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Frankfurter Verkehrspolitik : „Sperrung des nördlichen Mainufers aufheben“

Seit rund einem halben Jahr ist das nördliche Mainufer zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke für Autofahrer gesperrt. Bild: dpa

Die Grünen in Frankfurt haben Bedingungen in der Diskussion um die Öffnung des nördlichen Mainufers vorgestellt. Die CDU lehnt die Vorschläge ab, hofft aber auf einen Kompromiss.

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          Auch sechs Monate nachdem das nördliche Mainufer auf Probe für den Autoverkehr gesperrt worden ist, bleibt das Lieblingsprojekt der Frankfurter SPD so umstritten wie am ersten Tag. Jetzt zeichnet sich allerdings eine überraschende Wende für die Zeit nach dem 1. August ab, wenn der Verkehrsversuch für diese wichtige Ost-West-Verbindung durch Frankfurt offiziell beendet sein wird. Um den Weg frei zu machen und die Diskussion für neue Pläne am Mainufer zu eröffnen, hat Grünen-Verkehrspolitiker Wolfgang Siefert – wie schon zuvor die CDU – die Mainkai-Sperrung „Stand heute“ erst einmal für gescheitert erklärt.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er habe bisher nicht den Eindruck, dass die Bürger für sich einen Nutzen in dieser rund 900 Meter langen autofreien Zone hätten entdecken können, sagt Siefert. Das sei aber Voraussetzung, um die Bürger für so gravierende Veränderungen in der Verkehrsführung mitzunehmen. Gleichzeitig seien durch die Verlagerung des Verkehrs in Sachsenhausen erhebliche Probleme entstanden. Schwierigkeiten, die SPD-Verkehrsdezernent Klaus Oesterling nicht in den Griff bekommen habe. Die naheliegende Schlussfolgerung, die Straße unverändert wieder für Autos zu öffnen, ist für den Grünen-Politiker jedoch keine Lösung. Die Zeiten, alles wieder für das Auto freizugeben, seien vorbei. Die Stadt brauche die Mobilitätswende. Siefert rät, den Versuch zu Ende zu führen, dann jedoch „nahtlos“ mit dem nächsten zu beginnen.

          Aufenthaltsqualität am Mainkai verbessern

          „Probiert doch einmal unsere Idee“, schlägt der Grünen-Politiker den beiden Koalitionären im Römer, CDU und SPD, vor. Demnach würden dem Autoverkehr auf dem Mainkai statt der einst vorhandenen drei Fahrspuren nur zwei – jeweils eine Spur in jede Fahrtrichtung – zurückgegeben. Gleichzeitig soll nach dem Willen der Grünen die Straße auf beiden Seiten mit Radwegen ausgestattet werden, und es soll Tempo 30 gelten. An diese – wenn auch eingeschränkte – Öffnung des nördlichen Mainufers für den Autoverkehr knüpfen die Grünen die Bedingung, auf der parallel verlaufenden vierspurigen Berliner Straße dem Autoverkehr zwei Spuren zu nehmen und dort ebenfalls den Radfahrern eigenen Platz zur Verfügung zu stellen.

          Zumindest für die Neugestaltung des Mainkais könnte sich die CDU im Römer erwärmen. Verkehrspolitiker Martin Daum hatte einen vergleichbaren Vorschlag schon im Dezember gemacht und davon gesprochen, in jedem Fall den Fußgängern am Mainkai mehr Aufenthaltsqualität geben zu wollen. Schließlich bewegen sich zahllose Touristen auf ihrem Weg vom Römerberg zum Eisernen Steg dort entlang. Zwar sähe die CDU gern den Zustand, wie er vor der Sperrung auf Probe Ende Juli 2019 herrschte, wiederhergestellt, so Daum, doch ein Kompromiss am Mainkai sei denkbar.

          Änderungen an der Berliner Straße sind für die CDU dagegen „keine Option“. Das sei eine Hauptverkehrsader, ihr Fahrspuren zu nehmen, „sind wir nicht bereit“, so Daum. Zumal man damit die nächste „emotionale Baustelle“ eröffne, sagt er mit Blick auf den Streit um die Mainufersperrung. Zudem habe die Koalition den Initiatoren des Radentscheids schon weitere Zusagen für die Schaffung neuer Radwege in der Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen gemacht. So werde auf der Friedberger Landstraße künftig eine Fahrspur zugunsten der Radfahrer wegfallen. „Schon das wird in der öffentlichen Diskussion kein Spaß werden“, sagt Daum.

          Der Debatte eine sachliche Grundlage geben

          Man könne in der Stadt nicht beliebig „an allen Ecken und Kanten“ Fahrspuren wegnehmen, sagt Daum. So gern er die Sperrung am Main am liebsten sofort abbrechen würde, so wenig will er den Verkehrsdezernenten aus der Verantwortung entlassen, die angekündigte Zwischenbilanz zu den Folgen der Sperrung endlich vorzulegen. „Oesterling muss liefern.“

          Das Verkehrsdezernat kündigte an, im März den Verkehr an verschiedenen Stellen der Stadt zählen zu wollen und diese Daten anschließend mit denen vom März 2018 zu vergleichen. „Das wird der Debatte um die Mainufer-Sperrung eine sachliche Grundlage geben“, teilt ein Sprecher Oesterlings mit. Und er weist die häufig vorgetragene Kritik zurück, der SPD-Politiker habe es versäumt, den gesperrten Straßenabschnitt attraktiver zu gestalten. Die Koalition habe doch vereinbart, keine dauerhaften Einbauten während des Versuchs zuzulassen. Für den Sprecher steht fest: „Niemand legt sich mit seiner Picknickdecke auf den Asphalt.“

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