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Boxer schlägt Hotelarbeiter : Knockout im Wellness-Spa

  • -Aktualisiert am

Folgenreiche Boxkarriere: Der Sport lässt einen nicht mehr los. Bild: Getty

Profi-Boxer Enad L. ging oft als Sieger aus dem Ring. Dann folgte der Absturz. Nach einer folgenreicher Schlägerei in einem Hotel steht ihm sein schwerster Kampf noch bevor.

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          Was macht das Boxen mit einem Boxer? Die Frage stellt sich, nachdem das Urteil in der Strafsache Enad L. vor dem Amtsgericht Frankfurt ergangen ist: zehn Monate Freiheitsstrafe. Wegen gefährlicher Körperverletzung. Da sitzt er nun, der Mann, der mal geglaubt hat, Weltmeister werden zu können. Aber zuletzt hat er es nur mit Wachtmeistern in Gefängnissen zu tun bekommen. Sie haben ihn dort so unberechenbar erlebt, dass er am Dienstag gleich von fünf Beamten im Vollschutzanzug zu seinem Platz auf der Anklagebank geleitet wird. Die Fußfessel erlaubt nur Trippelschritte, die Fäuste werden von Handschellen blockiert. Ein martialisches Bild, wie man es sonst von Terroristen vor Gericht kennt. Der Anblick hat mit der Vorgeschichte des Champs und seinem Strafregister vom Frühjahr 2017 zu tun: Körperverletzung in fünf Fällen, Widerstand, Bedrohung, Beleidigung, Raub, Waffenrechts-Verstoß.

          Abenteuerliche, dilettantische Delikte, im Affekt ausgeführt ohne Sinn und Verstand. Nach acht Monaten U-Haft kommt er mit dem am 9. Februar von Richterin Isabelle Gervasoni verkündeten Urteil – zwei Jahre auf Bewährung – noch glimpflich davon. Doch auf freiem Fuß bewegte sich der Preisboxer gerade mal sechs Tage. Weil es im Wellnessbereich eines Frankfurter Hotels zu Stress kam und Enad L. dem dort für Ordnung sorgenden Raumpfleger wohl eine Lektion erteilen wollte, wie dieser sich gegenüber den Kindern des Kunden Enad L. zu verhalten habe. Muhammad S., der Raumpfleger, hatte erst Enad L. und dann dessen Sprösslinge ermahnt, leiser zu sein. So geschehen am Tag nach der Freilassung. Zwei Tage später war Enad L. samt Nachwuchs wieder dort und trainierte im Spa-Bereich mit einem Medizinball, während die Kinder sich im Schwimmbecken tummelten. Er habe ihnen ja etwas bieten wollen, wollte ein toller Papa sein als Entschädigung für die lange Abwesenheit, sagt Enad L. „Es sind Kinder“, will er zu Muhammad S. gesagt haben. Für ihn ist das wohl so etwas wie ein Freifahrtschein für alles, was die Kinder so treiben.

          „Sag ihnen nichts, hast du verstanden?“

          Damit der Aufpasser weiß, wo er dran ist, rief Enad L. den Mann zu sich. Dreimal hintereinander. Stets mit der Aufforderung und anschließenden Frage: „Sag ihnen nichts, hast du verstanden?“ Beim dritten Mal gab es eine handfeste Zugabe: Enad L. schlug zu. Einfach so. Mit der Faust auf die Stelle oberhalb der Nasenwurzel, feste zwischen die Augenbrauen. Der schmächtige Muhammad S. ist eine andere, leichte Gewichtsklasse. Im Krankenhaus wird eine Platzwunde diagnostiziert, sie wird mehrschichtig genäht, der Zeuge Muhammad S. erinnert sich an Schwindel und Kopfschmerzen, er verbringt zwei Tage im Krankenhaus, kann einen Monat nicht arbeiten.

          Ein Polizeikommissar im Zeugenstand schildert Enad L. als reuig und kooperativ, als dieser noch am Abend der Tat im Polizeirevier erscheint. Am nächsten Tag verschaffen sich „Spezialkräfte“ mit Hilfe einer Ramme Zugang zur Wohnung des Tatverdächtigen. Ein Polizeioberkommissar erinnert sich an einen Enad L. „im Ausnahmezustand“. Die „Maßnahme“ habe man dem Sohn (10) und der Tochter (7) „kindgerecht“ erklärt. Beide Kinder verfolgen die Verhandlung im Saal 11. Den Vater haben sie seit Februar nicht mehr gesehen. Als die Handschellen abgenommen werden, nimmt er sie in den Arm. Der Sohn weint, dann suchen sie die Nähe der Mutter und der Oma.

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