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documenta : Zufriedenheit zur Halbzeit

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Halbzeit bei der documenta in Kassel: Begeisterte Besucher und zufriedener Einzelhandel. Bild: dpa

Nach 50 Tagen documenta wird klar: Die meisten Besucher sind begeistert, die Macher zufrieden. Das Besondere der Weltkunstschau: Kaum Kritik und seit der Eröffnung nicht einmal ein Skandälchen.

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          Halbzeit bei der documenta - und von Kritik und Skandalen kaum eine Spur. Nach 50 Tagen der weltweit bedeutendsten Ausstellung für moderne Kunst in Kassel ist documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld hochzufrieden. „Diese Ausstellung ist präzise, nicht beliebig. Jedes Kunstwerk spricht für sich.“ Auch diese documenta habe Maßstäbe festgelegt, „an denen sich andere abarbeiten“. Die documenta (13) hat ihre Tore seit dem 9. Juni geöffnet, sie schließt sie am 16. September. Die Weltkunstschau findet nur alle fünf Jahre in Kassel statt.

          Kritik am Konzept von documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev gibt es nur wenig, Skandale seit Ausstellungsbeginn gar nicht. Die vom Kasseler Behindertenbeirat kritisierte mangelnde Barrierefreiheit wies Leifeld zurück. Mittlerweile habe die documenta auch Behinderten-Führungen ins Programm aufgenommen, zudem dürfen Blinde bestimmte Kunstwerke mit Handschuhen berühren - das ist sonst streng verboten. „Wenn nun Führungen möglich sind, haben wir schon viel gewonnen“, sagt der Beiratsvorsitzende Helmut Ernst. Lediglich die für Sehbehinderte nicht geeignete documenta-Homepage bereitet beiden Seiten noch Sorgen. „Das ärgert mich wahnsinnig“, gibt Leifeld zu. Mit einer Unterseite, die von Auslesegeräten für Blinde gelesen werden könne, sei aber eine „praktikable Lösung“ gefunden worden.

          Keine Skandale - und es scheint, als kommt auch nichts mehr

          Und Skandale, wie sie bei vorherigen Ausstellungen immer wieder vorkamen? Abgesehen von den Vor-documenta-Überlegungen Carolyn Christov-Bakargievs zu einem Wahlrecht für Erdbeeren und Hunde und einem kurzen Aufreger über eine nicht zur documenta gehörende Skulptur auf einem Kirchturm - nichts. Und es scheint, als kommt auch nichts mehr. „Wir haben keinen Skandal geplant“, sagt Leifeld lachend.

          Vielleicht geben ja die Finanzen etwas her: Durch das Konzept der vielen Orte - allein in der Karlsaue stehen rund zwei Dutzend Holzhäuser - ist die Ausstellung deutlich teurer als die Vorgänger. Viele Ausstellungsorte bedeuten auch viel Personal bei der Kartenkontrolle, bei der Nachtbewachung oder den Mieten. Die Mehrausgaben würden aber durch Mehreinnahmen zum Beispiel durch bei Sponsorengeldern aufgefangen, betonte Leifeld, ohne Zahlen zu nennen. Das Fünfjahres-Budget war bei 24,6 Millionen Euro angesetzt.

          Brad Pitt und Joachim Gauck haben eines gemeinsam

          Leifeld sagte, die Schau werde zunehmend auch von einem Massenpublikum wahrgenommen. Der Besuch von Hollywood-Star Brad Pitt werde in der „Bunten“ thematisiert, auch in der „Vogue“ werde über die Ausstellung berichtet. „Möglicherweise ändert sich das Publikum.“ Oft sind junge Leute und Familien mit Kindern zu sehen. „Das wandelt sich, ist mein Eindruck.“ Bereits jetzt hat die documenta mehr als 10000 Dauerkarten verkauft - 70 Prozent mehr als während der gesamten gesamten 12. Ausgabe der Weltkunstausstellung. 2007 wurden insgesamt 5901 Dauerkarten an den Mann gebracht und 750000 Besucher gezählt.

          Unbestritten zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt das Werk von Thomas Bayrle: Bundespräsident Joachim Gauck war genauso beeindruckt vom Werk des Frankfurter Künstlers wie Filmstar Pitt. Bayrle hat ein acht Meter hohes und über 13 Meter breites Schwarz-Weiß-Bild eines Flugzeugs entworfen, das aus unzähligen kleinen Flugzeug-Bildern zusammengesetzt ist. Sieben auf Podeste montierte Automotoren „beten“ Bayrle zufolge und kommentieren so den Traum vom Fliegen.

          Viel Wirkung mit wenigen Mitteln

          Für einen besonderen Moment sorgt auch die schottische Künstlerin Susan Philipsz am Kulturbahnhof. Dort erklingt eine 1943 vom jüdischen Komponisten Pavel Haas im Konzentrationslager Theresienstadt geschriebene Melodie. Ein Jahr später kam er in Auschwitz ums Leben. Die sieben Lautsprecher sind an jenen Kasseler Bahngleisen installiert, von denen 1941 und 1942 Juden nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert wurden. „Wie die Künstlerin mit so einfachen Mitteln eine Wirkung erzielt, ist beeindruckend“, sagt documenta-Besucherin Jutta Bohnen aus Kassel. „Dort zu stehen, wo einst Juden deportiert wurden, macht einen sprachlos.“ Auch Leifeld betonte, die Arbeit habe eine große Emotionalität.

          Als Publikumsliebling entpuppt sich die Installation „Leaves of Grass“ von Geoffrey Farmer. Der Kanadier hat Hunderte Fotos aus 50 Jahrgängen des amerikanischen „Life“-Magazins auf feste Grashalme geklebt und so eine bestimmt 20 Meter lange Collage gebastelt. Zu sehen sind Tiere, Autos und Menschen, Albert Einstein, die Beatles, der junge John Travolta und die Hochzeit von Lady Diana und Prinz Charles, aber auch Werbung, Panzer und Fotokameras. Das Werk „zeigt auf, dass wir - selbst in diesem westlichen Blickwinkel - wirklich nur Fragmente der Welt sind, wie documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev es formuliert hat“, sagte Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) dazu.

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