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Diskussion um Opel-Zoo : Impulse für die Kommunalpolitiker

Auf der Suche nach Lösungen: Blick auf den Philosophenweg im Opel-Zoo. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Bürgerbeteiligung zum Opel-Zoo endetmit vielen Vorschlägen. Philosophenweg und Parken bleiben die Hauptprobleme.

          3 Min.

          Manchmal sind es kleine Zeichen, in denen sich der Wille zum konstruktiven Miteinander ausdrückt. Gerade hatte der Mann mit Brille und Schnauzbart vom „Horrorgemälde“ gesprochen, das die in den bisher geltenden Bebauungsplänen vorgesehenen Brücken über den öffentlichen Philosophenweg bedeuten würden. Der Weg führt mitten durch den Opel-Zoo und soll deshalb geschlossen werden oder nur noch eingeschränkt nutzbar sein. Stattdessen schlug der Besucher des „Bürgerworkshops“ am Samstag eine Unterführung des Wegs vor, ähnlich wie es sie bei der Landstraße an der Lochmühle gebe.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Damit derartige Anregungen nicht verloren gehen, konnten sie auf verschiedenfarbige Zettel notiert werden: rote für kritische, grüne für positive Anmerkungen. In welche Kategorie die Idee einer Unterführung fallen würde, war zunächst unklar. „Ich würde so gerne einen grünen Vorschlag machen“, entfuhr es dem Workshopteilnehmer.

          Spaziergänger wollen weiterhin nichts zahlen

          Kaum jemand, der ins Haus der Begegnung gekommen war, stand den beabsichtigten Änderungen der Bebauungspläne neutral gegenüber. Die wichtigsten Themen, die Nutzung des Philosophenwegs und die Parksituation, entzweien seit langem Bürger in Kronberg und Königstein. Die einen wollen dem ohne öffentliche Zuschüsse wirtschaftenden Zoo, eine der wichtigsten Freizeitattraktionen Hessens, den nötigen Entwicklungsspielraum und ein besseres Sicherheitsmanagement zubilligen. Die Kritiker in beiden Städten würden hingegen am liebsten die Nutzung von Wiesen als Ausweichparkplätze an wenigen Tagen im Jahr verbieten lassen und ansonsten gar nichts ändern. Insbesondere nicht den Umstand, dass Spaziergänger auf dem Philosophenweg den Zoo unentgeltlich durchqueren können.

          Angesichts der öffentlichen Debatte hatten sich die Städte entschlossen, dem regulären Bebauungsplanverfahren eine erweiterte, neutral moderierte Bürgerbeteiligung vorzuschalten. Da das Freigehege auf der Gemarkung beider Kommunen liegt, müssen auch zwei Bebauungspläne geändert werden. Allerdings betreiben Königstein und Kronberg die Verfahren zeitlich parallel.

          Chipkarten als Lösung im Gespräch

          Die Bürgerbeteiligung hatte Anfang Oktober mit einer Informationsveranstaltung in Kronberg begonnen. Im Internet wurden anschließend Anregungen gesammelt und nun am Samstag in vier Arbeitsgruppen diskutiert. Schon der Vorschlag von Moderator Bertram Huke (CDU), die etwa 70 Bürger, Interessenvertreter und Mandatsträger auf die vier Stationen zu verteilen, stieß auf Widerspruch. „Die Entscheidung ist willkürlich, der Philosophenweg soll erhalten bleiben“ – diese von einem ehemaligen Königsteiner Stadtverordneten im Hinausgehen vorgetragene Fundamentalkritik blieb dann allerdings die Ausnahme. Zumal die Gruppen, die sich schließlich doch zusammenfanden, alle 30 Minuten wechseln und auf diese Weise alle Stationen absolvieren sollten.

          Sämtliche Teilnehmer konnten sich daher mit den Themen Öffentlicher Nahverkehr, Parkplätze, Zugangslösungen für den Philosophenweg und dem als Alternative auszubauenden Wegesystem um den Zoo herum auseinandersetzen. Um die Durchquerung des Freigeheges auf dem bisher öffentlichen Philosophenweg zu kontrollieren, sind Chipkarten-Lösungen im Gespräch, mit denen das Gelände innerhalb einer bestimmten Zeit durchquert werden muss, ohne dass der Eintritt fällig wird. Auch eine „K und K“-Karte mit vergünstigtem Preis für Kronberger und Königsteiner Bürger wird diskutiert.

          Stadtverordneten werden am Ende entscheiden

          Der Weg um den Zoo herum soll attraktiver werden, indem der Scheibelbuschweg ausgebaut wird. Dies könne man berücksichtigen, wenn demnächst der Abwasserverband unterhalb des Zoos am Rentbach ein „Dämpfungsbecken“ gegen Hochwasser bauen lasse, sagte der Kronberger Erste Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos). Bisher ist der Weg vielen zu steil und zu dunkel. Er solle daher so weit wie möglich nivelliert werden, lautete ein Ergebnis der Arbeitsgruppe zu diesem Thema.

          Obwohl der Opel-Zoo über 1000 reguläre Parkplätze verfügt, wird es an manchen Feiertagen mit schönem Wetter knapp. Statt auf die Wiesen auszuweichen wäre vielen Diskutanten ein Parkhaus auf dem heutigen Schotterplatz am liebsten. Dessen Wirtschaftlichkeit soll nun geprüft werden. Vielleicht lasse sich dieses dann wiederum für Veranstaltungen in Königstein oder Kronberg nutzen, so ein Vorschlag. Dazu müssten die jeweiligen Besucher allerdings auf Busse und Zubringer umsteigen. Das hat der Zoo schon jetzt mit dem „Elefanten-Express“ versucht, der zwischen den Bahnhöfen der beiden Städte verkehrt. Aufs Auto will jedoch kaum jemand verzichten, obwohl natürlich eine bessere Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs die Ideallösung wäre. Entsprechend sachlich wurde über dieses Thema geredet. Ein amerikanischer Schulbus in Safari-Lackierung und die Anreise als Teil des „Abenteuers Zoo“ gehörten zu den hier erörterten Vorschlägen.

          Am Ende des Nachmittags hielt der ehemalige Königsteiner Bürgermeister Huke als Moderator fest, dass zu den Anregungen im Internet zahlreiche neue Ideen hinzugekommen seien. „Das sind gute Impulse für die Stadtverordneten, denn diese haben im Bebauungsplanverfahren die letzte Entscheidung.“ Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung würden ihnen vorgelegt und seien später auf der Internetseite www.opelzoo-mitreden.de nachzulesen. Illusionen mochte Huke den Teilnehmern aber auch nicht machen. „Am Ende wird eine Lösung stehen, die nicht nur hopp oder top ist.“

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