklich mehr Stornierungswünsche von Kunden entgegen als üblich. Manche Reiseveranstalter, darunter DER-Touristik mit Sitz in Frankfurt, bieten Istanbul-Reisenden eine gebührenfreie Stornierung oder Umbuchung an.

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