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Das Verbraucherthema : Raucher unter Dampf

Was qualmt denn da? Noch ist unerforscht, welche Wirkung die Inhaltsstoffe der E-Zigarette langfristig auf die Gesundheit des Menschen haben. Bild: dpa

Die E-Zigarette wird populärer. Auch in Frankfurt eröffnen darauf spezialisierte Geschäfte. Demnächst soll das Dampfgerät sogar im Supermarkt zu kaufen sein. Mediziner haben aber Bedenken. Das Verbraucherthema.

          Im Café Leidenschaft an der Berger Straße in Frankfurt sitzen die Kaffeetrinker am Nachmittag in der Sonne und ziehen noch an richtigen Zigaretten. Eine Tür weiter jedoch sind solche Raucher Kunde, die genau das nicht mehr wollen. Pipeline heißt das Geschäft für elektronische Zigaretten, das seit kurzem Anlaufstelle für alle ist, die vom Rauchen loskommen wollen. Sie inhalieren statt dessen eine Flüssigkeit, Liquids genannt, die bei einer bestimmten Temperatur nur verdampft.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das wollen offenbar immer mehr Raucher. Die Gemeinde der Dampfer wächst. Laut einer Umfrage des Deutschen Krebsforschungszentrums probiert jeder fünfte Raucher inzwischen die E-Zigarette aus. Nach Branchenangaben ist der Umsatz binnen fünf Jahren von fünf auf mehr als 150 Millionen Euro gestiegen. Das fällt auf im Straßenbild. Auch in Frankfurt sieht man immer öfter Leute, die an einer E-Zigarette ziehen.

          Ob sie ihrer Gesundheit damit weniger schaden? Diese Frage wurde in diversen Studien bisher unterschiedlich beantwortet. Bei der Bewertung der Risiken bleiben Fachleute vorsichtig. „Mit der E-Zigarette zu dampfen, schadet wohl weniger als Rauchen“, stellt etwa die Stiftung Warentest nach Auswertung der Studienlage fest. Es sei aber noch zu früh, um das neue Produkt als harmlos einzustufen.

          Das Angebot in Sachen E-Zigarette

          Zu einer ähnlichen Bewertung kommt Thomas Wagner, Leiter der Lungenfachabteilung an der Universitätsklinik Frankfurt. „Es scheint bei der E-Zigarette weniger gefährliche Inhaltsstoffe zu geben als bei der Zigarette. Daraus ergibt sich logisch aber leider nicht sicher, dass es weniger gefährlich sein sollte“, sagt der Professor und verweist auf fehlende Langzeitstudien. Daher könne man die Gesundheitsgefahr nicht abschließend beurteilen. Beim Zigarettenrauch habe es schließlich auch Jahrzehnte gedauert, bis man die Schädlichkeit habe nachweisen können.

          Spezialisiert auf die tabaklose Kippe: E-Zigaretten-Geschäft an der Berger Straße.

          Im Geschäft Pipeline riecht es zumindest gesund, nach Bonbons und Früchten statt nach Tabakrauch. Kunden können hier Liquids mit Aromen wie Wassermelone, Eistee und Kirsche ausprobieren. Im Geschäft legt man Wert darauf, dass die Artikel in Deutschland hergestellt werden. Beliebt seien aber vor allem Tabaknoten wie American Blend. Pipeline ist bisher das einzige Geschäft für E-Zigaretten direkt in Frankfurt. An weitere Filialen in 1-B-Lage sei gedacht, heißt es. Einen Anbieter gibt es zudem noch im Hessen-Center und einen in Dreieich. Die stationären Anbieter haben den Vorteil: Der Kunde kann die Liquids ausprobieren und sich beraten lassen.

          Geld sparen mit der E-Zigarette

          Genau aus diesem Grund schaut am Montagnachmittag dieser Woche ein junger Mann an der Berger Straße vorbei. Ein „Noch-Raucher“, wie er gesteht. „Ich komme einfach nicht davon los.“ Gleich zwei verschiedene E-Zigaretten-Geräte hat der Kunde dabei - eines sieht aus wie eine richtige Zigarette, sei aber kein Ersatz für eine „richtige Kippe“. Auch deshalb hat der Raucher auf Möchtegern-Entzug immer noch ein Päckchen Zigaretten in der Tasche. Eine halbe bis eine ganze Schachtel war bisher sein Pensum am Tag.

          Bei einem älteren Raucher hat der Umstieg dagegen funktioniert. „Ich rauche seit dreieinhalb Monaten nicht mehr“, sagt der Kunde, der vorher auf dreißig Selbstgedrehte am Tag kam. „Der Umstieg hat sofort geklappt.“ Das freue auch seine Frau. „Man riecht einfach besser.“ Alles andere, die Schwierigkeiten beim Treppensteigen etwa, sei vermutlich auch eine Altersfrage. Der Umstieg auf die E-Zigarette freut den Kunden auch aus einem anderen Grund. Er spare jeden Monat viel Geld. Vorher habe er 120 Euro im Monat verraucht, jetzt brauche er nur noch 50 Euro. Außerdem sei die E-Zigarette deutlich günstiger als Nikotinpflaster.

          Ein 10-Milliliter-Fläschchen Liquid kostet bei Pipeline 5,90 Euro und reicht bei Durchschnittsrauchern eine Woche. Hinzu kommen Kosten für die Erneuerung der Metallhülse (2 Euro) im Verdampfer, die alle ein bis zwei Wochen erneuert werden muss. Die Preise für die Dampfgeräte beginnen bei 60 Euro.

          Lungenarzt von E-Zigarette rät ab

          Wie gesund die E-Zigarette ist - darüber machen sich die Umsteiger durchaus ihre Gedanken. „Ich habe immer einen extrem trockenen Hals und muss ständig Wasser trinken“, stellt der junge Raucher fest, der vom Tabak nicht loskommt. Der ältere Exraucher meint: „Mit Sicherheit ist die E-Zigarette weniger schädlich, aber es kann einfach nicht gesund sein, wenn man irgend etwas inhaliert.“

          Damit legt er den Finger in die richtige Wunde. Die Liquids für die E-Zigaretten bestehen zu mehr als 90 Prozent aus einer Trägersubstanz, meistens aus Propandiol (früher auch als Propenglycol bezeichnet) oder Glyzerin. Hinzu kommen diverse Aromen, wie sie auch in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommen. Heruntergeschluckt schaden sie in bestimmten Mengen nicht. Beim Erwärmen und Einatmen kann das ganz anders aussehen. Doch darüber sei noch zu wenig bekannt, meint Lungenarzt Wagner. Von Propandiol etwa wisse man, dass es die Atemwege reize. In einer Studie aus Bayern sei zudem nachgewiesen worden, dass Nikotin aus E-Zigaretten auch von Passivrauchern aufgenommen werden könne. Fest steht für Wagner auch: Egal ob im Tabak oder im Liquid - „Nikotin ist giftig, und die schädlichen Wirkungen sind die gleichen.“ Auch aus diesem Grund empfiehlt die Universitätsklinik Patienten, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen, die E-Zigarette nicht.

          Ex-Raucher wie den Kunden im Frankfurter E-Zigaretten-Laden, der froh ist, dass er endlich den Umstieg vom Tabak auf Dampf geschafft hat, lassen solche Bedenken eher kalt. „Sollte sich in zehn Jahren doch herausstellen, dass die E-Zigarette schädlich ist, dann habe ich halt Pech gehabt“, meint er.

          Strom statt Feuer Elektrische Zigaretten funktionieren mit Strom statt mit Feuer. Es gibt viele unterschiedliche Modelle. Die meisten sehen aus wie dicke Kugelschreiber. Das Grundprizip ist bei allen ähnlich: Ein Heizelement, das per Akku aufgeladen wird, verdampft eine Flüssigkeit. Nutzer ziehen den Dampf durchs Mundstück ein. Bei vielen Modellen wird die Verdampfung durch das Drücken eines Schalters ausgelöst. Die Flüssigkeit, sogenannte Liquids, gibt es mit und ohne Nikotin. Laut Stiftung Warentest sind 7764 Geschmacksrichtungen auf dem Markt von mehr als 460 Marken. Sie werden vor allem über das Internet verkauft. Es gibt aber auch immer mehr Ladengeschäfte.

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