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Antisemitismus bei Documenta : Verschwörungstheorien im Bildungsbürgertum

Documenta-Mitarbeiter bauen das umstrittene Großbanner „People's Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz ab. Bild: dpa

Die Bildungsstätte Anne Frank hat nach ein paar Wochen Aufklärungsarbeit auf der Documenta 15 Bilanz gezogen: Auch Menschen, die sich für aufgeklärt halten, verharmlosen den Holocaust, stellen NS-Vergleiche an und glauben an Verschwörungsmythen.

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          Auch im „Bildungsbürgertum“ sind „krude antisemitische Verschwörungstheorien“ fest verankert. Diesen Schluss zieht die Bildungsstätte Anne Frank, nachdem sie für einige Wochen einen Informationsstand auf der Documenta in Kassel betrieben hat. Ziel des Angebots, das noch zwei Tage besteht, war es, mit dem Publikum in einen Austausch zu treten über Antisemitismus in der Kunst, Kunstfreiheit und Rassismus. Es war eine Reaktion auf die antisemitischen Bilder des Künstlerkollektivs Taring Padi auf der Schau.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Julia Alfandari, Leiterin des pädagogischen Angebots, hält es nach den Erfahrungen auf der Documenta für wichtig, weiter dort zu arbeiten, da viel grundsätzliches Wissen fehle. Alarmierender sei jedoch, dass „Antisemitismus auch fest verankert ist in gesellschaftlichen Kreisen, die sich selbst für aufgeklärt halten“: Am Infostand äußerten viele Besucher, die Alfandari zum Bildungsbürgertum rechnet, NS-Vergleiche, Holocaust-Verharmlosungen und Verschwörungsnarrative. Viele lagerten Antisemitismus auch aus und hielten ihn für ein muslimisches Problem. Gleichzeitig würden die indonesischen Künstler und Kuratoren mit einen „fast schon neokolonialen Argument“ in Schutz genommen: Sie könnten es angesichts ihres Backgrounds ja nicht besser wissen. Angebote der politischen Bildung, die Antisemitismus und Rassismus gleichzeitig in den Blick nehmen, seien daher besonders wichtig, resümiert die Bildungsstätte.

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