https://www.faz.net/-gzg-90w36

Hengste müssen weg : Landgestüt künftig ohne Zucht

Künftig ohne Henge: Landgestüt in Dilenburg Bild: dpa

Die traditionsreiche Einrichtung in Dillenburg bleibt nach einem Kompromiss zwischen Umweltministerin und der Stadt doch erhalten. Nur die Hengste müssen weg.

          2 Min.

          Dillenburg kann aufatmen, denn sein energischer Kampf für den Erhalt des mitten in der Innenstadt gelegenen, denkmalgeschützten Landgestüts war erfolgreich. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) hat ihre vor sechs Wochen geäußerte Absicht, das knapp 3,6 Hektar große Landgestüt zu schließen, aufgegeben und sich auf einen Kompromiss eingelassen: Es werden in Dillenburg künftig keine Hengste mehr gehalten und gezüchtet, die 30 verbleibenden Pferde erhalten mehr Auslauf.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          „Mit einer Verringerung des Tierbestandes und zusätzlichem Auslauf ist kurzfristig eine Verbesserung des Tierschutzes erreichbar“, sagte Hinz in Wiesbaden. Der Tierschutz habe im Landgestüt aus ihrer Sicht Vorrang. Für Stuten und Wallache, die im Unterschied zu Hengsten in Gruppen gehalten werden können, ergebe sich die Möglichkeit eines zusätzlichen Auslaufs auf Teilen des 6000 Quadratmeter großen Paradeplatzes, der dann mit mobilen Zäunen unterteilt werde. Weil die Hengstzucht aus Dillenburg seit Jahren an Bedeutung verliere, habe sich das Land entschlossen die Hengsthaltung endgültig aufzugeben. Derzeit stehen noch elf Hengste in den Ställen. Die Reit- und Fahrschule kann damit am bisherigen Standort weiter betrieben werden, wie dies auch diverse reiterliche Vereinigungen und Pferdesportverbände gefordert hatten.

          F.A.Z.-Newsletter Familie
          F.A.Z.-Newsletter „Hauptwache“

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Hinz sieht sich durch die von der Stadt kürzlich vorgelegten Gutachten zum Tierwohl in Dillenburg bestätigt, dass die Haltungsbedingungen dort trotz mancher Anstrengung in den vergangenen sechs Jahren noch verbessert werden können. „Es war und ist mein Anliegen, gemeinsam mit der Stadt zu einer Lösung im gegenseitigen Einvernehmen zu kommen“, sagte die Ministerin. Das sei jetzt möglich. Sie hoffe, dass die Stadt, der Pferdesportverband, der Förderverein und alle Bürger in Zusammenarbeit mit dem Land dazu beitragen, das Gestütsgelände als touristische Attraktion zu beleben.

          „Dillenburg freut sich über den Erhalt des Landgestüts“, fasst Bürgermeister Michael Lotz (CDU) trotz der Aufgabe der Hengstzucht die Stimmung in Mittelhessen zusammen. Er verweist auf den Erhalt der Arbeitsplätze und bietet dem Land eine Zusammenarbeit bei den nun anstehenden Schritten der Neuordnung an. Auch die Fraktionsspitzen der nach Wiesbaden mitgereisten Dillenburger Parteien und Wählergruppierungen sind zufrieden mit dem Fortbestand der traditionsreichen Kultureinrichtung.

          „Traditionseinrichtung“

          Das Landgestüt war 1869 gegründet und 1929 um die Reit- und Fahrschule erweitert worden. Die Vorgeschichte reicht allerdings bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die ursprüngliche Zielsetzung, nämlich für Armee und Landwirtschaft robuste Tiere zu züchten, ist allerdings schon seit Jahrzehnten nicht mehr aktuell. Nachdem das Landgestüt in Darmstadt schon vor 60 Jahren geschlossen wurde, blieb Dillenburg einzige Bastion der staatlichen Pferdezucht in Hessen.

          Die Grünen im Landtag loben die Entscheidung als sinnvollen Schritt, um den verbleibenden Tieren mehr Auslauf zu ermöglichen und damit dem Tierwohl gerecht zu werden. Der SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel ist ebenfalls zufrieden, dass die „jahrhundertealte Traditionseinrichtung“ erhalten bleibt. Die „emotionalen Diskussionen“ der zurückliegenden Wochen seien aber überflüssig gewesen, „weil der Kompromiss so nah lag“. Nach Ansicht der FDP hat Hinz „ohne Not und ohne Konzept eine ganze Region in Aufruhr versetzt“. Ihr Einlenken sei seltsam, nachdem die Grünen noch in dieser Woche die „angeblich so dramatische Situation“ in Dillenburg erläutert hätten. Die FDP stehe zum Pferdestandort Dillenburg und verlange ein zukunftsfähiges Nutzungskonzept.

          Weitere Themen

          Ein harter Schnitt

          Feldmann und die Awo-Affäre : Ein harter Schnitt

          Der Frankfurter Oberbürgermeister hat endlich geredet. Das ist schön. Das Problem ist nur, dass Peter Feldmann wenig gesagt hat, das zur Aufklärung in der Awo-Affäre beitrüge.

          Topmeldungen

          Nach den britischen Wahlen : Mehr Blair fürs Volk

          Boris Johnson ist mit voller Wucht gegen die „rote Mauer“ des Labour-Herzlands gefahren und hat große Teile davon zum Einsturz gebracht. Warum fühlt man sich jetzt dennoch an einen früheren Labour-Premier erinnert?

          Radwege zu eng? : Radfahrer verursachen immer mehr Unfälle

          Mehr Fahrradfahrer, mehr Lastenräder und zu schlechte Radwege: Die Zahl der Unfälle auf zwei Rädern steigt stark, wie Unfallforscher melden. Auffällig: Besonders die Zahl der Kollisionen von Radfahrern untereinander nimmt zu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.