https://www.faz.net/-gzg-6z7ed

Druckerei storniert Koran-Auftrag : Rhein: Hessen wird zum Zentrum der Salafisten

Es gebe keine Hinweise, dass die Salafisten, die Koranausgaben gratis verteilen, Großspenden aus Arabien erhielten, heißt es beim Verfassungsschutz Bild: dapd

Hessen wird nach Einschätzung von Innenminister Rhein (CDU) immer mehr zum bundesweiten Zentrum der Salafisten. Die Gefahr durch die radikal-islamische Organisation habe „eine neue Dimension“ erreicht.

          1 Min.

          Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) hat davor gewarnt, dass sich die Rhein-Main-Region zu einem „Zentrum der Salafisten“ entwickeln könnte. Bundesweit agierende Salafisten träten immer häufiger öffentlich in der Region auf oder verlegten gar ihren Wohnsitz nach Südhessen, sagte Rhein in Wiesbaden. Offenbar versuchten diese islamistischen „Rattenfänger“, in Südhessen ein „Missionierungs-Netzwerk“ zu etablieren.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der Minister appellierte an die Verantwortlichen in den Kommunen, die Genehmigung von Informationsständen der Salafisten „kritisch zu prüfen“. Das offensive Vorgehen der Salafisten werde Thema bei der Innenministerkonferenz im Mai sein, sagte Rhein.

          Druckerei gibt Auftrag zurück

          Die Ulmer Buchdruckerei „Ebner & Spiegel“ gab unterdessen bekannt, zunächst keine weiteren Exemplare des Koran für die salafistische Organisation „Die wahre Religion“ drucken. Das teilte ein Sprecher des Unternehmens am Montag mit. Im vergangenen Jahr hatte die Druckerei etwa 300.000 Korane für die Verteilaktion des radikalen Predigers Ibrahim Abou-Nagie produziert.

          Der öffentliche Druck sei zu groß gewesen, die Firma sei in vielen E-Mails und Briefen dafür kritisiert worden, die kostenlose Verteilaktion der Korane unterstützt zu haben, hieß es zur Begründung der Entscheidung. Die Gewinnmargen beim Bibel- oder Koran-Druck seien ohnehin gering. Die Buchdruckerei hatte schon am Donnerstag angekündigt, den Auftrag kritisch zu prüfen.

          Kein Hinweis auf arabische Gelder

          Am Wochenende waren in Baden-Baden, Göppingen, Laupheim und Tuttlingen ohne Vorkommnisse wieder Korane verteilt worden. An vielen Ständen waren die Korane schon in der ersten Stunde vergriffen. Der Heidelberger Bundestagsabgeordnete der Grünen, der auch integrationspolitischer Sprecher ist, forderte die Bundesregierung auf, ihre Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien zu überprüfen, denn es sei ein offenes Geheimnis, dass die Salafisten von Saudi-Arabien aus gezielt gefördert würden.

          Nach Angaben der stellvertretenden Leiterin des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Catrin Rieband, gibt es keine Hinweise darauf, dass die unentgeltliche Verteilung von Koranbüchern von arabischen Ländern aus finanziert werde. Vielmehr stamme das Geld aus einer Vielzahl kleiner und mittelgroßer Spenden von in Deutschland lebender Muslime.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Öffnung der Gastronomie : Als das Krisengefühl verschwand

          Früher galten die Deutschen als Stubenhocker. Doch in der Krise zeigt sich, was sonst nicht ins Bewusstsein dringt: Die Gastronomie ist systemrelevant. Seit wann ist das eigentlich so? Über die erstaunliche Bedeutung einer Leitbranche.

          Trump will G7 zu G11 erweitern : Eine neue Allianz gegen China?

          Russland reagiert zurückhaltend auf Trumps Vorstoß, die G7 zu erweitern. Australien, Indien und Südkorea zeigen sich offener – ohne Amerika wären sie Vasallenstaaten Chinas, warnt ein früherer Außenminister.
          Kerzen und Stofftiere vor der Kita „Am Steinkreis“ in Viersen: Hier starb am 21. April eine Dreijährige.

          Totes Kita-Kind in Viersen : Reihenweise Alarmsignale

          In einer Kita in Viersen soll eine Erzieherin die kleine Greta ermordet haben. Ihr Lebenslauf enthält zahlreiche Alarmsignale. Es war offenbar nicht der erster Übergriff der 25-Jährigen auf ein Kita-Kind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.