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Digitalisierung der Schulen : Laptops und Tablets aus Schilda

Digitalisierung: Nicht an allen Schulen kann mit Tablets und Laptops im Unterricht gearbeitet werden. Bild: dpa

Digitaler Unterricht funktioniert in Hessen nur bedingt gut. Schuld daran sind nicht nur die Lehrer. Die wenig wendigen staatlichen Stellen tragen ihren Teil dazu bei. Das führt zu absurden Situationen.

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          Die Unterschiede sind riesig. Wer einmal miterlebt hat, wie an einer Privatschule wie dem Campus Klarenthal in Wiesbaden Unterricht aus der Ferne funktioniert, wird das nicht so schnell vergessen. Da erscheint der Lehrer aus der Risikogruppe per Videoschalte auf der Leinwand, arbeitet gemeinsam mit den Schülern an Dokumenten, und in jedem Klassenraum steht ein Ladekoffer voller Tablets.

          Manche staatlichen Schulen müssen dagegen noch Jahre darauf warten, bis sie endlich W-Lan bekommen. In Frankfurt sind die letzten erst 2024 an der Reihe. Zur Erinnerung: W-Lan, das ist dieses Zaubermittel, mit dem sich Computer in dieses verrückte Internet einwählen.

          Hundsmiserable Ausstattung und unvorbereitete Lehrer

          Familien aus der Region berichten von Elternabenden, an denen der Klassenlehrer unverblümt zugibt, auf eine neue Schulschließung nicht vorbereitet zu sein. Gebe ja keine Fortbildungen. Die Ausstattung – hundsmiserabel. Und von den oberen staatlichen Stellen komme halt gar nichts.

          Das letzte Beispiel zeigt, dass die Unterschiede auch in Motivation und Willen der einzelnen Schulen und Lehrer liegen. Etliche geben ihr Bestes, schlagen sich Wochenenden und Abende um die Ohren, um ihre Schule fit für die digitale Zukunft zu machen, die fast überall sonst längst alltägliche Gegenwart ist. Diese Lehrer fühlen sich oft zu Recht in Mithaftung genommen für weniger engagierte Kollegen. Etwa wenn aufgeregte Eltern immer noch mehr fordern, zum Beispiel detaillierteste didaktische Hinweise beim digitalen Unterricht.

          Zudem haben engagierte Lehrer mit staatlichen Stellen zu kämpfen, die sich in diesen Tagen wenig wendig zeigen. Das macht es vor allem für jene Schulen schwierig, die sich selbst schon Gedanken über digitale Formate gemacht haben. Die Abläufe bei den Bestellungen der Städte und Landkreise aus den Bundes- und Landesmitteln des Digitalpaktes und des Corona-Programms für bedürftige Familien mögen jeweils einen Sinn ergeben. In der Praxis führen sie aber zu absurden Situationen. Da bekommt die Gesamtschule in Schwalbach fast hundert Tablets und hätte doch viel lieber Laptops. Das zwanzig Kilometer entfernte Frankfurter Gymnasium nähme genau diese Tablets mit Kusshand, darf aber nur Laptops bestellen. Schilda? Nee, Deutschland.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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