https://www.faz.net/-gzg-9tcpc

Ausbildung abgebrochen : So fühlt es sich an, drogensüchtig zu sein

Auf der Suche: Marcel fühlt sich in seinem WG-Zimmer endlich zu Hause. Bild: Wolfgang Eilmes

Eigentlich sollte Marcel den Betrieb des Großvaters übernehmen. Doch dann war er dauernd bekifft und brach die Ausbildung ab. Später fragte er sich: Wie konnte es so weit kommen?

          4 Min.

          Es war dieses eine Gespräch, das alles geklärt hat. Zwischen Marcel und seinem Großvater. Die Frage lautete: Willst du weiter hier arbeiten oder weiter Drogen nehmen? Noch am selben Abend hat Marcel entschieden: Ich will weiter Drogen nehmen. Die Tage danach stand er „neben sich“, wie er erzählt. Er sei in eine Art Depression verfallen, sagt er. „Du spritzt dir Wasser ins Gesicht, aber du merkst es nicht. Du merkst gar nichts.“

          Stefanie Sippel
          Sportredakteurin.

          Die nächsten Tage ging er nicht mehr raus. Er blieb in seinem Zimmer. Fragte sich, warum er von anderen Leuten abgelehnt wurde. „Ich habe es nicht verstanden“, sagt er. Die Drogen seien sein Lebensinhalt gewesen, er habe nicht verstanden, warum andere das nicht akzeptierten. Mit 15 hatte Marcel, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, angefangen, Rauschgift zu nehmen. Erst Cannabis, dann probierte er immer mehr aus. Mit Freunden, die keine Drogen nahmen, hatte er nach und nach nichts mehr zu tun. Marcel isolierte sich immer weiter, nicht nur von seinem Großvater. Der wollte, dass er einmal den Betrieb übernimmt, den er zusammen mit seinem Sohn aufgebaut hatte. Die Sanitär- und Heizungsfirma ist in Darmstadt ein Traditionsbetrieb.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Blick auf, durch das Hochwasser zerstörte, Häuser in Altenburg. Aufgenommen am 15. Juli 2021 in Altenburg, Altenahr.

          Flutkatastrophe : Der Versicherte ist der Dumme

          Auch wer sein Haus nicht versichert hat, darf nach der Flut auf viel Geld vom Staat hoffen. Darum ist eine Versicherungspflicht überfällig, sagen Fachleute.
          Schöner Schein: Tanzende Mädchen 1959 in einem Kurheim in Bad Dürrheim. Der Alltag vieler „Verschickungskinder“ sah in Wirklichkeit viel düsterer aus.

          „Verschickungskinder“ : Als die Kur zur Qual wurde

          In der jungen Bundesrepublik wurden Millionen Kinder ohne Eltern in Kur geschickt. Viele der „Verschickungskinder“ erlebten keine Erholung, sondern durchlebten Wochen der Tortur mit Heimweh, Schlägen und Missbrauch.