https://www.faz.net/-gzg-9oyr4

Nach Unfällen : Polizei plant gezielte Kontrollen von E-Scootern

  • Aktualisiert am

In Frankfurt gab es bereits mehrere Unfälle mit E-Scootern. Bild: dpa

Mit E-Scootern kam es Frankfurt zu mehreren Unfällen. Ein Verursacher soll Fahrerflucht begangen haben. Die Polizei will nun gezielte Kontrollen durchführen.

          Mehrere Unfälle hat die Polizei in den ersten Wochen mit E-Scooter-Verkehr in Frankfurt registriert. In einem Fall sei ein Fußgänger angefahren worden, der Benutzer des E-Tretrollers habe Fahrerflucht begangen, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums. Insgesamt handele es sich um eine einstellige Zahl von Unfällen. Die Polizei plane gezielte Kontrollen der Tretroller, derzeit habe man im Rahmen der normalen Polizeiarbeit ein Auge auf sie.

          Während einer Fahrradkontrolle sei beispielsweise ein Tretroller verbotenerweise auf dem Bürgersteig auf die Beamten zugefahren. Als die Polizisten den Roller anhielten und untersuchten, stellten sie fest, dass er zudem statt den erlaubten 20 bis 30 Stundenkilometer schnell unterwegs sein konnte. Der Scooter sei beschlagnahmt worden, ebenso wie auch einige weitere, bei denen die Bremsen nicht korrekt funktionierten oder kein Versicherungsschutz bestand, sagte die Sprecherin.

          Frankfurter Polizei klärt auf

          Unsicherheiten mit den neuen E-Scootern zeigen die Fragen an die Frankfurter Polizei über Twitter. Dürfen die Roller auf Radwegen abgestellt werden? Darf man auf dem Bürgersteig fahren? Die Polizei versucht alle Missverständnisse zu klären, verweist allerdings auch an die Stadt Frankfurt.

          Seit Mitte Juni sind E-Scooter auf Deutschlands öffentlichen Straßen erlaubt. Umstritten sind allerdings die Regeln für die elektronischen Roller. Unter anderem beträgt das Mindestalter für den Umgang mit dem E-Scooter 14 Jahre. Außerdem darf nicht auf Gehwegen oder in der Fußgängerzone gefahren werden. Auf dem Radweg müssen sich die E-Scooter den Platz mit den Radfahrern teilen, was bereits zu ersten Unfällen geführt hat. Die Roller müssen zudem mit einer Bremse und Licht ausgestattet sein. Eine Helmpflicht gibt es nicht, doch fordert dies unter anderem die Gewerkschaft der Polizei. Bei dem passenden Abstellort kommt es daneben auch zu Diskussionen.

          Die weitere Entwicklung müsse man abwarten, sagte die Sprecherin. „Wenn jeder etwas Rücksicht nimmt, sollte es eigentlich gehen.“ In Frankfurt sind seit dem 22. Juni E-Tretroller im Verleih erhältlich. Inzwischen bieten zwei Unternehmen den Service an. Über 800 E-Scooter stehen bereits in der Frankfurter Innenstadt und die Zahl der Kunden wächst stetig.

          ADAC fordert bessere Aufklärung

          Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der ADAC forderten angesichts erster Unfälle eine bessere Aufklärung über Sicherheitsgefahren. „Das zeigt, wie gefährlich das Fahren mit E-Scootern ist und wie sehr es von einigen unterschätzt wird“, sagte Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Presse-Agentur.

          Dringend notwendig sei eine breite Aufklärung. „Alle müssen wissen, wie man mit den Fahrzeugen fährt und wann welche Unfallrisiken bestehen.“ Gefordert seien dabei auch die Hersteller und Sharinganbieter, die per App oder über den E-Scooter direkt Sicherheitshinweise geben könnten.

          „Immer häufiger sind unachtsam abgestellte E-Scooter Stolperfallen auf den Bürgersteigen“, sagte Kellner. Das müsse verhindert werden - auch dass diese Fahrzeuge zu zweit benutzt werden. „Sollte sich die Unfallsituation weiter verschlechtern und sollten mehr Menschen mit Kopfverletzungen und Brüchen in Krankenhäuser eingeliefert werden, müssen wir über eine Helmpflicht nachdenken“, sagte Kellner. „Dann müsste die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern die Verordnung entsprechend anpassen.“

          Investitionen in Infrastruktur

          E-Tretroller dürfen zwischen 6 und 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren und müssen eine Lenk- oder Haltestange haben. Vorgeschrieben sind auch zwei Bremsen, Licht und eine „helltönende Glocke“. Erlaubt sind sie ab 14 Jahren, eine Helmpflicht gibt es nicht. Fahren müssen E-Scooter auf Radwegen - gibt es keine, muss es die Fahrbahn sein.

          Kellner vom Verkehrssicherheitsrat sagte, die Koalition habe sich das Ziel gesetzt, die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Verkehr zu senken. Neben umfassenden Aufklärungsmaßnahmen gehöre dazu dann auch, in infrastrukturelle Maßnahmen zu investieren. Wege müssten sicherer gemacht werden, es müsse ausreichend Platz für die ungeschützten Verkehrsteilnehmer geschaffen werden - so sicher, dass man auch mit E-Scootern sicher ankommen könne.

          Auch eine Sprecherin des ADAC verwies auf zunehmende Probleme mit den E-Scootern. Der Automobilclub appelliere an die Nutzer, sich verantwortungsvoll, defensiv und vorausschauend verhalten. Fahrer auf dem E-Scooter seien „schutzlos“, im Falle von Stürzen und Unfällen könne es zu schweren Verletzungen kommen. Wichtig sei es, sich vorab über die mögliche Route Gedanken zu machen und Strecken ohne Radweg möglichst zu vermeiden.

          Regel beim Fahren

          Dass es reihenweise zu Alkohol-Fahrten komme, zeige für den ADAC die Notwendigkeit verstärkter Aufklärung: „E-Scooter sind Kraftfahrzeuge, es gelten die gleichen strikten Regeln wie beim Autofahren.“ Das sei angesichts von Geschwindigkeit und Gefährdung auch richtig. Mit Vernunft genutzt könnten die E-Tretroller jedoch eine gute Ergänzung gerade in den Städten sein.

          Als positiv bewertet es der ADAC, dass einzelne Verleiher ihre Apps nutzen, um zusätzliche Sicherheitshinweise zu geben. „Das Engagement könnte allerdings noch deutlich größer sein“, sagt die Sprecherin. Denkbar sei es etwa, dass Verleiher und Hersteller Trainings anbieten: „Es liegt im Interesse der Hersteller und Verleiher, dass es in unseren Städten nicht zu einem Scooter-Chaos kommt.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          AKK in Jordanien : Eine Ministerin lässt sich beeindrucken

          Annegret Kramp-Karrenbauer besucht die Tornado-Flieger in der jordanischen Wüste. Dabei betritt die Verteidigungsministerin eine Welt, die fern vom deutschen Alltag liegt – und doch eine ganze Menge mit ihm zu tun hat.

          Sicherer Finanzplatz gesucht : Peking plant Alternative zum umkämpften Hongkong

          Angesichts fast täglicher Demonstrationen steigt die Angst vor einem wirtschaftlichen Einbruch Hongkongs. Chinas Regierung will daher Shenzhen zum neuen internationalen Finanzplatz ausbauen, um Investoren nach Festlandchina zu locken.

          Innenminister Salvini : Geschwächt, nicht geschlagen

          Innenminister Matteo Salvini geht es nicht um die Sache, sondern um die Macht. Mag sein, dass er sich über- und seine Gegner unterschätzt hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.