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Spitzensport und Bildung : Lernen von der Weltspitze

  • -Aktualisiert am

Will im Job später nicht baden gehen: Der Frankfurter Olympia-Schwimmer Jan-Philip Glania forciert seine berufliche Karriere als Zahnmediziner. Bild: Stefanie Silber

Schwimmer Glania setzt auf Erfolg in Sport und Beruf. Doch beides gleichzeitig sei in Deutschland schwer. Beim „Sportdialog“ des LSBH zeigt sich: Die Meinungen gehen hier auseinander.

          Vor zwei Jahren hatte Jan-Philip Glania etwas anderes probiert. Da war der Rückenspezialist der SG Frankfurt für drei Monate in die Vereinigten Staaten gegangen, um unter Trainer Dave Salo in Kalifornien seine Bahnen zu ziehen. Es war eine Zeit, in der der heute 28-Jährige erleben durfte, wie sich Sport und Studium optimal miteinander kombinieren lassen. Denn in Nordamerika, sagte der Schwimmer, würden die Uni-Kurse nach den Trainingszeiten gelegt: „Das deutsche System ist da total rückständig“, berichtete der Zahnmedizinstudent. „Wir sollten uns da mehr an anderen Ländern orientieren.“

          Die Meinung des Olympiateilnehmers teilte beim vierten „Sportdialog“ des Landessportbundes Hessen (LSBH) in Frankfurt nicht jeder. LSBH-Präsident Rolf Müller etwa rühmte das hiesige Vereinssystem, in dem viel mehr für die Menschen und die Gesellschaft Relevantes gefördert werde als nur der Spitzensport. Auch sonst wurde bei der Diskussion unter dem Titel „Leistungssport und Bildung: Segen für die Athleten, Fluch für den Sport?“ deutlich, dass es ganz unterschiedliche Einstellungen dazu gibt, wie Topsportler ihr Leben während ihrer Karriere gestalten sollten.

          „Wusste, worauf ich mich einlasse“

          Einig waren sich die Teilnehmer lediglich darin, dass jungen Leuten, die sich für einen Alltag zwischen Trainings- und Wettkampfhalle entscheiden und diesem eine Zeitlang Priorität einräumen, die besten Bedingungen geboten werden müssten. Dabei gelte es, sich daran zu orientieren, wie die Konkurrenz in der Weltspitze trainiert, sagte Dirk Schimmelpfennig, der Vorstand Leistungssport beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Um dann zu sehen, welche Freiräume für eine berufliche Ausbildung zur Verfügung stehen - und ob diese parallel zum Sport verfolgt werden kann.

          Es dürfe nicht sein, dass etwa ein Kanute wegen des Studiums nur am zweitbesten Stützpunkt für seine Disziplin trainiert. Schimmelpfennig, lange Jahre als Trainer und Sportdirektor in Diensten des Deutschen Tischtennis-Bundes, verwies darauf, dass Timo Boll die Schule mit der mittleren Reife abgeschlossen habe, um mit den Asiaten mithalten zu können. Für Glania, in dessen Sportart es nicht so viel zu verdienen gibt wie bei den Meistern des kleinen Plastikballs, kam dieser Schritt nicht in Frage: „Ich wollte schon immer Zahnmedizin machen und wusste, worauf ich mich einlasse.“

          Berufliche Karriere hat jetzt Prioriät

          Unterstützung fand er an der Universität bei Professor Hans-Christoph Lauer. Doch der Dekan räumt ein, dass bei einem verschulten Studium wie dem der Zahnmedizin kaum Ausnahmen für Einzelne gemacht werden könnten. „Wenn wir mehrere solcher Kandidaten zusammenziehen würden, könnten wir uns zum Beispiel bei Kursen wie der Patientenbehandlung auch nach diesen richten.“ Das entspricht den Vorstellungen Schimmelpfennigs und dem neuen Spitzensportkonzept des DOSB, in dem die Reduzierung der Stützpunkte sowie die Konzentration der Topathleten einzelner Disziplinen an Standorten mit optimalem Umfeld vorgesehen sind.

          Glania, in diesem Jahr der einzige Olympiateilnehmer in seiner Frankfurter Trainingsgruppe, ging seinen eigenen Weg: Im Jahr vor Olympia schloss er sein Physikum ab, um sich danach mit Hilfe mehrerer Urlaubssemester nur noch aufs Schwimmen zu konzentrieren. Jetzt, nach einem neunten Platz über 200 Meter Rücken und einem siebten mit der deutschen Lagenstaffel in Rio, versucht er wieder Anschluss zu finden an der Uni.

          Das handwerkliche Geschick, das die Arbeit an den Zähnen erfordert, sei ihm etwas abhandengekommen. Gleichzeitig versucht der EM-Dritte von 2014 rechtzeitig für die deutschen Kurzbahnmeisterschaften fit zu werden, die nächste Woche in Berlin anstehen. Er werde über die Teilnehme kurzfristig entscheiden, betonte Glania. Denn: Nach eineinhalb Jahren als Vollprofi räumt er nun wieder der beruflichen Karriere Priorität ein.

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