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Medizintechnik : Bald strömt Blutplasma durch die Leitungen

Plasmaproduktion bei Biotest in Dreieich Bild: Biotest

Biotest will in Dreieich innovative Produkte aus Blutplasma herstellen. Doch vorher müssen Millionen Euro investiert werden. Auch eine amerikanische Behörde redet mit.

          Außen und innen ist das Gebäude fertig. Doch noch bis Ende 2021 wird es dauern, ehe die Firma Biotest in Dreieich Produkte aus Blutplasma, die Menschen mit schweren, häufig lebensbedrohlichen Erkrankungen des Blutes und des körpereigenen Abwehrsystems helfen, in der neuen Anlage kommerziell herstellen kann. Auf dieses Datum wird seit 2013 hingearbeitet: Damals begannen die Planungen für das Erweiterungsprojekt „Biotest Next Level“, das an der Stelle entstand, wo sich zuvor der Mitarbeiter-Parkplatz befand.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Überall im Gewerbegebiet Dreieichenhain stößt man auf den Namen Biotest. Im Herbst 2014 wurde die Baugrube ausgehoben. Anfang 2015 begannen die Arbeiten an dem Neubau, der an der Landsteinerstraße im Gewerbegebiet Dreieichenhain nicht zu übersehen ist: Schließlich bringt er es auf die stattliche Höhe von 32 Metern und die Größe eines Fußballfelds. Nicht zu sehen ist, dass es noch acht Meter in die Tiefe geht: Dort und ganz oben wurden Techniketagen angeordnet. Dazwischen befinden sich drei Produktionsgeschosse.

          300 neue Fachkräfte gesucht

          Die Zahl seiner Mitarbeiter beziffert das Unternehmen in Vollzeitstellen. Etwa 1800 gibt es im Konzern, davon 1200 am Standort Dreieich. Allein für die neue Produktionsanlage werden mehr als 300 neue Fachkräfte benötigt; 120 hat das Unternehmen schon gefunden. Weitere 80 Mitarbeiter kommen in diesem Jahr noch hinzu. Bis Mitte 2021 müssten die letzten 100 Mitarbeiter an Bord sein, sagt ein Biotest-Sprecher. Dazu bietet das Unternehmen auch im nächsten Jahr wieder 25 Ausbildungsstellen in verschiedenen Berufen an. Ein Ausbildungsplatz für Lagerlogistik ist noch zum 1. September zu vergeben.

          2018 wurde Biotest von der Creat Group, einem chinesischen Investor, übernommen. Seine amerikanischen Gesellschaften musste das Unternehmen deshalb verkaufen. Der Umsatz im vergangenen Jahr belief sich auf rund 400 Millionen Euro. Für 2019 ist eine Steigerung geplant. Einen kräftigen Umsatzsprung erwartet Biotest, wenn die neue Anlage in Betrieb geht.

          Verbessertes Immunglobulin

          Dort wird das Unternehmen verbessertes Immunglobulin herstellen. Bisher produzierte Biotest davon rund sechs Tonnen im Jahr; künftig werden es 12,5 Tonnen sein. Patienten, die an einem Antikörpermangel leiden, werden auf diese Weise mit Antikörpern von gesunden Spendern versorgt. Die Industrie könne derzeit gerade so viel Immunglobulin herstellen, wie weltweit benötigt werde, sagt der Sprecher. Fachleute erwarten jedoch, dass der Bedarf in den nächsten Jahren deutlich zunimmt.

          Aus Blutplasma sollen in dem neuen Gebäude weitere Produkte gewonnen werden: Gerinnungsfaktoren, die bei Bluterkranken dafür sorgen, dass das Blut gerinnt, und zusätzlich der Gerinnungsfaktor Fibrinogen, der benötigt wird, wenn es bei einem Menschen mit Fibrinogenmangel zu großem Blutverlust etwa bei einer Operation kommt, Albumin, das bei schweren Verbrennungen helfen kann, und das neu entwickelte Präparat Trimodulin, mit dem Blutvergiftungen zu heilen sind.

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