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Edward Alford und sein Frankfurt : „Es war ein Traum, und er wurde nicht enttäuscht“

Entdeckte seine Liebe zu Deutschland in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts: der amerikanische Generalkonsul Edward Alford. Bild: Gyarmaty, Jens

Der amerikanische Generalkonsul Edward Alford geht und macht sich Gedanken über Frankfurt - und über die Eintracht.

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          Die Sache mit der Eintracht wurmt ihn schon ein bisschen. „Schade, ich hätte sie gern wieder in der ersten Liga gesehen.“ Aber damit wird es leider nichts für Edward Alford. Denn wenn die Frankfurter Fußballer Ende August wieder in der Arena am Stadtwald auflaufen, ist der amerikanische Generalkonsul längst ein amerikanischer Botschafter - allerdings nicht mehr in Frankfurt, sondern in Banjul, der Hauptstadt Gambias. Ende des Monats wird er seine Sachen packen.

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eward Alford, genannt Ned, bedauert das. Nicht, dass er jetzt gegen Ende seiner Karriere Botschafter wird. Das ist schließlich die Krönung einer jeden Diplomatenlaufbahn. Auch nicht, dass es ihn nach Westafrika verschlägt. Immerhin ist er für das State Department schon in Namibia, Kenia und Äthiopien gewesen und hatte immer den Wunsch, noch einmal nach Afrika gehen zu können. Aber die Eintracht zurück in der Bundesliga - das hätte der Sechzigjährige gern noch live erlebt. Denn der Fußball und die Besuche im Stadion gehören zu den Dingen, die Alford in Frankfurt für sich entdeckt hat.

          „Vielleicht fange ich in Gambia ja mit dem Angeln an“

          So wie das Fahrradfahren. Seit er im Sommer 2009 an den Main gekommen ist, hat er sich auf seinen Drahtesel geschwungen, wann immer es der enge Zeitplan eines der wichtigsten Diplomaten Washingtons zuließ. Häufig ist er am Rhein unterwegs gewesen, und die Mosel-Strecke zwischen Trier und Koblenz ist er gleich ein paar Mal abgefahren. Das wird in Banjul kaum möglich sein. Alfords neue „host city“ hat zwar nur wenig mehr als 30.000 Einwohner - aber mit dem Fahrrad wird sich der neue Botschafter sicher nicht in den Trubel der quirligen Hafenstadt stürzen.  „Vielleicht fange ich in Gambia ja mit dem Angelnan“, sagt er und lächelt verschmitzt.

          Eine große Umstellung wird die neue Aufgabe für Alford auf jeden Fall bedeuten. Während er in Frankfurt mit mehr als 900 Mitarbeitern das größte Konsulat und eine der fünf größten Vertretungen der Vereinigten Staaten überhaupt geführt hat, besteht sein Stab in Gambia nur noch aus gut 90 Botschaftsangestellten. Und anders als am Main, wo Alford vor allem ein guter Manager sein musste, weil das hiesige Generalkonsulat die wichtigste Drehscheibe zur Versorgung und Unterstützung von fast der Hälfte aller knapp 270 amerikanischen Auslandsvertretungen ist, wird er in Banjul auch für politische Fragen zuständig sein - in einem Staat, der zwar weitgehend stabil ist, aber auch nicht gerade als demokratischer Musterstaat gilt. „Es ist ein sehr armes Land, ganz anders als Deutschland“, meint der Botschafter in spe. Mehr kann und will er nicht sagen. Edward Alford ist und bleibt ein vorsichtiger Mann und durch und durch Diplomat.

          „Im Kern sind sie vollkommen intakt“

          Auf seine drei Frankfurter Jahre blickt er mit großer Zufriedenheit zurück. Nicht nur, aber auch, weil er mit einer Deutschen verheiratet ist und schon als junger Soldat in den siebziger Jahren seine Liebe zu deren Heimatland entdeckte, hatte er seine Berufung auf den Posten des Generalkonsuls als besonderes Glück empfunden. „Es war ein Traum, und er wurde nicht enttäuscht“, sagt er heute. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen hätten sich nach den Dissonanzen infolge des Irak-Kriegs in den vergangenen Jahren wieder deutlich verbessert. „Im Kern sind sie vollkommen intakt“, meint Alford. Und das sei wichtig angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die beiden Länder stünden - von der Beendigung des Krieges in Afghanistan über die Lage in Nordafrika und Nahost bis zur internationalen Finanzkrise.

          Ob ihm der Abschied von Frankfurt schwerfällt? Edward Alford antwortet natürlich diplomatisch: Er habe große Sehnsucht nach Afrika gehabt, darum freue er sich auf seine neue Aufgabe. Und im Übrigen halte er es mit der Weisheit des deutschstämmigen, amerikanischen Kinderbuchautors Theodor Seuss Geisel, genannt Dr. Seuss: Don’t be sad, because it’s over. Be happy, because it happened.

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