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Moses Pelham : Direkt aus Rödelheim

Frankfurter Bub: Moses Pelham Bild: dpa

Moses Pelham düpierte vor dem höchsten deutschen Gericht medienwirksam die Musiker von Kraftwerk. Berühmt ist er in Frankfurt schon länger - so machte er einen ganzen Stadtteil bekannt.

          Jetzt hat er schon wieder Geschichte geschrieben. Nur juristisch - aber das ist in den vergangenen Jahren ja öfter so gewesen. Der Krach mit Xavier Naidoo vor Gericht und auch sonst hat Moses Pelham 2004 schon einmal fast bis zum Bundesgerichtshof geführt, medial begleitet wie einst seine Attacke gegen Stefan Raab. Er hat gegen Naidoo verloren, dann haben die beiden biblische zwölf Jahre lang nicht mehr miteinander geredet.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erst vor ein paar Wochen kam die große Versöhnungs-CD: „Nicht von dieser Welt 2“, produziert von Moses Pelham, dem wiedergefundenen Freund, der selbst vor drei Jahren ein Werk namens „Wenn der Schmerz nachlässt - Geteiltes Leid III“ eingespielt hat. Als hätte er schon geahnt, dass er dereinst gegen die Jungs von Kraftwerk siegen würde, die ihm zwei Sekunden Beat nicht gönnten. Sie hätten es doch wissen müssen: „Die ganzen Melodien sind geklaut von allen möglichen Leuten“, heißt es im allerersten Track der allerersten Platte von Rödelheim Hartreim Projekt. Der Track hieß übrigens „In wenigen Sekunden“.

          Ohne Sampeln geht platztechnisch nichts

          Mit ihren harten Reimen sind Moses Pelham und Thomas Hofmann 1994 schlagartig berühmt geworden. Obwohl, so schlagartig war das auch wieder nicht. Seit Ende der achtziger Jahre hat Pelham, Jahrgang 1971, aufgewachsen in Rödelheim, wo sich seine Schulkameraden an einen irgendwie liebenswerten, irgendwie originellen und durchaus sendungsbewussten Typen erinnern, dessen Vater Soul- und Jazzmusiker war, an einem neuen Ton im Rap gebastelt. Legendäre Heimstatt des Rödelheim Hartreim Projekts war eine Einzimmerwohnung an der Rödelheimer Landstraße. Kein Wunder, dass da nicht so viele Musiker hineinpassten, sondern allenfalls elektronisches Equipment.

          Ohne Sampeln geht da schon rein platztechnisch nichts, vor allem, wenn auch noch Naidoo und Sabrina Setlur, damals noch Schwester S. und heute nicht mehr so bekannt, für ein paar Songs als Gäste hinzukamen. Zehn Jahre lang gehörten die Rödelheimer zu den hellsten Sternen am Pophimmel und Pelham zu seinen umtriebigsten Geschäftsleuten. Mit Sitz in Rödelheim.

          Und obwohl mittlerweile auch hier die schicken Eigentumswohnungen florieren, gilt Rödelheim seither als die Bronx von Frankfurt. Noch heute fragen Leute mit so gediegenen Herkunftsorten wie München, Freiburg oder dem Westend, ob es „da“ denn auch sicher sei. Gut, manchmal kommt es vor, dass man morgens in der Bahnunterführung ein paar Blutspritzer sieht - Spuren nächtlicher Kämpfe. Ansonsten aber muss der millionenfache Tonträgerverkäufer Pelham den Stadtteil nachhaltig vom harten Reim zum weichen Sein umgekrempelt haben - nicht nur sich selbst.

          „Stadtteil gegen Rassismus“ steht auf den gelben Ortsschildern, und im einzigen wirklich hippen Laden kann man T-Shirts mit der Aufschrift „Wir sind Rödelheim“ erwerben. Das klingt zwar wie der Refrain eines Raps, in den Shirts aber toben die lieben Kleinen auf den multikulturellen Spielplätzen der No-Go-Area Rödelheim. Moses Pelhams Unternehmen 3p übrigens sitzt heute laut Internetseite in der Krögerstraße 2. Innenstadt, Mann.

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