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Islamunterricht in Hessen : Warum Ditib den Vertrauensvorschuss aufgebraucht hat

  • -Aktualisiert am

Die fünf Säulen des Islam: Ein Junge liest ein Schulbuch während des Religionsunterrichts. Bild: dpa

Hessens Zusammenarbeit mit der türkisch-islamischen Union Ditib beim islamischen Religionsunterricht steht vor dem Aus, denn die Eignung des Vereins ist weiterhin fraglich. Zweifel an der Notwendigkeit des Unterrichts gibt es jedoch nicht.

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          Eine weitere Kooperation des Landes Hessen mit der umstrittenen türkisch-islamischen Union Ditib beim islamischen Religionsunterricht wird immer unwahrscheinlicher. Nach Recherchen dieser Zeitung hat Ditib bisher die grundlegenden Zweifel an ihrer Eignung nicht ausräumen können. Das Kultusministerium wartet derzeit auf eine abschließende juristische Empfehlung, die die Ergebnisse der drei jüngsten Gutachten zu der Religionsgemeinschaft zusammenfassen soll. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) wollte seine Entscheidung ursprünglich noch in diesem Jahr verkünden. Wegen organisatorischer Schwierigkeiten könnte es nun sein, dass dies erst im nächsten Jahr geschieht. Eine offizielle Stellungnahme des Ministeriums war gestern nicht zu erhalten.

          Hessen hatte vor sechs Jahren als erstes Bundesland den bekenntnisorientieren Islamunterricht mit Ditib als Kooperationspartner eingeführt. Maßgeblich zur Entscheidung trugen zwei Gutachten bei, die die Landesregierung bisher unter Verschluss gehalten hat, dieser Zeitung aber vorliegen. Schon 2012 hatten die beiden Islamwissenschaftler Levent Teszan von der Universität Tilburg und Jörn Thielmann vom Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa davor gewarnt, dass der Einfluss des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) auf Ditib nur schwer einzuschätzen sei. „Was die Diyanet jedoch zu einem derzeit nicht genau einzuschätzenden Faktor macht, ist die gegenwärtige, nahezu revolutionäre Transformation des türkischen Regimes, in der Religion zum strategischen Mittel wird“, schrieben die Experten vor sieben Jahren und mahnten, dass die organisatorische Verbindung der türkischen Religionsbehörde über die Kölner Ditib-Zentrale zum hessischen Landesverband mit Blick auf die türkische Politik zu einem Unsicherheitsfaktor für die deutschen Partner der Ditib werden könne. Schon damals gaben die Wissenschaftler zu bedenken, dass das Streben der Hessen nach mehr Autonomie im Ditib-Dachverband von der Zentrale blockiert worden sei.

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