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E-Shelter in Frankfurt : Zuwachs im Fort Knox von Rödelheim

Expansionskurs: Rupprecht Rittweger, Chef von E-Shelter, investiert nicht nur am Main. Bild: Manz, Florian

Wer E-Shelter in Frankfurt besuchen will, braucht eine digitale Eintrittskarte und muss an Sicherheitsleuten mit Schusswaffen vorbei. Denn die Firma hütet einen großen Datenschatz und investiert am Stammsitz.

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          Edmund Stoiber schaut nicht gerade jeden Tag in Frankfurt vorbei. An diesem Montag aber macht der ehemalige bayerische Ministerpräsident eine Ausnahme und nimmt in Rödelheim an der Eröffnung des Bauteils H teil. So nennt das Unternehmen E-Shelter sein achtes Rechenzentrum am Stammsitz in Frankfurt. Für die Firma und für Stoiber ist es ein Wiedersehen, denn der Politiker war schon aus Anlass der Eröffnung eines Datacenters von E-Shelter in München im Mai dieses Jahres zu Gast.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hier wie dort stellen Unternehmen aus verschiedenen Branchen, Mittelständler und Industriebetriebe, Anbieter von Cloud-Lösungen („Software aus der Steckdose“) und Internetfirmen, ihre Hochleistungsrechner unter. Sie wollen auf diese Weise den anhaltenden Datenwachstum gerecht werden; für dieses Wachstum sorgen schon die Nutzer von Smartphones und anderen Geräten mit Internetanschluss, indem sie Messenger-Dienste nutzen, twittern oder Filme online gucken. Noch etwas eint die Neubauten in München und Frankfurt: In beiden Fällen hat E-Shelter rund 100 Millionen Euro investiert, wie der Gründer und Vorstandschef Rupprecht Rittweger sagt. Zudem kündigt er weitere Investitionen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro an.

          Bouffier: „Rückgrat der Digitalisierung“

          Seinem Ruf ist nicht nur Stoiber gefolgt. Wo bald Rechner stehen und blinken werden, tummeln sich nun mehrere Hundert Gäste, darunter der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Vorsitzende des Vereins der digitalen Wirtschaft in der Region, Frank Zachmann, und Wirtschafts-Staatssekretär Mathias Samson (Die Grünen), der den als Festredner eingeplanten Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) vertritt. Er bezeichnet die Datacenter als „Rückgrat der Digitalisierung“. Nicht zuletzt ist Thomas Olemotz im Bauteil H dabei, der Vorstandsvorsitzende des im Tec-Dax gelisteten IT-Dienstleisters BechtleAG. Er hat eine interessante Geschichte zu E-Shelter in Rödelheim erzählen, wo ein Teil der Rechner des Frankfurter Internetknoten-Betreibers De-Cix steht.

          Rittwegers Branche kennt seit Jahren schon nur noch eine Richtung: aufwärts. Mitbewerber wie Digital Realty, Equinix, Interxion, Telehouse und Zenium stecken derzeit zusammen Hunderte Millionen Euro in ihre Rechenzentren. Sie können, wie Zachmann bestätigt, kaum so viele neue Stellflächen für Rechner bauen, wie die Kundschaft nachfragt. Die Dynamik seines Geschäfts verdeutlicht Rittweger im Zwiegespräch mit der Aussage, bei Baubeginn im Februar 2017 noch keinen einzigen Kunden an der Hand gehabt zu haben – „und nun ist alles voll“, wie er sagt. „Alles“, das ist eine Fläche von 7100 Quadratmetern. Alles in allem verfügt E-Shelter in Rödelheim über 120000 Quadratmeter und nach eigenen Angaben über den größten Rechenzentrums-Standort in Europa.

          Frankfurt Nr.1 bei digitaler Infrastruktur

          Dass die Firma am Stammsitz weiter investiert, ist für die Stadt laut Feldmann „eine Ehre“. Es sei aber noch nicht jedem klar, dass Frankfurt bei der digitalen Infrastruktur in Deutschland die Nummer eins sei. Der Rathauschef nutzt die Gelegenheit, eine „kommunale Digitalisierungsstrategie“ anzukündigen, ohne aber in die Einzelheiten zu gehen.

          Bechtle-Chef Olemotz zeigt sich dafür umso detailfreudiger. Er lässt mit der Aussage aufmerken, das Unternehmen ziehe gerade mit seinem kompletten Rechenzentrum von Neckarsulm zu E-Shelter nach Rödelheim um. Als Grund führt der gebürtige Hesse keineswegs landsmannschaftliche Verbundenheit an, sondern rein wirtschaftliche Gründe. E-Shelter biete Bechtle eine gute Mischung aus der Nähe zum größten Internetknoten der Welt, der hohen Anschlussgeschwindigkeit und der Sicherheit. Das Gelände ist mit einem mehr als mannshohen Zaun umgeben, die Gebäude werden mit Videokameras überwacht, die Einfahrt ist mit Tor und Schranke gesichert, und an der Pforte sitzen Männer mit Schusswaffen. Ausweispflicht ist selbstverständlich.

          Entscheidung für Rödelheim als Chance zur Weiterentwicklung

          Die Entscheidung für Rödelheim ermöglicht dem Tec-Dax-Konzern zudem, durch die Anwesenheit von Cloud-Firmen sein Geschäftsmodell zu erweitern: eben um Cloud-Dienste für Mittelständler, die den wesentlichen Teil der Kundschaft ausmachen, wie Olemotz sagt. Die am Main von vielen weiter unterschätzte Bedeutung von Frankfurt für die digitale Wirtschaft charakterisiert der Bechtle-Chef mit einem Satz: „Frankfurt ist der Dreh- und Angelpunkt einer Branche, um die wir uns keine Sorgen zu machen brauchen – und von welcher Branche kann man das sonst noch sagen?“

          Und während E-Shelter noch mit den Gästen feiert, eröffnet das Unternehmen Cloud&Heat im Turm Eurotheum in der Innenstadt ein sogenanntes grünes Datacenter. Das ist mit 640 Quadratmetern zwar ein Zwerg, lässt aber mit einer Eigenheit aufmerken: 90 Prozent der Abwärme aus den Hochleistungsrechnern speist der Betreiber in den Heißwasserkreislauf des früher von der Europäischen Zentralbank genutzten Turms ein, wie es heißt. „Dadurch können sowohl die jährlich anfallenden Kosten für Heizenergie im Hochhaus um bis zu 40000 Euro reduziert als auch zusätzliche 30000 Euro pro Jahr an Kühlkosten für das Rechenzentrum im Vergleich zur konventionellen Luftkühlung eingespart werden“, teilt die Dresdner Firma mit. Sie will einen Beitrag zum Ziel der Stadt Frankfurt leisten, in den nächsten gut 30 Jahren den Energiebedarf um die Hälfte und die Treibhausgase um mehr als neun Zehntel zu senken.

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