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Mein digitales Leben : „Schanghai war vor zehn Jahren weiter als wir jetzt“

  • -Aktualisiert am

Bausatz: Stadtteil von Shanghai im Jahr 2011 Bild: Reuters

Nicht erst in der Pandemie zeigt sich, dass es große Unterschiede bei der Digitalisierung zwischen Deutschland und anderen Ländern gibt. Die Studentin Sharon Gehles berichtet von ihren Erfahrungen in Südkorea und Schanghai.

          4 Min.

          Welche digitalen Techniken nutzen Sie regelmäßig?

          Laptop und mein Handy sind die zwei wichtigsten Dinge.

          Setzen Sie sich bewusst Zeiten, in denen Sie Ihr Handy mal zur Seite legen?

           Ja, das versuche ich recht oft. Da lasse ich dann das Handy zu Hause. Man ist schon sehr gebunden ans Handy, nimmt es überall mit hin. Ich sage mir dann, dass ich die Nachrichten auch später noch lesen kann. Früher, als ich jünger war, gab es noch gar keine Handys. Da konnte man einander auch nicht durchgehend erreichen.

          Haben Sie Beispiele, wo es Ihnen schwerfällt, auf Ihr Handy zu verzichten?

          Wenn ich irgendwas mit Freunden oder Familie unternehme, dann fehlt mir das Handy eigentlich gar nicht. Aber wenn ich zum Beispiel im Zimmer sitze und nichts mache, dann merke ich schon: „Oh, jetzt könnte ich eigentlich mal auf Youtube gehen.“

          Inwiefern finden Sie digitale Kommunikationsmedien nützlich?

          Man kann sich durchgehend mit Leuten unterhalten und andere erreichen, wenn etwas Wichtiges ist. Ich habe viele Freunde im Ausland, da ist es cool, einfach so in Kontakt zu bleiben. Man muss nicht Briefe schreiben und fünf Wochen warten, bis die Post hier ist. Auch Apps finde ich nützlich, etwa jetzt in Corona-Zeiten die Luca-App, mit der es so viel einfacher ist einzuchecken, oder die App CovPass, bei der man nicht immer seinen Impfausweis und Personalausweis mitnehmen muss.

          Gibt es Lebensbereiche, von denen Sie sagen, da sollte keine Digitaltechnik genutzt werden?

          Gar keine Technik? Puh, spontan fällt mir da nichts ein. Ich habe schon das Gefühl, dass Technik das Leben verbessert. Aber es ist schon interessant, wie sehr man an die Techniken gebunden ist. Ich weiß noch, als ich fünf Jahre alt war, da hat mein Papa eine Landkarte aufgeschlagen und gesagt: „Okay, wir müssen jetzt die A 3 und dann die A 5 entlangfahren.“ Als ich letztens nach Frankfurt gefahren bin, wäre ich ohne mein Handy wahrscheinlich nicht hingekommen. Aber das Ding ist: Man muss es auch nicht können, denn man hat ja das Handy.

          Sie haben im Alter von 16 bis 19 Jahren in Schanghai gelebt. Wenn Sie vergleichen: Wie war denn damals der Technikstand verglichen mit Deutschland, etwa bei der Handynutzung?

          Ich muss sagen, vor zehn Jahren war Schanghai schon weiter, als wir jetzt sind. Damals konnte man schon in Schanghai mit dem Handy bezahlen, das fängt ja erst langsam hier in Deutschland an, ist noch nicht richtig verbreitet. Man hatte in Schanghai so etwas Ähnliches wie Whatsapp, mit QR-Code, damit konnte man bezahlen, auch an kleinsten Kiosken. Bettler hatten nicht wie bei uns eine Tasse dastehen, sondern man konnte ihnen über einen QR-Code Geld spenden. Die britische Schule in Schanghai, auf der ich war, hatte Smartboards, jeder hatte einen Laptop – die war komplett Hightech. In Deutschland war ich in einer Schule in Schweinfurt gewesen, da hatten wir noch Schwamm, Kreide und eine ganz normale Tafel. Das war für mich ein sehr großer Unterschied. Auch die Haushaltsgeräte – Waschmaschinen etwa – haben damals schon gesprochen. Jetzt gibt es hier zwar Alexa und Co, aber das kam ja auch erst vor ein paar Jahren.

          Ihre Mutter ist Koreanerin, Sie selbst waren oft in Südkorea. Sehen Sie kulturelle Unterschiede in der Nutzung und Akzeptanz von Digitaltechniken, etwa bei Datenschutz oder Technikaffinität?

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