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Dr. Horst-Schmidt-Kliniken : Unnötige Millionenverluste und teure Chefärzte

Im Blick: Die Dr.Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden werden derzeit genauer untersucht. Ihre Zahlen überzeugen nicht. Bild: Kaufhold, Marcus

Die neuen Geschäftsführer von der Rhön-Klinikum AG haben in den Wiesbadener Dr. Horst-Schmidt-Kliniken einiges entdeckt, was nicht gefällt.

          Die Dr. Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) kümmern sich nicht nur um das Essen für ihre eigenen Patienten. Ihr Tochterunternehmen, die HSK Service GmbH, beliefert auch andere Einrichtungen. Das Otto-Fricke-Krankenhaus in Bad Schwalbach beispielsweise zahlt pro Verköstigungstag und Patient 8,97 Euro. Weil aber der Selbstkostenpreis bei 14,75 Euro liegt, machen die HSK jedes Mal ein Minus von 5,78 Euro.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Auch die Versorgung von 15 Wiesbadener Schulen und Kindertagsstätten sowie die Belieferung der Rhein-Main-Hallen sind Verlustgeschäfte. Insgesamt erwirtschaftet die Servicetochter der HSK auf diese Weise pro Jahr ein Defizit von rund 2,8 Millionen Euro. So stellen es jedenfalls die beiden neuen Geschäftsführer André Eydt und Parwis Fotuhi dar. Seit Ende April arbeiten sie daran, die mit mehr als 100 Millionen Euro verschuldete Klinik wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Ihr Arbeitgeber ist die Rhön-Klinikum AG. Wie berichtet, hat der private Gesundheitskonzern für eine Gesamtsumme von rund 250 Millionen Euro 49 Prozent des städtischen Krankenhauses übernommen. Er hält damit zwar nur eine Minderheit der Geschäftsanteile. Weil die Stadt dem neuen Partner aber die operative Führung überlassen will, stellt er zwei von drei Geschäftsführern. Den Dritten beruft die Stadt nach dem Sommer.

          50 bis 60 Arbeitstage auf Kongressen

          „Wir gucken nach vorn“, sagen Eydt und Fotuhi. Mit persönlichen Schuldzuweisungen halten sie sich zurück. Aber es schient klar, wer jeweils die Verantwortung für die bemängelten Geschäfte trägt. Ingrid Strack beispielsweise, bis vor kurzem noch eine der beiden Geschäftsführer der HSK Service GmbH, sagte gestern auf Anfrage, dass man sich die einzelnen Rechnungen zunächst einmal genau anschauen müsse. „Wir sehen das mit den Verlusten so nicht.“ Gesprächsbedarf könnten demnächst auch die Chefärzte haben. Fotuhi klagt, dass deren Einkommen sich in Größenordnungen bewegten, „die wir in dieser Form im Konzern bislang noch nicht hatten“. Er will keine Zahlen nennen, weil die Bandbreite erheblich sei. Aber er hebt hervor, dass die Gehälter der Chefärzte die Quote der Personalkosten in die Höhe trieben. Sie lägen konzernweit bei 59 Prozent, in den HSK, aber bei 70 Prozent.

          Doch nicht nur die Einkommensverhältnisse stören die neuen Geschäftsführer. Manche Chefärzte hätten von 210 Arbeitstagen 50 bis 60 auf Kongressen und anderen Fortbildungsveranstaltungen verbracht, berichtet Fotuhi. Er nennt Tagungsorte wie Amsterdam, Lissabon, San Diego - „alles was der Reiseführer hergibt“. Das sei übertrieben.

          2400 Vollzeitkräfte arbeiten in den HSK

          Leicht einsparen lassen sich 100.000 Euro, die jährlich an ein Call-Center in Duisburg fließen. Dort konnten Mitarbeiter sich Rat holen, die aufgrund ihrer Tätigkeit in der Klinik unter gesundheitlichen Problemen litten. Dafür habe man doch renommierte Arbeitsmediziner im eigenen Haus, sagt Eydt. Der Vertrag mit dem Call-Center wurde gekündigt.

          2400 Vollzeitkräfte arbeiten in den HSK. In den Verträgen mit der Stadt sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2015 ausgeschlossen. Allerdings müssen freiwerdende Stellen nicht wieder besetzt werden. Das dürfte in der Verwaltung der Fall sein. 30 der 160 Mitarbeiter würden dort nicht gebraucht, glaubt Fotuhi.

          6,5 Millionen Euro werden noch in diesem Jahr investiert

          Wieviel Personal die HSK auf die Dauer beschäftige, hänge auch von der künftigen Entwicklung ab, erläutert Eydt. Er beklagt dass die Zahl der stationären Patienten in den zurückliegenden Jahren nicht gestiegen sei. Die Zahl der Wiesbadener, die sich in Mainz behandeln ließen, sei höher als umgekehrt. Damit sich das ändert, soll das Angebot besser werden.

          6,5 Millionen Euro werden noch in diesem Jahr investiert. Die Notfallversorgung wird ausgebaut. 800.000 Euro kosten die Umbauten. Die weitaus größere Summe fließt in Technik, die sich mitnehmen lässt, wenn die HSK in den Neubau umzieht. Die Arbeiten beginnen 2013 und dauern etwa vier Jahre. Bis es so weit ist, dürfte im Altbau noch mancher Kampf ausgefochten werden. Viele, aber nicht alle Mitarbeiter wollten die unausweichlichen Veränderungen, sagt Eydt. „Reibung erzeugt Wärme. So oder so.“

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