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Tanztheater im Depot : Keine Macht der Realität

Avatare, Zombies oder einfach nur Menschen der Zukunft? Die Tanzperformance „Ultimatum“ Bild: Dominik Mentzos

Jacopo Godani schaut in „Ultimatum“ nicht besonders optimistisch auf den Menschen der Zukunft. Dazu zieht die Dresden Frankfurt Dance Company die Plateaustiefelchen im Bockenheimer Depot an.

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          Im Foyer des Bockenheimer Depots winden sich diesmal zur Begrüßung keine Tänzerkörper in den Leuchtkästen. Es ist eine simple Ansage, die dort zu lesen steht: Wer ein Programmheft möchte, kann sich die Informationen mittels QR-Code auf sein Smartphone laden. Auch das ist ein bisschen Zukunft, jedenfalls noch nicht Brauch an hiesigen Theatern.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Zukunft, Gedankenspiele um die Fortentwicklungen des menschlichen Körpers, der Umwelt, der Wahrnehmung, beschäftigen den Choreographen Jacopo Godani. Besonders optimistisch schaut er nicht auf den Menschen oder den Humanoiden der Zukunft. Godani, seit 2015 mit seiner Company in Frankfurt und Dresden tätig, stellt ein „Ultimatum“ – so der Titel seines dreiteiligen Abends, der nicht nur als „aktuellste Welturaufführung“ angekündigt wird, sondern auch verspricht, hier verliere die Realität ihre Macht.

          Barock trifft Futurismus

          Wenn man sich ganz hineinbegibt in die Bilder, die Godani, Choreograph, Bühnen- und Kostümbildner, Lichtdesigner in Personalunion, entwirft, mag das sogar stattfinden. Der dreiteilige Abend, dessen letzter Teil eine im Design den beiden neuen Stücken angepasste Wiederaufnahme von „Unit in Reaction“ aus dem Vorjahr ist, fängt jedenfalls schon mit einem Knaller an, der dazu angetan ist, ein bisschen aus dem Hier und Jetzt zu fallen. Aus schimmernden Metallwänden wachsen Arme, Hände, Körperteile, vier Tänzer, halb in Ledergeschirre gewandet und mit Kopfschmuck im Stil züchtiger Nonnen umhüllt, tanzen im Vordergrund Quartett in einer Mischung aus historischen Zitaten und geknickten Gliedmaßen. Ihre Entsprechung findet der flüchtige Reigen in der Kombination aus Bruchstücken von Bachs Cellosuiten, deren Interpretation durch Jan Vogler das Duo 48 Nord mit einem Soundteppich gekreuzt hat: Barock trifft Futurismus, während hinter den silbrigen Platten irgendetwas Beunruhigendes vor sich gehen mag, im Halbdunkel der Bühne bizarre Gestalten umherhuschen, ein Gewisper den Sound begleitet.

          Dieses Tuscheln bleibt in den kurzen Umbaupausen, überhaupt ist das latente Gruseln ein verlässlicher Partner der bizarren Zukunftsphantasie, die zunächst fast noch versöhnlich aussieht in „The Small Infinite“. Im Mittelteil, „Ulimatum Part II“, hingegen wird der Fetisch-Chic der Ledergeschirre eingetauscht in Plateaustiefel aus Lack mit ultra klobigen Sohlen, Hufe für Körper, die an Aliens erinnern. In Ganzkörperkostümen wie gehäutete Kadaver, deren Gesichter auf die Hinterköpfe gemalt sind, starren die Tänzer, mit blutrotem Stoff verhüllt, unheimlich leer ins Publikum. Ein Schocker zum Explosionssound eines Computerspiels, dazwischen Rückzugsgefechte des Bach-Cellos, während die Körper zucken, sich aufbäumen. Am Ende fallen die Hüllen – doch dass in der Fleischuniform ein tanzender Mensch steckte, hat nichts Tröstliches.

          Die Choreographie arrangiert die Masse der 18 Körper, mittlerweile in der ungewöhnlichen Mischung von zwölf Tänzern und sechs Tänzerinnen, in Formationen von Bedrohungen und sogar Anflügen von Humor, wenn sie ihre Stiefel klappernd aneinanderschlagen. Wie in allen drei Teilen und wie im Grunde immer bei Godani geht es um Extreme, diesmal weniger im Tempo, eher im Knicken aus der natürlichen Position, im Überstrecken der Gliedmaßen, in einer Aneignung von Bewegungen, die Fremdheit, Unbehagen, eine vage Anmutung von Science-Fiction erzeugen. Der Tanz aber ist nur ein Teil in dieser Gesamtphantasie, in der nur herabhängende Lichtsäulen bisweilen gleißendes Hell verbreiten. Freundlich oder erhellend aber ist das nicht, nicht einmal, wenn sich Paare zum Duett finden. Ein düsterer Trip, den das Publikum mit Beifall im Stehen feiert.

          Dresden Frankfurt Dance Company

          Weitere Vorstellungen von 13. bis 16. März jeweils um 20 Uhr, am 17. März um 16 Uhr im Bockenheimer Depot.

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