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Pandemie in Hessen : Drei Prozent der Lehrkräfte wegen Corona nicht in der Schule

Vorgabe: Was auf dem Zettel steht, ist nicht nur in der Schule richtig Bild: Lucas Bäuml

Für Hessen stehen zwei weitere Corona-Opfer und 100 zusätzliche Genesene zu Buche. Die neuen Covid-19-Fälle blieben nur knapp unter der Hunderter-Marke. Doch kaum ein Schüler hat sich wegen Corona vom Schulbesuch befreien lassen.

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          Das Corona-Infektionsgeschehen in Hessen bleibt rege. Über Nacht haben die hessischen Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut zwar insgesamt zweistellige bestätigte Neuinfektionen gemeldet. Allerdings blieb die Zahl mit 99 denkbar knapp unter der Hunderter-Schwelle, die Hessen in den vergangenen Wochen regelmäßig übertroffen hat. Das war im Juni noch ganz anders. Seinerzeit gab es sogar einige Tage ohne bestätigte neue Covid-19-Fälle.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor diesem Hintergrund kann längst nicht jede Schule einen umfassenden Präsenzunterricht gewährleisten. So müssen etwa die Jahrgänge acht bis 13 eines Gießener Gymnasiums zu Hause bleiben und erhalten ihre Aufgaben online. Der Grund: Zu viele Lehrkräfte befinden sich nach Corona-Fällen in der Schülerschaft in Quarantäne, um einen regulären Schulalltag aufrechterhalten zu können. Gleichwohl ist die Zahl der Lehrkräfte, die nach den Sommerferien in ganz Hessen ein Attest vorgelegt haben und nicht unterrichten, sehr übersichtlich. Das Kultusministerium beziffert sie auf drei Prozent. Von den Kindern und Jugendlichen haben sich sogar nur 0,19 Prozent ärztlich vom Schulbesuch befreien lassen, wie ein Sprecher der F.A.Z. sagte.

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          Wie das für die Seuchenbekämpfung hierzulande federführende Robert-Koch-Institut (RKI) online weiter meldet, sind zwei weitere Todesfälle in Verbindung mit der Pandemie zu beklagen. Seit März sind es offiziell nunmehr 542. Gleichzeitig steigt die Zahl der Genesenen stetig weiter. Über Nacht ist diese Gruppe um etwa 100 Personen gewachsen. Laut RKI haben rund 15.300 Hessinnen und Hessen ihre Infektion überstanden. Auf ein Corona-Opfer kommen 28,2 Genesene, ein neuer Bestwert seit Anschwellen der Pandemie.

          Laut Sozialministerium behandelten die hessischen Kliniken zuletzt 29 Infizierte intensivmedizinisch; alles in allem liegen demnach 251 Covid-Patienten in heimischen Krankenhäusern. Im Uniklinikum von Frankfurt ist die Zahl „niedrig“, wie ein Sprecher der F.A.Z. sagte, dem Vernehmen nach einstellig. Gleiches galt auch im Uniklinikum Gießen und Marburg. „Derzeit gibt es 717 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern“, heißt es im Ministerium. Insgesamt seien 6052 Klinikbetten unbelegt, 325 weniger als vor einer Woche.

          Mit Blick auf die für den Bestand von Lockerungen wichtige Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist verzeichneten neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern, rangiert Hessen mit einem Wert von 10,9 hinter Bayern, Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die Inzidenz ist unverdächtig. Für Kommunen liegt die kritische Schwelle bei 50.

          Diesen Wert hat in den vergangenen Wochen aber kein Landkreis und keine Großstadt in Hessen auch nur annähernd erreicht. Zuletzt ragte der Kreis Groß-Gerau mit Werten von mehr als 25 heraus. Nun steht für diesen Kreis die 24 zu Buche. Frankfurt kommt auf 17,9; die Stadt vereint 3006 der 17.084 in Hessen seit März verzeichneten Infektionen auf sich. Für Wiesbaden weist das RKI eine 19 aus. Die Stadt erlaubt jetzt wieder Großveranstaltungen, es bleibt aber beim Besuchsverbot in Kliniken.

          Warten auf Erlaubnis für klinische Tests

          Derweil warten Forscher der Universität Marburg und Hamburger Kollegen nach wie vor auf die Erlaubnis aus dem Paul-Ehrlich-Institut, ihren Corona-Impfstoffkandidaten an Menschen zu testen. Dies sagte eine Sprecherin der Uni Marburg der F.A.Z.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Auch im Juli herbe Einbußen für das hessische Gastgewerbe wegen Corona

          Gaststätten, Hotels und Pensionen in Hessen haben auch im Juli unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten. Die Umsätze bei den Beherbergungsbetrieben brachen im Vergleich zum Juli 2019 um rund die Hälfte ein, wie das Statistische Landesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Die Gastronomiebetriebe meldeten einen Rückgang der Erlöse um knapp 35 Prozent. Für die gesamte Branche lagen die Umsätze preisbereinigt um 40 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

          „Von den Umsatzeinbußen waren besonders die hessischen Caterer betroffen“, berichteten die Statistiker. Gründe für die Rückgänge seien die coronabedingt ausbleibenden Gäste aus dem In- und Ausland sowie die Absage von Veranstaltungen. Die Zahl der Beschäftigten im hessischen Gastgewerbe sank zwischen Juli 2019 und Juli 2020 um 17,5 Prozent. (dpa)

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