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Landesmuseum Darmstadt : Geschichtenerzähler und Netzwerker

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Kam vom Wannsee an den Woog: Museumsdirektor Martin Faass Bild: dpa

Seit Januar ist Martin Faass Direktor des Landesmuseums Darmstadt. Er steckt in den Vorbereitungen des Jubiläums – und spricht von einem Neubau.

          3 Min.

          Seit Jahresbeginn hat das Landesmuseum Darmstadt einen neuen Leiter. Auf Theo Jülich, der Anfang 2018 überraschend gestorben war, folgte Martin Faass. Der 1963 in Karlsruhe geborene Kunsthistoriker kommt aus Berlin, wo er Gründungsdirektor der Liebermann-Villa war. Idyllisch am Wannsee gelegen, da scheint es nur konsequent, dass Faass in dieser Zeit auch den Segelschein gemacht hat. Unter seiner zwölfjährigen Ägide hat sich der einstige Sommersitz des Malers zu einem respektablen Ausstellungsort mit jüngst 88.000 Besuchern jährlich entwickelt. In Darmstadt ist er jetzt Herr über eine Universalsammlung, die, wenn man jedes Käferchen und Gesteinsbröckchen mitzählt, mehr als zwei Millionen Objekte umfasst. Den Wechsel von der Hauptstadt ins Südhessische hat er offenbar gut verkraftet. Zumal der Familienvater schon wegen seiner beiden erwachsenen Kinder, die in Berlin studieren, immer wieder einmal dorthin zurückkehrt.

          An seiner neuen Wirkungsstätte beeindrucken ihn nicht nur das schiere Volumen und die Architektur, sondern auch der universale Ansatz sowie die Vielfalt und die Qualität der Sammlungen. Außerdem lobt er das reiche Kulturangebot in Darmstadt und Umgebung und weiß die im Vergleich zu seiner früheren Heimat deutlich kürzeren Wege zu schätzen. Für die Eingewöhnung blieb ihm allerdings nicht viel Zeit: Die Vorbereitung auf die Feier anlässlich des zweihundertjährigen Museumsbestehens 2020 läuft auf Hochtouren.

          Mit Amerika im Gespräch

          Diesen Termin will der neue Direktor nutzen, um die seit der Wiedereröffnung 2014 etwas abgeebbte Strahlkraft wiederherzustellen. Er will „uns als ein Haus präsentieren, das in einer Reihe steht mit den großen historischen Museen in Europa“. Zeitgenössische Künstler sollen deswegen aber nicht vernachlässigt werden. Weil das Großereignis darüber hinaus mit dem 50. Jahrestag des „Blocks Beuys“ zusammenfällt, wird das Thema Rauminstallation ebenfalls eine wesentliche Rolle im Jubiläumsprogramm spielen. Dafür will Faass, der sich erklärtermaßen als Netzwerker versteht, nicht nur mit deutschen Museen kooperieren, sondern ist auch mit Kollegen in Amerika im Gespräch.

          Obwohl nun mehr verwaltungstechnische und organisatorische Aufgaben auf ihn zukommen, will er auch in Darmstadt weiterhin als Kurator in Erscheinung treten. Seine Ausstellungen sollen Geschichten erzählen. Wie 2015 in Berlin, als der rote Faden die Beinahe-Begegnung zwischen Max Liebermann und Vincent van Gogh gewesen ist: Van Goghs Bruder Theo hatte Liebermanns Werke im Pariser Salon gesehen und Vincent begeistert davon erzählt, der seinen sechs Jahre älteren Malerkollegen aus Deutschland daraufhin unbedingt kennenlernen wollte. Als sich Liebermann wieder einmal in dem niederländischen Dorf Zweeloo aufhielt, in dem er 1882 schon seine „Rasenbleiche“ gemalt hatte, hätte das auch fast geklappt. Aber van Gogh kam wie so oft zu spät. Liebermann war bereits abgereist. Von dessen Gastwirt hat er sich dann wenigstens noch die Wiese zeigen lassen, die Vorbild für das berühmte Gemälde war, und sie daraufhin gezeichnet. Die beiden Bilder standen dann im Mittelpunkt der Ausstellung in der Liebermann-Villa.

          Noch müssen solche Geschichten warten: Die zwei aktuellen Präsentationen im Museum Darmstadt mit Graphiken der Bauhaus-Meister sowie demnächst mit Jugendstil-Schmuck sind schon vor Faass’ Dienstantritt auf den Weg gebracht worden. Apropos Jugendstil. Da er schon am Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, wo er ein Volontariat absolviert hat, einen Katalog der dortigen Jugendstilsammlung betreute, dürfte er sich für seinen aktuellen Posten auch als Fachmann für diese in Darmstadt so prominente Kunstrichtung empfohlen haben. Weil der Sammlungsschwerpunkt am Landesmuseum auf dem internationalen Jugendstil liegt, während auf der nahen Mathildenhöhe der Darmstädter Jugendstil dominiert, ergänze man sich eher, als dass man konkurriere, findet Faass. Gespannt ist er hingegen darauf, wie das Museum Wiesbaden, das sich bisher vor allem über die Malerei definiert habe, von Ende Juni an die umfangreiche Jugendstil-Sammlung Neess präsentieren wird.

          Die Digitalisierung schließlich ist auch für Martin Faass ein Thema. Unter anderem hat er vor, das Kupferstichkabinett einem Graphikportal anzuschließen, das schon 22 internationale Sammlungen bündelt. Noch größere Defizite sieht er indes bei der Depot-Situation. Weil die Magazine ursprünglich in einem Neubau untergebracht werden sollten, der dann aber dem Sparzwang zum Opfer fiel, sind sie heute größtenteils ausgelagert. Daran, dass er sich damit kaum abfinden wird, lässt der Direktor keinen Zweifel: „Mittelfristig kommen wir um einen Neubau nicht herum.“

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