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Austausch in Tel Aviv : Starke Argumente für die dritte Impfdosis

Aufgefrischt:„Booster“-Impfung im Ichilov Hospital Bild: Bloomberg

Eine Frankfurter Delegation ist diese Tage in Tel Aviv, um vierzig Jahre Städtepartnerschaft zu feiern. Was sie von der dortigen Impfkampagne lernen können, erklärt der Corona-Beauftragte der israelischen Regierung.

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          Die Inzidenzen in Hessen stagnieren, bei vielen wächst die Hoffnung, dass die verstörenden Vorhersagen einer weiteren Welle an Covid-19-Erkrankungen vielleicht doch übertrieben sein könnten. Ronni Gamzu hingegen, Direktor des Souraski Medical Center mit dem Ichilov Hospital, des größten Krankenhauses in Tel Aviv, sagt mit großer Bestimmtheit voraus, wann Deutschland wieder mit steigenden Infektionszahlen und damit auch vielem Schwerkranken zu kämpfen haben wird: „In ein paar Monaten wird Ihre Herdenimmunität abrupt sinken – wenn Sie sich nicht auf die dritte Impfung vorbereiten.“

          Inga Janović
          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Gamzu, der zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 zusätzlich die Rolle des Corona-Beauftragten der israelischen Regierung übernommen hatte und so großen Anteil am Aufbau der weltweit beachteten Impfkampagne hat, ist die Lage vollkommen klar: Erst die dritte Impfung immunisiert die Menschen gegen schwere Krankheitsverläufe nach einer Infektion mit SARS-CoV2. Warum, erklärte er in dieser Woche bei einem Treffen mit der Frankfurter Delegation um Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), die nach Tel Aviv gekommen war, um die nun vier Jahrzehnte währende Partnerschaft zwischen beiden Städten zu feiern.

          Auffrischungsimpfung nötig

          Gamzu verwies auf andere Impfstoffe wie etwa gegen Hepatitis, die ebenfalls erst nach der dritten Gabe wirklich wirksam sind, und er zitierte Studien, wonach bei vielen Probanden die nach der zweiten Impfung gebildeten Antikörper bereits vier Monate später erheblich weniger werden. Der Schutz vor schweren Erkrankungen sinke von um die neunzig auf nur noch vierzig Prozent.

          „Vermutlich haben Sie in Deutschland etwas mehr Zeit, bis Sie die dritte Impfung brauchen“, meint Gamzu. Israel, das zu Beginn dieses Jahres mit seiner Impfkampagne das Vorzeigeland für die ganze Welt war, hatte sich so beeilt, die Bevölkerung zu immunisieren, dass man zwischen der ersten und der zweiten Dosis nur drei Wochen Zeit ließ. „Inzwischen wissen wir, dass ein längerer Zeitraum zwischen den Impfungen den Immunschutz verbessert“, sagte Gamzu.

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          In Deutschland ließ man sechs Wochen bis zum zweiten Termin vergehen, deshalb müssten die Deutschen vielleicht nicht bereits nach sechs Monaten den „Booster“ bekommen, sondern erst nach knapp einem Jahr. Dass die Auffrischungsimpfung aber gebraucht wird, daran ließ der Mediziner, den man wegen seiner medialen Präsenz als den „Professor Drosten von Israel“ bezeichnen könnte, keinen Zweifel.

          Tatsächlich hat schon eine große Anzahl von Israelis ihre dritte Dosis bekommen. Zudem wird die Zulassung des Impfstoffs für die unter Zwölfjährigen erwartet, die Vorbereitungen für eine schnelle Impfkampagne unter Schülern sind getroffen. Das Land, in dem sich in der Vergangenheit fast 15 Prozent der Bevölkerung mit dem Coronavirus infiziert hatten (in Deutschland fünf Prozent) und das auch anteilig zur Gesamtbevölkerung mehr Tote zu beklagen hat, ist wieder weitgehend zum normalen Leben zurückgekehrt.

          In Innenräumen gilt aber nach wie vor eine Maskenpflicht, und es wurde ein strenges Zugangssystem ähnlich den deutschen 3-G-Regeln etabliert. Die Hürden für Ungeimpfte sind besonders bei Auslandsreisen hoch: Wer nicht dreimal immunisiert ist, muss nach der Rückkehr für zwei Wochen in Quarantäne. Das motiviert vor allem junge Menschen, die es gewohnt sind, viel zu reisen, sich abermals impfen zu lassen.

          Zauderer überzeugen

          Insgesamt liegt die Quote der vollständig Geimpften in Israel etwas niedriger als in Deutschland, wo sie auf die 67 Prozent zugeht. Auch die Impfpioniere haben Schwierigkeiten, alle Bevölkerungsschichten zu überzeugen, und versuchen deshalb, den Zugang möglichst einfach zu gestalten. Nach wie vor sind mehrere Impfzentren in Tel Aviv aufgebaut, Ärzte und Kliniken immunisieren ohnehin. Manche Menschen werde man nie erreichen, die Zauderer hingegen, die ihre Impfung immer wieder verschöben, müsse man ein wenig schubsen, sagte Gamzu.

          Er ist deshalb mit dem sogenannten Green-Pass-System im Land zufrieden. Von Lockdowns hält er persönlich weniger, und auch dass die israelische Regierung die Landesgrenzen für Touristen und auch Geschäftsreisende so gut wie geschlossen hält, ist in seinen Augen nicht sinnvoll. „Israel ist doch keine Insel“, schimpft er.

          Für die dritte Impfwelle rechnet Gamzu damit, dass sich etwa 85 Prozent der bisher zweimal Geimpften noch einmal für eine Spritze in die Schlange stellen. An die Erreichbarkeit einer Quote um die 80 Prozent und mehr, die Wissenschaftler als Voraussetzung für die Herdenimmunität errechnet haben, glaubt er also nicht.

          Angst macht ihm das nicht– eben weil es einen wirksamen Impfstoff gegen das Virus gibt. Wobei Israel ausschließlich das vom Mainzer Unternehmen Biontech entwickelte Vakzin Comirnaty verimpft. „Die große Veränderung ist, dass wir es mit einem weiteren Virus zu tun haben. Davor müssen wir uns nicht fürchten, wir müssen darauf vorbereitet sein.“

          Was das konkret bedeutet, aber auch, wie in Tel Aviv die Kliniken mit den Schutzmaßnahmen der Stadt verzahnt sind, darüber wüsste auch das Frankfurter Gesundheitsamt gerne mehr. So steht es in einem Brief, den Oberbürgermeister Feldmann am Ende des Treffens Gamzu und einem Vertreter der Tel Aviver Gesundheitsbehörde übergab. Die beiden Partnerstädte könnten auf diesem Feld künftig enger zusammenarbeiten, tatsächlich bestehen bereits seit Jahren Kontakte zwischen den Krankenhäusern und auch den Gesundheitsämtern beider Städte.

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