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DLG-Chef im Porträt : Der andere Grandke

DLG-Chef Reinhard Grandke lädt vom 1. bis 4. März in Frankfurt zur neuen Messe „Land & Genuss“ Bild: Wonge Bergmann

Bisher steht Reinhard Grandke im Schatten seines Bruders Gerhard. Das dürfte sich nun aber ändern: Als DLG-Chef will er Städtern das Landleben nahebringen - mit einer neuen Frankfurter Messe.

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          Kickers oder Eintracht? Für Reinhard Grandke ist das überhaupt keine Frage. "OFC natürlich", antwortet er. Als Offenbacher Bub könne er gar nicht anders. Zudem mutete es komisch an, falls der jüngere Bruder des früheren Offenbacher Rathauschefs Gerhard Grandke Eintracht-Fan wäre. Dagegen verbindet Reinhard Grandke eine zweite Herzensangelegenheit mit der hessischen Stadt mit den meisten Bauern in ihren Reihen: Frankfurt.

          Thorsten Winter
          (thwi.), Rhein-Main-Zeitung

          Der gelernte Bauer und promovierte Tierzüchter leitet die im Stadtteil Rödelheim ansässige Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und will mit einer neuen Messe nicht zuletzt Frankfurtern die Landwirtschaft nahebringen: "Land & Genuss" heißt die vier Tage währende Schau, die am 1. März auf dem Messegelände eröffnet wird - 125 Jahre nach der ersten DLG-Messe in Frankfurt.

          Diese Messe passt ohne Frage in die Zeit. Erzeugnisse aus regionaler Landwirtschaft drängen weiter in die Supermärkte, viele Besucher von Wochenmärkten suchen bewusst Direktvermarkter auf, und das neudeutsch "Urban Gardening" genannte Gärtnern in der Stadt ist schwer in Mode, begleitet von Magazinen rund um Leben und Genuss auf dem Land. Der Auslöser für die neue Messe ist allerdings etwas ganz anderes gewesen: 2009 hat, wie Grandke berichtet, die DLG durch eine Studie des Allensbach-Instituts erfahren, dass nur 53 Prozent der Menschen in Deutschland einen Bauern kennen. Die Studie spiegele ein romantisiertes Bild vom Leben auf dem Land, "das die Produktionsfaktoren außer Acht lässt".

          „Landwirtschaft in die Stadt bringen“

          Früher habe es etwa in Frankfurt-Seckbach hinter jedem zweiten Hoftor ein paar Kühe oder Schweine gegeben - heutzutage wüchsen dort Blumen. Dies zeugt von wachsender Distanz der Menschen zur Landwirtschaft, und es spornt Grandke und seine Mitarbeiter an. "Wir wollen die Landwirtschaft in ihrer gesamten Bandbreite in die Stadt bringen", sagt der 48 Jahre alte Hauptgeschäftsführer der DLG, die nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem vom späteren Frankfurter Oberbürgermeister Walter Kolb wieder ins Leben gerufen wurde und in der beschädigten Festhalle ihr erstes Büro unterhielt. Auch richtete der Verband dort seine ersten Nachkriegsschauen aus.

          Insofern schließt sich am 1. März der Kreis. Grandke erwartet ein "anspruchsvolles Publikum", dem die DLG eine Erlebnisausstellung verspricht. Damit aus dem Versprechen kein Versprecher wird, hat der Fachverband unter anderen den Frankfurter Landwirtschaftlichen Verein und den hessischen Bauernverband als Partner gewonnen. "Urban Gardening" soll dabei als Brücke zwischen der Schau und dem Gärtnern zugeneigten Städtern dienen: "Wir wollen Anreize geben, was man selbst machen kann." Dabei soll die neue Messe keine Landwirtschaftsschau werden, sondern den Kontakt zu Bauern ermöglichen. Das Thema Genuss nicht zu vergessen, weshalb es während der Schau eine Geschmacksschule geben wird. Wer diese Schule besucht hat, geht hinterher idealerweise bewusster, vorurteilsfreier und weniger an Marken orientiert mit Lebensmitteln um, wie Grandke sagt.

          Einst Chef der Besamungsstation

          Durch die "Land & Genuss" tritt er selbst zumindest für vier Tage aus dem Schatten des Bruders, des Präsidenten des Sparkassenverbands Hessen-Thüringen. Dass der neun Jahre ältere Gerhard in Rhein-Main der bekanntere der beiden Grandkes ist, findet der DLG-Chef "in Ordnung". Tummeln sie sich doch auf unterschiedlichen Gebieten: "Er ist regional aktiv, ich bin bundesweit unterwegs - er ist der Politische, ich bin in der Landwirtschaft", erläutert der frühere Chef der Besamungsstation in Gießen, einer Genossenschaft mit ehedem rund 30.000 Mitgliedern.

          Doch nicht nur beruflich gehen die Brüder unterschiedliche Wege. Der jüngere Grandke ist der deutlich Sportlichere von beiden. Früher hat er Basketball gespielt und ist in der Kampfsportart Taekwondo einmal sogar deutscher Jugendmeister geworden. Mittlerweile zieht er Jogging vor. Mit seinem Bruder trifft er sich, wie er erzählt, jeden Samstag bei ihrer Mutter - "das ist eine Tradition, die wir nicht missen möchten".

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