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Drohnen : Aus heiterem Himmel

Wendig, schlau und alles im Blick: Ein Multikopter vor Frankfurts Skyline, aber außerhalb der Flugverbotszone. Bild: dpa

Drohnen als Freizeitspaß sind ein Verkaufsschlager. Sie sind leicht zu steuern und liefern faszinierende Bilder. Aber sie können auch schnell zur Gefahr werden. Vor allem, wenn Kriminelle ihre Hände im Spiel haben.

          Das war knapp: Während des Museumsuferfestes im vergangenen Jahr in Frankfurt fiel plötzlich ein etwa autoradgroßes, mehrere Kilo schweres Objekt auf die Untermainbrücke. Glücklicherweise spätabends, es waren nicht mehr viele unterwegs, niemand wurde getroffen. Der Besitzer des Multikopters war schnell ermittelt, er erhielt ein saftiges Bußgeld und beteuerte, er werde nie mehr mit seinem Hobby andere in Gefahr bringen. Er hatte verbotenerweise mit der Drohne Fotos vom Volksfest geschossen, die gleich auf sein Smartphone gesendet wurden.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch wenn die Warnungen lauter werden, überrascht doch, wie wenig bisher im wilden Getümmel am Himmel passiert ist. In Deutschland sind schon Hunderttausende dieser unbemannten Luftfahrsysteme verkauft worden, ohne Genehmigung und Registrierung. Wie viele davon tatsächlich regelmäßig aufsteigen, vermag niemand zu schätzen; ein nicht kleiner Teil wird wohl, zu Weihnachten oder Geburtstagen verschenkt, unausgepackt im Schrank liegenbleiben.

          Flugsicherung will Lizenz einführen

          Die Preise liegen zwischen 500 und 1500 Euro, wer will, kann auch noch viel mehr ausgeben, je nach technischer Ausstattung. GPS und eine hochauflösende Kamera gehören inzwischen zum Standard. Diese neue Form der Miniaturfliegerei ist auch in Hessen zu einem weitverbreiteten Freizeitspaß geworden. Vor allem Männer mögen es, wild umherzukurven und die Welt von oben abzulichten. Und wenn es nur der Blick in den Garten nebenan ist. Auf das Unkraut, das dort wächst. Oder den Nachbarn, der sich halbnackt sonnt.

          Das ist meistens harmlos oder ärgerlich und eigentlich verboten, aber nicht wirklich gefährlich. Rufe nach einem Führerschein werden jedoch laut, wenn es wie in dieser Woche zu „Störfällen“ im Luftverkehr kommt. Der Pilot einer Passagiermaschine der British Airways gab an, beim Landeanflug auf London-Heathrow mit einer Drohne kollidiert zu sein. Schon seit längerem verlangt die Luftverkehrswirtschaft wegen dieser Gefahren einen Führerschein für alle, die Fluggeräte bedienen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) plädiert auch für eine solche Lizenz, außerdem für eine Registrierungspflicht, und dass die Geräte Signale aufnehmen und „beantworten“, um sie auf dem Radar sichtbar zu machen. Dem Sprecher der DFS, Axel Raab, zufolge hatten Piloten im vergangenen Jahr beim Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen zweimal eine Drohne gesichtet, es sei aber glücklicherweise nicht zu gefährlichen Begegnungen gekommen.

          Nach Angaben des Luftfahrtbundesamtes wurden bis Ende 2015 in Deutschland insgesamt sieben derartige Störfälle gemeldet. Im Bundesverkehrsministerium sitzt man derzeit an einer Neufassung der Luftverkehrsordnung, die unter anderem vorsieht, die Steighöhe auf maximal 100 Meter zu begrenzen. Es gibt schon Petitionen gegen diese Pläne, vor allem Modellflieger fühlen sich diskreditiert, obwohl sie sich doch stets vorbildlich verhalten hätten. Vielleicht wartet Berlin aber auch ab, was aus Brüssel kommt. Die EU arbeite an einer Empfehlung, heißt es, aber allein das könne bis 2018 dauern.

          Im Umfeld des Flughafens verboten

          Eigentlich wären solche gefährlichen Begegnungen ausgeschlossen, wenn sich die Besitzer der Drohnen an die wenigen Regeln halten würden. Die wichtigste lautet: Im Umfeld von 1,5 Kilometern von Flughäfen ist der Betrieb grundsätzlich verboten. Das gilt übrigens auch für das Steigenlassen von Drachen und Luftballons. In den Kontrollzonen, das heißt im weiteren Umfeld von Flughäfen, darf nur maximal 30 Meter hoch und es muss auf Sicht geflogen werden - wobei Sicht bedeutet, den Flug mit den Augen und nicht nur mit der Kamera an Bord über ein Handy oder Laptop verfolgen zu können. Außerdem muss der Luftraum ständig im Blick gehalten werden. Nähert sich ein Flugzeug, hat die Drohne möglichst schnell zu landen.

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