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Drogeriemarktkette : In Hessen legt dm besonders kräftig zu

Gut im Geschäft: Für die Drogisten von dm ist Hessen einer der lukrativsten Märkte. Bild: Jockisch, Anna

Die Drogeriemarktkette dm hat den Umsatz in Europa um neun Prozent auf 6,2 Milliarden Euro gesteigert – in Hessen legten die Karlsruher Drogisten sogar um 12,4 Prozent.

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          Die Geschäfte der Drogeriemarktkette dm laufen in Hessen oft noch besser als anderswo in Deutschland und Europa. Doch im Moment lässt sich einem dm-Sprecher zufolge noch nicht sicher sagen, ob die Karlsruher Drogisten mit ihren 125 hessischen Dependancen schon jetzt das erreicht haben, was die Branche im Verlauf des Geschäftsjahres 2011/2012 für den gesamten deutschen Markt erwartet: dass nämlich dm den Konkurrenten Schlecker nach Marktanteilen überflügelt.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Der inzwischen nicht mehr von Fleischermeister Anton Schlecker, sondern von seinen beiden Kindern geführte Spitzenreiter unter den Drogeriemarktunternehmen hat im zum September abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 mit 31 Prozent Marktanteil zwar noch als die Nummer eins der Branche gegolten. dm ist Schlecker aber, auf ganz Deutschland gesehen, mit gut 30 Prozent schon dicht auf den Fersen gewesen. Und da dm in Hessen in aller Regel noch besser abschneidet als anderswo, spricht viel dafür, dass das Haus mindestens hier schon jetzt Schlecker überflügelt hat. Der zweistellige Umsatzzuwachs in Hessen von 12,35 Prozent resultiert zwar nicht zuletzt aus der Neueröffnung von acht Filialen, beispielsweise in Wiesbaden an der Rostocker Straße. Aber auch um diese zusätzlichen Dependancen bereinigt, also auf der bisherigen Fläche, liegt die Umsatzsteigerung den Angaben zufolge immer noch bei 9,46 Prozent. Zum Vergleich: Auf bereinigter Fläche lag das Umsatzplus für ganz Deutschland bei fünf Prozent.

          37.000 Beschäftigte

          In den 125 Filialen in Hessen arbeiten zurzeit 1570 Mitarbeiter, 113 mehr als im Vorjahr, wie der Sprecher weiter wissen lässt. Darunter seien 183 Lernlinge, wie die jungen Leute, die die Ausbildung zum Drogisten absolvieren, bei dm genannt werden. Allein in Hessen zählten die Karlsruher Drogisten 30 Millionen Kundenbesuche, dies entspricht einer Steigerung im Vergleich zum vorangegangen Geschäftsjahr 2009/2010 um mehr als elf Prozent.

          Alles in allem beschäftigt dm etwa 37.000 Frauen und Männer. Die Zahl der Märkte in Deutschland liegt zurzeit bei 1261, hinzu kommen noch einmal 1280 Filialen in Südosteuropa.

          Bestehende Filialen auf dem neuesten Stand halten

          Einen so lukrativen Markt wie Hessen will dm auch im gerade angelaufenen Geschäftsjahr mit weiteren Filialen entsprechend bearbeiten. Zehn sollen es am Ende insgesamt sein, zwei davon sind allein in Frankfurt vorgesehen, eine am Dornbusch und eine weitere in Sossenheim. Mitte November soll es in Bad Vilbel eine weitere Dependance geben, hinzu kommen welche unter anderem in Darmstadt, Fulda und Kassel.

          Wie der Sprecher weiter berichtet, geht es aber nicht nur um die Eröffnung neuer Zweigstellen, sondern immer auch darum, die bestehenden Filialen auf dem neuesten Stand zu halten. Für die Eröffnung neuer und die Ertüchtigung bestehender Filialen gibt dm in Hessen in diesem Geschäftsjahr 6,4 Millionen Euro aus. Bei bestehenden Läden ist nicht nur die Präsentation der Waren in einer möglichst angenehmen Atmosphäre das Ziel, was man beispielsweise durch großzügige Gänge, übersichtliche Regale und helle Farben erreicht. Auch die Frage der Energieeffizienz, die sich etwa durch neue sparsame Lichttechnik erreichen lässt, spielt bei diesen Umgestaltungen eine große Rolle, wie der Sprecher weiter mitteilt.

          Mittarbeiter werden beteiligt

          Gerade der freundliche, helle Auftritt mit großzügig plazierten Regalen ist bei dm von zentraler Bedeutung. Es ist nicht zuletzt die Strategie, dass sich der Kunde auch beim Einkauf im Drogeriediscounter wohl fühlen soll, einer der Gründe, weshalb das Image von dm nach wie vor umso viel besser ist als das des Konkurrenten Schlecker.

          Der hat inzwischen zwar seiner Strategie einer Expansion um jeden Preis auch an unattraktiven Standorten und in kleinen, engen und düsteren Läden abgeschworen und baut nun sein einstmals gut 12.000 Standorte umfassendes Filialnetz weiter ab. Doch der Versuch, mit größeren Ladenlokalen namens Schlecker XL den Konkurrenten dm wieder zu distanzieren, funktioniert bisher nicht. Zumal das schlechte Image von Schlecker nicht nur auf den kleinen Läden, sondern auf dem immer wieder dokumentierten fragwürdigen Umgang mit Beschäftigten gründet, wozu beispielsweise Abmahnungen wegen eines dringenden Gangs zur Toilette zählten.

          Wenn die Geschäfte bei dm gutgehen, lässt das Haus die Mitarbeiter auch am Gewinn teilhaben, wie der Sprecher auf Nachfrage mitteilt. Zuletzt wurden den Angaben zufolge zehn Millionen Euro in Form von Gutscheinen an die Beschäftigten ausgegeben.

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