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Diplomatische Beziehungen : Konsularstandort Frankfurt wächst und wächst

Unscheinbar, aber wichtig: Hinter dieser Tür residiert der amerikanischen Generalkonsul in Frankfurt. Bild: Röth, Frank

Inzwischen sind fast 110 Staaten am Main vertreten. Besonders wichtig ist den Diplomaten die wirtschaftliche Bedeutung Frankfurts als Finanzzentrum, aber das sind noch nicht alle Gründe.

          In Berlin kennt sich John Chukwuma Eziaghighala inzwischen ganz gut aus. In Frankfurt muss er sich erst noch zurechtfinden. Aber das dürfte dem Diplomaten, der sein Heimatland Nigeria künftig als Generalkonsul in der Mainmetropole vertreten soll, nicht sonderlich schwerfallen. Derzeit bereitet er zusammen mit einigen Mitarbeitern die offizielle Eröffnung des Generalkonsulats vor. Seine Ernennungsurkunde hat das jüngste Mitglied im Konsularischen Korps schon bekommen, es fehlen nur noch die passenden Büroräume.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nigeria ist der nunmehr 108. Staat, der mit einem Konsulat, einem Generalkonsulat oder einem Honorarkonsul in Hessen präsent ist. Die allermeisten dieser Vertretungen haben ihren Sitz in Frankfurt - und es werden immer mehr. Fast zeitgleich mit Eziaghighala hat auch ein Konsul aus Turkmenistan seine Arbeit aufgenommen, und vor kurzem hat zudem das algerische Außenministerium angekündigt, eine permanente konsularische Vertretung in der größten Stadt Hessens einzurichten.

          Hamburg überholt

          Dieter Beine hofft, dass dem Beispiel Algiers noch viele Regierungen folgen werden. Der Protokollchef des Landes Hessen verfolgt nämlich ein Ziel: Er will Bayern als führenden Konsularstandort in Deutschland überholen. Mit der Hauptstadt Berlin und ihren fast 120 Botschaften können es die Hessen nicht aufnehmen, aber Hamburg haben sie in den vergangenen Jahren immerhin schon hinter sich gelassen.

          Neu in der Stadt ist auch Ivan Jordanov, er vertritt schon seit Juni offiziell das EU-Mitglied Bulgarien am Main. Er ist der erste Berufsdiplomat, der für sein Heimatland in Frankfurt tätig ist. Bisher hatte sich der Rechtsanwalt und Notar Ingo-Endrick Lankau als Honorarkonsul um die Belange Sofias in Frankfurt und Hessen gekümmert - und das soll er auch weiterhin tun. Denn weil das Dienstgebiet Jordanovs sehr groß ist und außer Hessen auch Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und das Saarland umfasst, hat sich die bulgarische Regierung dazu entschlossen, bei der konsularischen, wirtschaftlichen und kulturellen Arbeit auch künftig auf Lankaus Hilfe zu setzen.

          Nur für die Ehre

          Auch Mathias Müller, der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Frankfurt, ist seit einigen Monaten Honorarkonsul. Er vertritt das Sultanat Oman. Im November hat er aus den Händen des Botschafters des Oman in Deutschland, Khalid Ba’Omar, seine Ernennungsurkunde erhalten. In seinem neuen Amt hat Müller vielfältige Aufgaben, die er ehrenamtlich erledigt, denn Honorarkonsuln bekommen kein Honorar, sondern statt Geld nur „honour“, also Ehre.

          Die Honorardiplomaten stellen in Frankfurt etwa die Hälfte des Konsularischen Korps. Im Gegensatz zu den Berufskonsuln sind sie keine Staatsbürger des von ihnen repräsentierten Landes, für dieses aber eine günstige und oft sehr effektive Art der Diplomatie. Sie kümmern sich in ihrem Dienstbezirk - in Müllers Fall sind das die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen - um die Interessen der Bürger ihres Entsendestaates, schmieden wirtschaftliche und kulturelle Kontakte und nehmen Termine aller Art wahr. Und das sind an einem großen Konsularstandort wie Frankfurt eine Menge.

          Internationales Dienstleistungszentrum

          Im Frankfurter Römer und in der Staatskanzlei in Wiesbaden wertet man die stetige Vergrößerung des Konsularischen Korps als bemerkenswerten Beleg für die Attraktivität des Landes im Allgemeinen und Frankfurts im Besonderen. Grund für die große internationale Präsenz in der Mainmetropole sei in erster Linie die wirtschaftliche Bedeutung des Finanzplatzes, heißt es immer wieder auch von Seiten der Diplomaten. Aber auch die zentrale Lage, die gute Verkehrsanbindung und die Internationalität kommen der Stadt zugute.

          Vor allem der Rang als internationales Finanz- und Dienstleistungszentrum erklärt, dass Frankfurt überhaupt zur Diplomatenhochburg werden konnte. In allen anderen Bundesländern kommt nämlich den Landeshauptstädten diese Rolle zu. Der Frankfurter Status hat ursprünglich aber auch damit zu tun, dass die Stadt seit je mit großem Abstand größte hessische Kommune ist. Deshalb haben nur einige wenige Diplomaten Quartier außerhalb der Mainmetropole bezogen, etwa in Kassel, Wiesbaden und Bad Homburg.

          NSA-Spekulationen mitten in Frankfurt

          Die größten Vertretungen in Frankfurt werden nach wie vor von den Vereinigten Staaten, China, Russland und Frankreich sowie von der Türkei, Indien und Japan unterhalten. Großbritannien ist vor einigen Jahren aus dieser Riege ausgeschieden und hat damit ebenso wie die Niederlande und einige andere EU-Staaten darauf reagiert, dass ihre Bürger in Deutschland völlige Freizügigkeit genießen und seltener Hilfe und Unterstützung brauchen. Diplomatischer Ersatz kommt aus anderen Teilen der Welt: Protokollchef Beine zufolge ist in den vergangenen Jahren vor allem in Osteuropa und in der arabischen Welt das Interesse am Standort Frankfurt gewachsen. Darum haben sich die Landesregierung und er besonders über die neuen Generalkonsulate Kuweits und Saudi-Arabiens gefreut, die vor gut einem Jahr eingerichtet wurden.

          Das wichtigste Generalkonsulat am Main ist unbestritten das amerikanische. Generalkonsul Kevin Milas führt nicht nur die größte diplomatische Vertretung überhaupt in Deutschland. Das Konsulat, das Ende 2005 vom Frankfurter Westend in das ehemalige General Hospital im Stadtteil Eckenheim verlegt wurde, ist auch eine der größten diplomatischen Einrichtungen Amerikas weltweit. Während die Botschaft in Berlin die Vereinigten Staaten politisch vertritt, sind in Frankfurt in erster Linie Managementqualitäten gefragt.

          Das Generalkonsulat mit seinen 30 000 Quadratmeter Bürofläche ist die Drehscheibe zur Versorgung und Unterstützung von fast der Hälfte aller knapp 270 amerikanischen Auslandsvertretungen - und ist genau deshalb zuletzt in die Schlagzeilen geraten. Im Zuge des NSA-Skandals sind zahlreiche Spekulationen über die Tätigkeit von NSA- und CIA-Mitarbeitern im Konsulatskomplex laut geworden. Auch der Secret Service, das Heimatschutzministerium und angeblich sogar der „Special Collection Service“, jene Geheimdienst-Abteilung, die in Berlin das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin abgehört hat, sollen dort aktiv sein. Und Generalkonsul Milas braucht derzeit sein ganzes diplomatisches Geschick, um die Wogen einigermaßen zu glätten.

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