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Doppelwechsel bei Konzernen : Ein Hanseat für Heraeus - ein Berliner für Schott

Fortan getrennt statt Seit´ an Seit´: Frank Heinricht (links), bisher Konzernchef bei Heraeus, geht in gleicher Funktion zu Schott nach Mainz; bei den Hanauern rückt Finanzchef Jan Rinnert (rechts) auf Bild: obs

Zum 1. Juni erhalten die Technologiekonzerne Heraeus in Hanau und Schott in Mainz neue Chefs. In Person von Finanzchef Jan Rinnert folgt in Hanau ein hanseatischer Ökonom auf Frank Heinricht. Der Physiker und gebürtige Berliner wechselt wiederum zu Schott.

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          Ein Hanseat für Heraeus

          In Person von Jan Rinnert führt von Juni an wieder ein Mitglied der Familie den Heraeus-Konzern in Hanau. Rinnert ist Schwiegersohn des Aufsichtsratschefs Jürgen Heraeus, der die Unternehmensgruppe bis 2000 selbst viele Jahre führte. Er übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung von Frank Heinricht. Mit dem Physiker mit Doktorhut hat er in den vergangenen fünf Jahren nicht nur in seiner Rolle als Finanzchef des Unternehmens zusammengearbeitet. Beide haben, gemeinsam mit der stetig gewachsenen Belegschaft, die Geschäftszahlen des weltweit vertretenen Edelmetall- und Technologiekonzerns in ungeahnte Höhen getrieben. Seit’ an Seit’ konnten sie vor Jahresfrist über Spitzenwerte bei Umsatz und Ertrag berichten, die 2012 wegen der allgemeinen Konjunkturflaute auf der Welt und des Rückgangs der Edelmetallpreise nicht wieder erreicht werden konnten. Rinnert und Heinricht sind in dieser Zeit außerdem Freunde geworden. Beide sind verheiratet und haben jeweils drei Kinder.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unterschiede zwischen beiden muss aber nicht lange suchen, wer welche finden möchte. Anders als der scheidende Vorstandschef ist Rinnert kein Naturwissenschaftler, den es bald nach der Hochschule in die freie Wirtschaft trieb. Vielmehr hat er Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaften studiert und zunächst für die Hansestadt Bremen gearbeitet, unter anderem als Sprecher des Senators für Wirtschaft, was seine Vorliebe für Werder Bremen erklären mag. Heinricht kommt aus Berlin, Rinnert aus Oldenburg. Wie es die regionale Herkunft vermuten lässt, tritt der hoch aufgeschossene Rinnert zunächst hanseatisch-zurückhaltend auf, bevor er im Gespräch auftaut und sein gewinnendes Lächeln zeigt. Heinricht wirkt im Umgang direkter, ohne aber als „Berliner Schnauze“ aufzufallen.

          Wer Rinnert nach seinem Gefühl angesichts des Übergangs fragt, erhält eine beinahe staatstragend wirkende Antwort, durch die aber eine sympathische Demut klingt: Er freue sich auf die Aufgabe, sagt er, habe aber einen angemessenen Respekt angesichts der Entwicklung des Unternehmens. Er verstehe sich zudem als „Staffelstabträger“ und Treuhänder der Familie. Schließlich ist er selbst Gesellschafter von Heraeus. Beim Übergang kommt ihm zupass, sich in den vergangenen Jahren mit mehr als nur mit Zahlen beschäftigt zu haben. Denn Rinnert zeichnet nicht nur seit August 2007 als Finanzchef, sondern seit 2010 auch als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. In dieser Rolle habe er in alle Geschäftsfelder hineingeschaut.

          Ist es ein Vorteil, Schwiegersohn des Aufsichtsratschefs zu sein? Jan Rinnert muss nicht lange nachdenken: Er habe für sich weder im Geschäft noch im Umgang eine Sonderrolle abgeleitet. Der Gedankenaustausch mit dem Schwiegervater sei immer spannend. Und die Familie, die sehr loyal zum Unternehmen stehe, sorge für Bodenhaftung. Ein Vorstand sei nicht dazu da, sich selbst zu verwirklichen.

          Seine Aufgabe bedingt lange Bürozeiten und auch Auslandsreisen. Wochenendarbeit versuche er aber möglichst zu vermeiden. „Wenn ich durch die Haustür komme, weiß die Familie, dass ich für sie da bin.“ In der Freizeit bolzt er im Park mit seinen Kindern, oder sie begleiten ihn per Rad, wenn er joggen geht, wie er berichtet.

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