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Egentic GmbH : Die Datensammler aus Sulzbach

Neuer Name, neues Glück: Als Egentic will die ehemalige Planet49 ihr Schmuddelimage loswerden. Bild: Kaufhold, Marcus

Über Internet-Spiele sammelt die Sulzbacher Egentic GmbH jeden Monat 2,5 Millionen Adressen ein, die sie Unternehmen zu Werbezwecken weiterreicht.

          Es dauert 21 Minuten, bis sich Lisa Kaiser meldet. Um 17.02 Uhr haben wir uns bei der Online-Lotterie Planet49 angemeldet, die mit dem verlockenden Bannerspruch „Täglich eine Million Euro - ohne Einsatz!“ auf einer Internetseite beworben wird. Name, Adresse, E-Mail-Adresse mussten wir eingeben, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen und ankreuzen, ob wir damit einverstanden sind, dass Planet49 unsere Daten zu Werbezwecken an seine Partner und Sponsoren weitergibt. Das Kreuzchen haben wir nicht gemacht, spielen ging auch ohne diese Zustimmung.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und trotzdem: Um 17.23 Uhr schreibt eine uns unbekannte Lisa Kaiser in vertrautem Ton: „Tim, du bist als Spiele-Tester ausgewählt.“ Für ein Spieleportal im Internet sollen wir ein neues Rommé-Spiel testen, sogar mit 50 Euro Startguthaben. Eine Minute später kommt der Newsletter von Couponarena, der uns das Vergleichsportal Check24 ans Herz legt, am Tag darauf schreibt das „Direktinfo-Netz“ mit Sitz in Frankreich eine etwas kryptische Werbemail, es folgen unseriöse Seitensprung-Angebote von Antonia, Anika und Jana.

          Anderer Name gegen das Schmuddelimage

          Die Macher von Planet49 sitzen in einem Bürogebäude in Sulzbach. Bis vor wenigen Wochen hieß das Unternehmen selbst noch wie die Lotterie. Doch wer nach dem Namen im Internet sucht, der stößt schnell auf wütende Foreneinträge über die „Abzocker von Planet49“. Seitenweise beschweren sich etwa die Nutzer von gutefrage.net darüber, dass sie über die wöchentlichen Kosten einiger Spiele des Unternehmens nicht richtig informiert worden seien. Die Wettbewerbszentrale in Bad Homburg berichtet von mehreren Beschwerden über „belästigende Werbung infolge der Teilnahme an Gewinnspielen“ in den vergangenen Jahren.

          Um das Schmuddelimage loszuwerden, hat sich das Unternehmen im Januar in Egentic Lead Generation umbenannt. Denn für Lead-Generierung, also das Erstellen von Adresslisten, die dann an durchaus seriöse Unternehmen wie Neckermann und die Deutsche Telekom vermietet werden, will das Unternehmen lieber stehen als für angebliche Gewinnspiel-Abzocke und Werbe-Belästigungen.

          Eine einfache Abmachung

          Im Sammeln von Adressen sieht Geschäftsführer Henning Munte nichts Anrüchiges. „Früher hieß das Klinkenputzen, heute geht das eleganter und intelligenter“, findet er. Denn wenn die Nutzer sich auf Gewinnspielseiten anmeldeten oder an Internetumfragen teilnähmen, könnten sie schließlich frei entscheiden, ob und von welchen Partnerunternehmen sie Werbung erhalten wollten. Mit Spam habe das nichts zu tun. „Der Begriff wird inflationär benutzt für alles, was an Werbung im Mailfach landet“, findet Munte. Dabei bezeichne Spam doch nur Werbung, die unerlaubt zugeschickt werde. Zu der Klage, dass unser Mailfach nach der Anmeldung bei Planet49 inzwischen voll mit unerwünschter Werbung ist, sagt ein Sprecher des Unternehmens, dass es sich offensichtlich um einen „Bug“, also einen Programmierfehler, auf dieser einen Internetseite handele. Normalerweise könne man ohne die Einverständniserklärung nicht weiter auf die Spieleseite gelangen.

          Im Grunde beruht das Geschäftsmodell der entgeltlosen Gewinnspiele auf einer einfachen Abmachung: Die Teilnahme kostet nichts, stattdessen zahlt der Spieler quasi mit seinem guten Namen und seinen Kontaktdaten. Viele sehen darin offenbar einen fairen Deal: In den 30 Ländern, in denen Egentic inzwischen Bannerwerbung schaltet, kommen nach Unternehmensangaben 2,5 Millionen Datensätze im Monat zusammen. Im Vergleich zu dieser Zahl sind die öffentlichen Beschwerden über das Geschäftsmodell überschaubar.

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